-bâri
Band I, Spalte 472
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-bâri adj. Suffix, ja-St., in Zss. wie ahd. dank-
bâri dankbar, egibâri schrecklich, skînbâri
manifestus, trôstbâri tröstlich zunächst noch
in der durchsichtigen Funktion tragend, (mit
sich) bringend
und nur mit Subst. verbunden
(s. Wilmanns, Dt. Gr. II § 375); allmählich aber
wird es zum adj.bildenden Suffix mit der Bed.
möglich, dienlich oder fähig zu, so in hîbâri
nūbilis, der Ehe gemäß, liutbâri öffentlich be-
kannt
u. ä., gleichzeitig geht es, und immer
mehr im Nhd., häufigere Verbindung ein mit
Verbalstämmen (ebd. § 377). Überhaupt nimmt
seine Zahl, die im Ahd. noch verhältnismäßig
beschränkt war, von der mhd. Periode an ganz
erheblich zu (ein nicht zweifelsfrei überliefertes
Simplex [kampfes] bære, Wolframs Parzival
209, 20). Der lautlichen Gestalt nach, mhd.
-bære, aber auch schon oft schwächer betontes
-ber, setzt sich im Nhd. -bar durch, dessen um-
lautlose Form man entweder mit den relativen
Tonverhältnissen des Wortes oder aber als An-
gleichung an die umlautlose Variante des Adv.
-bâro erklärt hat (s. Wilmanns, Dt. Gr. I § 195.
317).

Ahd. Wb. I, 812; Graff III, 148 ff.; Schade 41; Lexer I,
127; Benecke I, 146; Dt. Wb. I, 1120 f.; Kluge21 50.

Außer im Got. finden sich Adj.bildungen mit
einem dem ahd. -bâri entsprechenden Wortele-
ment in sämtlichen germ. Dialekten: as. -bāri,
mndd. -bār(e); mndl. -baer, -ber, nndl. -baar; a-
fries. -bēr(e), -ber, nostfries. -bār; ae. -bǣre
(æppelbǣre pōmifer) (nicht me. oder ne.); aisl.
-bǽrr (hfugbǽrr schwer zu tragen; vereinzelt
als Simplex im Sinne von passend, berechtigt,
s. Fritzner, Ordb. o. d. gamle norske sprog I,
225), nisl. -bær, während nnorw. ndän.
nschwed. -bar wohl aus dem Ndd. entlehnt
sind.

Die zu erschließende germ. Grundform
*-bǣrija-z mit der Dehnstufe des Stammvokals
des st.v. ahd. beran (s. d.) hat ihre morphologi-
schen Parallelen besonders Nordgermanisch,
etwa in aisl. nǽmr (an)nehmbar, tœ́kr zu neh-
men
und in rechtlichen Termini wie drǽpr (un-
gestraft) zu töten
oder kirkjugrœ́fr bei einer
Kirche zu begraben
; doch fehlt es auch im
Westgerm. nicht an vereinzelten Beispielen von
Verbaladj. auf -ja- mit Dehnstufe des Stamm-
vokals, wie ahd. gizâmi ziemend, gifuori pas-
send
sowie ae. gedēfe (< *ga-dōija-) schick-
lich, passend
; daneben gelegentliche -ja-Bil-
dungen mit Schwundstufe des Stammvokals
wie ae. yðfynde, anord. auðfyndr (< *-fundia-)
leichtauffindbar, as. luggi lügnerisch, ahd.
nuzzi utilis.

Fick III (Germ.)4 261; Verdam, Mndl. handwb. 49;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 26; Vries, Ndls. et. wb. 24;
Holthausen, Afries. Wb. 7; Doornkaat Koolman, Wb.
d. ostfries. Spr. 99 f.; Holthausen, Ae. et. Wb. 15; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 66; Suppl. 61; Vries, Anord. et.
Wb.2 69; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 613; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 32; Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 49.

Auch außergerm. sind sprachliche Parallelen
von ahd. -bâri reichlich vertreten, wie etwa
aind. bhārya- zu tragen (neben -bhará- tra-
gend, [mit sich] bringend
); av. -barō dss.;
arm. -wor, etwa in lusawor lichtbringend (da-
neben sekundär arm. -ber wie lat. -fer, s. u.); gr.
-φόρος, etwa in καρποφόρος frūgifer (mit an-
derer Ablautsstufe), und mit Dehnstufe des
Stammvokals in *φωριο- (< *bhōrio-), ablau-
tend mit germ. *bǣrija-, in φωριαμός f.
(Trag)Kasten, Truhe; lat. -fer tragend, brin-
gend
etwa in lūcifer lichtbringend mit sekun-
därem -fer für -for (s. Leumann, Lat. Laut- u.
Formenlehre § 87. 265 c); dazu die ligur. Fluß-
namen Porco-bera (die) Lachsführende,
Gando-bera Geröllführende. Zu Form und
Funktion des besonders im Indo-Iranischen
und Germ. häufigen Verbaladj. auf *-(i)os mit
meist passiver Bedeutung vgl. Brugmann, Grdr.2
II, 183 f.; Wackernagel, Aind. Gr. II, 2 bes. S.
802 ff.; Kluge, Nom. Stammbildung3 § 231; Wil-
manns, Dt. Gr. II § 310.

Walde-Pokorny II, 156; Pokorny 128 ff.; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. II, 477; Bartholomae, Airan. Wb.
933 f.; Horn, Grdr. d. npers. Et. 36; Frisk, Gr. et. Wb.
II, 1004. 1060; Boisacq, Dict. ét. gr.4 1035; Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. I, 483 ff.; Ernout-Meillet, Dict.
ét. lat.4 227; zum Ligur. s. M. Olsen, Zfvgl. Spr. 39
(1906), 607 ff.; V. Bertoldi, Norsk tidsskrift f. sprogvid.
4 (1930), 176 ff.

S. auch beran.

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