-blîchan
Band II, Spalte 183
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-blîchan st. v. I, in den Zss. biblîchan
erstrahlen, refulgere (nur piplihhit Gl.
1, 240, 38); firblîchan den Glanz verlieren, ver-
blassen, splendere, desinere
(nur ferblîchent
Notker); irblîchan erglänzen, funkeln, re-
splendere, vibrare
(nur erblichit Gl. 4, 165, 8;
erblîchendiu Notker). Mhd. blîchen st. v.;
nhd. (er-, ver-)bleichen st. v. Im Ahd. sind nur
Präsensformen belegt, aber Zugehörigkeit zur
ersten starken Konj. wird durch mhd. Formen
sowie ae. und aisl. Entsprechungen gesichert
(s. u.).

Die Form bliche 3. sg. präs. konj. in der Hs. F von Ot-
frids Evangelienbuch (2, 14, 106) wird von Schütz-
eichel4 78 als ein ahd. Beispiel für das Simplex *blî-
chan gedeutet; nach Ahd. Wb. I, 1195 ist es für *blei-
che verschrieben (die Hs. V hat i zu ei korr.) und ge-
hört zum schw. Verb bleichên (s. d.).

Ahd. Wb. I, 1208 f.; Splett, Ahd. Wb. I, 80; Schütz-
eichel4 78; Starck-Wells 66; Graff III, 244; Schade
76; Lexer I, 306; Benecke I, 205; Dt. Wb. III, 729 f.
(erbleichen); XII, 136 f. (verbleichen); Kluge21 83;
Kluge22 91; s. auch I. Reps, PBB 72 (1950), 242.

Entsprechungen in den anderen germ. Sprachen
sind as. blīkan glänzen (nur Präsensformen be-
legt), mndd. blīken sw. v. glänzen, offenbar
werden
; mndl. blīken, nndl. blijken glänzen,
sichtbar werden
; afries. blīka sichtbar sein,
nfries. blīken Schein und Glanz haben, sichtbar
werden
; ae. blīkan (blāc, blicon, blicen) glän-
zen, scheinen, leuchten
, me. blikan, blikien,
ne. veraltet blik(e) dss. (die me. und ne. For-
men stellen wohl eine Mischung des st. V. [ae.
blīkan] und des schw. V. [ae. blician, vgl. ahd.
blicken] dar); aisl. blíkja (zur Bildung s. No-
reen, Aisl. Gr.4 § 263), prät. pl. bliku glänzen,
scheinen
, nisl. blíka, nnorw. blika.

Fick III (Germ.)4 286; Seebold, Germ. st. Verben
118 f.; Holthausen, As. Wb. 8; Sehrt, Wb. z. Hel.2 56;
Berr, Et. Gl. to Hel. 56; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 294 f.; Verdam, Mndl. handwb. 102;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 71; Vries, Ndls. et. wb.
64; Holthausen, Afries. Wb.2 10; Richthofen, Afries.
Wb. 653 f.; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr.
I, 186; Holthausen, Ae. et. Wb. 27; Bosworth-Toller,
AS Dict. 109 f.; ME Dict. AB, 973 f.; OED2 II, 284;
Vries, Anord. et. Wb.2 44; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
644; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 19; Torp,
Nynorsk et. ordb. 29 (blik); Hellquist, Svensk et.
ordb.3 47. S. auch Wißmann, Nomina Postverb. 52 f.

Die aufgrund dieser Formen anzusetzende Basis
germ. *leik-, idg. *bhl-, ist im Germ. sehr
produktiv; s. auch bleh, bleih, blic, blicken.
Außerhalb des Germ. scheint sie aber nur im
Balt. und Slav. belegt zu sein: lit. blykti weiß,
bleich werden
, bliskti, blykti glänzen, fun-
keln
, blizgěti flimmern, blitzen, blaikttis
sich aufklären (vom Himmel); lett. bligêt
flimmern, blizêt blinken, blaiskums Fleck;
aksl. blьtati, bliscati (s) glänzen, bliskъ
Glanz, russ. blistát’ glänzen usw.

Idg. *bhl- ist wohl eine Erweiterung einer Ba-
sis *bhl-, die mit Dentalerw. in ahd. blîdi hei-
ter, froh, freundlich
vorkommt (s. d.). Zugrun-
de liegt wohl die Wz. *bhel(ǝ)- [**bhel(H)-]
glänzend, weiß ( bal2, belicha).

Walde-Pokorny II, 211 f.; Pokorny 156 f.; Fraenkel,
Lit. et. Wb. 46; ders., Zfslav.Phil. 20 (1950), 281;
Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. I, 307 f. 315;
Berneker, Slav. et. Wb. I, 63 f.; Trautmann, Balt.-
Slav. Wb. 34; Vasmer, Russ. et. Wb. I, 93; Sadnik-
Aitzetmüller, Vgl. Wb. d. slav. Spr. Nr. 131. S. auch
L. A. Connolly, PBB 99 (Tübingen, 1977), 187 f. (sehr
fragliche Rekonstruktion mit Laryngallauten).

S. auch bleiza, blîo, bluhhen.

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