mies
Band VI, Spalte 403
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miesAWB n. a-St., in B, GB: ‚Tisch, Mahl-
zeit; mensaVar.: -ea-, -ia-. Das Wort ist aus
dem Lat. entlehnt (s. u.).

Ahd. Wb. 6, 555; Splett, Ahd. Wb. 1, 1226; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 780; Schützeichel⁷ 223; Graff 2, 874;
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 400 (mensa); Kluge²⁵ s. v.
Mensa; Pfeifer, Et. Wb.² 861 (Mensa). – Braune-Reif-
fenstein 2004: § 36. – Heyne 1899–1908: 1, 56. 110.

Die Entlehnungsbasis ist vulg.lat. mēsa. Das
lat. Wort wurde in weitere germ. Sprachen
entlehnt: ae. mēse, mēose, mīse, mȳse f. ‚Tisch,
Tischgerät‘, me. mēs, mese, messe ‚Mahl, Es-
sen, Essensportion, Medizindosis‘; got. mes* n.
‚Tisch, Schüssel‘.
Das Nebeneinander von ahd. mies und got.
mes* aus vulg.lat. mēsa (< klass. lat. mēnsa)
‚Tisch, Mahlzeit‘ macht eine bereits gemein-
bzw. urgerm. Entlehnung wahrscheinlich. Der
Schwund des Nasals vor s (über einen Nasal-
vokal) ist im Lat. bereits im 3. Jh. v. Chr. erfolgt
(vgl. auch alat. cosol, klass. lat. cōnsul ‚Kon-
sul‘ neben der Abkürzung cos). In der hoch-
sprachlichen Schreibung wurde der Nasal re-
stituiert.
Das n. Genus im Ahd. und Got. beruht wahr-
scheinlich auf dem frühen Entlehnungszeit-
punkt: Vulg.lat. mēsa wurde übernommen, als
im Germ. noch der Auslaut *-a(n) im Nom.
Akk.Sg.n. vorhanden war, so dass das Lehn-
wort in diese Gruppe und nicht in die f. ō-St.
überführt wurde. Ae. mēse entstammt demnach
wahrscheinlich einem späteren Entlehnungs-
vorgang, bei dem der ausl. vulg.lat. Vokal mit
dem ausl. Vokal der ō-St. gleichgesetzt wurde.
Das lat. Wort wurde im 20. Jh. in der Bed.
‚Kantine an Hochschulen‘ neu entlehnt; vgl.
nhd. Mensa, nndl. mensa ‚dss.‘ etc.

Et. wb. Ndl. Ke-R 335; Holthausen, Ae. et. Wb. 220; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 681; Suppl. 636; eMED s. v. mēs²;
eOED s. v. mensa; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 355 f.;
Lehmann, Gothic Et. Dict. M-54. – Braune-Heidermanns
2004: § 8.

Das vulg.lat. Wort wird in den rom. Sprachen
v. a. in der Bed. ‚Tisch‘ fortgesetzt; vgl. ita-
lien. mesa, arum. measă, rum. masă, rhrom.
méza, méiza, span. mesa, port. mesa ‚Wagen-
boden‘; in anderer Bed. frz. moise ‚Bandbal-
ken‘; in norditalien. Dial. auch ‚Backtrog‘. Da-
neben zeigt sich aber auch die Form mit re-
stituiertem -n-; vgl. italien. mensa, prov. mensa.
Vulg.lat. mēsa wurde auch ins Inselkelt.
entlehnt; vgl. air. mías, gen. méise f. ‚Platte,
Schüssel, Tisch, Altar‘, akorn. muiss (glossiert
disci), mkorn. muis (glossiert mensa), nkymr.
muys f. ‚Korb, Teller, Tisch (?), ein Maß für
Heringe‘, wobei im Kymr. das lat. Lehnwort
mit einem engl. Lehnwort (vgl. me. mayse,
maises, meis ‚Behälter für 500 oder 1000 He-
ringe‘ etc. > ne. mease, maise ‚(Korb für) 500
(Heringe), fassartiger, weitmaschiger Korb zur
Befestigung am Packsattel‘ [s. meisa¹]) zusam-
mengefallen ist.
Ältere Vorschläge, die das ahd. Wort zu ahd.
meisa ‚Tragekorb‘ (s. meisa¹) stellen wollten,
sind verfehlt.

Walde-Pokorny 2, 237 f.; Pokorny 703 f.; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. 2, 70; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴
397; de Vaan, Et. dict. of Lat. 372 f.; Thes. ling. lat. 8,
738 ff.; Niermeyer, Med. Lat. lex.² 2, 874; Du Cange² 5,
341; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 6084; Meyer-Lüb-
ke, Rom. et. Wb.³ Nr. 5497; Wartburg, Frz. et. Wb. 6, 1,
710 ff.; Hessens Ir. Lex. 2, 118; Vendryes, Lex. ét. de
l’irl. anc. M-47 f.; Dict. of Irish M-127 f.; Dict. of Welsh
2523 f. – Falileyev 2000: 115. 116; Hill 2003: 190 f.

HB

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