-lîh
Band V, Spalte 1265
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-lîh suff. Var.: -i-. Das Suff. dient
zur Bildung von Adj. Die zugehörige Adv.-
form ist -lîcho. Bereits früh wurden Suff.-
konglomerate der Gestalt -îg-lîh, -ig-lîh,
-ag-lîh etc. gebildet (s. -g), die ausgespro-
chen produktiv wurden (Winkler 1995: 86
91. 208 f. 219 f. 407 f.). Bei Ableitungen von
Subst. wird mit dem Suff. eine Ähnlichkeit
mit dem Grundwort bezeichnet; bei Ablei-
tungen von Adj. kann diese Bez. der Ähn-
lichkeit schon früh verblasst sein, so dass
Grundwort und Ableitung als homonym er-
scheinen. Mhd. -lîch, nachtonig gekürzt
auch -lich (ab dem 13. Jh. bereits sehr
verbreitet), bair. seit dem 13. Jh. in Hss. auch
schon mit Diphthongierung als -leich, nhd.
-lich. Das Suff. ist auch im Nhd. noch pro-
duktiv.

Splett, Ahd. Wb. 2, 266f. 303 ff.; Kluge21 439; Kluge25
s.v. -lich; Pfeifer, Et. Wb.2 797. Schatz 1927: §§ 88.
90; Henzen 1965: § 133; Dt. Wortb. 3, 36. 53. 66.
259 ff. passim; Bürgisser 1983: 84100. 124145;
Bergmann 1991: 315324; 361 f. 374379; Winkler
1995; Schmid 1998; Braune-Reiffenstein 2004: §§ 67.
145 Anm. 5. 148 Anm. 1. 267 Anm. 3. 280 Anm. 1 f.
300 Anm. 1; Paul-Klein-Solms-Wegera 2007: §§ L
22, 3. L 23. L 40 Anm. 1. M 33 mit Anm. 1. M 51. M
55; Klein-Solms-Wegera 2009: 310326.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. -lîk (adv. -lîko), mndd. -līk; andfrk. -līk,
mndl. -lijc, nndl. -lijk; afries. -līk, nwestfries.
-lik; ae. -líc, -lic (adv. -líce, -lice), me.
-lich(e), ne. -ly; aisl. -líkr (früh sekundär
umgestaltet zu -ligr [adv. -liga], -legr nach
den Adj. auf -igr; die frühere Annahme ei-
ner nachtonigen Schwächung von Vokalis-
mus und Konsonantismus hat keine Paralle-
len und ist zu verwerfen), nisl. -ligur, adän.
-likær, ndän. -lig, nnorw. -lig, aschwed.
-līker, -ligher, nschwed. -lig; got. -leiks: <
urgerm. *-līka-.

Das Suff. ist durch Metanalyse aus urspr.
Bahuvrīhi-Komp. mit dem HG urgerm. *lī-
ka- Körper, Form, Gestalt entstanden (zur
Etym. s. lîh). Es kam hierbei zu einer Bed.-
entwicklung die Gestalt von XY habend >
XY-artig. Ausgehend von derartigen Bil-
dungen mit nominalem VG konnten Ablei-
tungen dann nach und nach letztlich von al-
len Wortarten erfolgen, auch von verbalen
Basen, Pron.adj. etc. Das Suff. ist von Bil-
dungen auf vorurgerm. *-li-ko- (vgl. ahd.
sulh solch [s. d.]) zu trennen, bei denen es
sich um Erweiterungen um *-ko- zu alten
Adj. auf *-li- handelt, wie sie z.B. in lat. tālis
so ein, quālis was für ein, aksl. tolь so
sehr, so viel
usw., erweitert tolikъ so viel
(mit dem Suff.konglomerat urslaw. *-līko-)
vorliegen. Die Bildungen haben sich freilich
gegenseitig beeinflusst.

Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 388; Vries, Ndls. et. wb.
401; Et. wb. Ndl. Ke-R 231; Boutkan, OFris. et. dict.
241 (-lik2, -like2); Hofmann-Popkema, Afries. Wb.
304; Fryske wb. 12, 287 f.; Holthausen, Ae. et. Wb.
200 (s. v. lī3); OED2 s. v. -ly suff.1, suff.2; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 734; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
643; Magnússon, sl. Orðsb. 550 (s. v. -lega). 551
(s.v. -legur); Nielsen, Dansk et. ordb. 261 f. (-lig2);
Bjorvand, Våre arveord2 660; NOB s. v. (bm.) -lig;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 572 f. Wilmanns [1906
1930] 1967: 2, §§ 354, 4. 361372; Kluge 1926:
§§ 176b. 237 f.; Jóhannesson 1927: §§ 76. 78; ders.
1929: § 36 [S. 51]; Campbell 1959: §§ 88. 371. 452.
457. 461. 477,3. 642; Guchman 196266: 3, 1214.
335; 4, 43 f.; Krahe-Meid 1969: 3, § 168; Lühr 2000:
135.

S. lîh.

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