mittiwecha f. ōn-St., Gl. 3,205,7 (Hs.
12. oder 14. Jh., Zeit des Gl.eintrags unbe-
kannt). 397,1 (Anfang des 13. Jh.s, [rhein-]
frk.): ‚Mittwoch; aleziz [lingua ignota, Hil-
deg.], dies Mercurii, feria IIII [= quarta]‘ 〈Var.:
-td-; -wocha mit Übergang von e > o nach w〉.
Die Zusammenrückung aus mitti adj. (s. d.) und
wecha (s. d.) ist eine Lehnübersetzung von kir-
chenlat. media hebdomas ‚der mittlere von sie-
ben (Wochentagen)‘, das nach gr. ἑβδομάς f.
‚die Zahl sieben, bes. Anzahl von sieben Tagen,
Woche‘ gebildet ist. – Mhd. mittewoche, mit-
woche sw.m./f. ‚Mittwoch‘, daneben mittiche
(mit Reinterpretation des KHG als Nebensilbe,
da das Wort nicht mehr als Komp. empfunden
wurde; vgl. Paul 2007: § L 57, 6), ähnlich mit-
techen, mitchun (in Urkunden mit Verlust von
/w/; vgl. Paul 2007: § L 84 Anm. 2), frühnhd.
mitwoch f./m., auch mitich ‚Mittwoch‘, nhd.
Mittwoch m. ‚dritter Tag der mit Montag be-
ginnenden Woche‘, in frühnhd. (rip.) gudes-
tag, godestag, godenstag m. ‚Mittwoch‘, nhd.
mdartl. rhein. gudestag m. ‚dss.‘ ist noch die
alte heidnische Bez. mit dem GN Wotan im
KVG erhalten (s. u. und vgl. noch frühnhd. gu-
destagskammer f. ‚städtische Rentkammer, de-
ren Amtstag hauptsächlich der Mittwoch war‘).
Der Wandel von anl. w > g im KVG ist wohl
eine volkstümliche Umbildung in Anlehnung
an gut (vgl. E. Christmann, PBB 67 [1944],
362).
Ahd. Wb. 6, 785 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 630. 1082; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 794; Schützeichel⁷ 227; Starck-Wells
420; Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 420; Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 51. 68; Graff 1, 702; Lexer 1, 2191;
3, Nachtr. 321; Frühnhd. Wb. 7, 63 f. 626; 9, 2753; Die-
fenbach, Gl. lat.-germ. 180 (s. v. dies); Götz, Lat.-ahd.-
nhd. Wb. 195 (dies Mercurii). 259 (feria quarta); Dt. Wb.
12, 2427 f.; Kluge²¹ 483; Kluge²⁵ s. v. Mittwoch; Pfeifer,
Et. Wb.² 880. – Braune-Reiffenstein 2004: § 29 Anm. 4;
Müller-Frings 1966–68: 2, 318 f. – DRW 4,1232 f. – Mül-
ler, Rhein. Wb. 2, 1482. – E. Christmann, PBB 67 (1944),
362–368 (dort auch zu zahlreichen weiteren Beispielen
mit anl. g- für w-).
Ahd. mittiwecha entsprechen im West- und
Nordgerm.: mndd. middewēke(n), mitwēke(n)
m., selten f. ‚Mittwoch‘; mndl. middeweke f./m.
‚dss.‘; aisl. miðvikudagr m. ‚dss.‘, nisl. mið-
vikudagur ‚dss.‘, fär. miðvikudagur oder mi-
kudagur ‚dss.‘, nnorw. mekedag ‚dss.‘. Dane-
ben existiert im Anglofries. und Nordgerm.,
teilweise nebeneinander, auch noch die alte
Bez. mit dem GN Wotan im KVG: mndd. wō-
densdag, woensdach m. ‚Mittwoch‘; (mit Syn-
kope, Umlaut und Metathese) frühmndl. woens-
dach m. ‚dss.‘ (a. 1260), mndl. woensdach,
woonsdach, goensdach m. ‚dss.‘, nndl. woens-
dag ‚dss.‘; afries. wednesdei, wern(e)sdei, wen-
nesdei, wensdei, wonsdei m. ‚dss.‘, nwestfries.
woansdei, we(r)nsdei ‚dss.‘; ae. Wōdnesdæg
m. ‚dss.‘, me. Wednesdei, Wednessedei, Wo-
d(e)insdai u. a. ‚dss.‘, ne. Wednesday ‚dss.‘;
aisl. Óðinsdagr m. ‚dss.‘, fär. dial. ónsdagur
‚dss.‘, adän. ōthænsdagh, ndän. onsdag ‚dss.‘,
nnorw. (nn./bm.) onsdag ‚dss.‘, aschwed. ō-
þinsdagher, nschwed. onsdag ‚dss.‘: < urgerm.
*u̯ōđanaz-/*u̯ōđinaz-đaǥa- eigtl. ‚Wodinstag‘.
Das Determinativkomp. ist nach dem Muster
von lat. Mercuriī diēs ‚Tag des Merkur‘ (> frz.
mercredi, span. miércoles, rum. miercurĭ, ita-
lien. mercoledì, prov., katal. dimercres ‚Mitt-
woch‘) gebildet.
Die röm. Wochentage wurden nach Planeten benannt, die
gleichzeitig als Götter galten. Die Gleichsetzung von
Merkur mit dem germ. Wotan lässt sich in verschiedenen
Quellen wie z. B. der Vita Columbani (7. Jh.) nachweisen
(vgl. W. Heizmann, in Heizmann-Axboe 2011: 572).
Fick 3 (Germ.)⁴ 199. 414; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 86 f.
592; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 1, 1000; Schil-
ler-Lübben, Mndd. Wb. 3, 90; 5, 758; VMNW s. v. woens-
dach; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 4, 1560; 9, 2745 f.;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 800 (s. v. woede); Suppl. 197;
Vries, Ndls. et. wb. 844; Et. wb. Ndl. S-Z 632; Hofmann-
Popkema, Afries. Wb. 570; Dijkstra, Friesch Wb. 3, 469;
Holthausen, Ae. et. Wb. 403; Bosworth-Toller, AS Dict.
1261; Suppl. 749; eMED s. v. Wednesdei n.; Klein, Compr.
et. dict. of the Engl. lang. 2, 1734; eOED s. v. Wednesday
n. and adv.; Vries, Anord. et. Wb.² 416. 692; Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 102. 1088. 1101; Fritzner, Ordb. o. d. g.
norske sprog 2, 692. 865; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awest-
nord. 214; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 1, 793; Niel-
sen, Dansk et. ordb. 313; Bjorvand, Våre arveord² 832 f.;
Torp, Nynorsk et. ordb. 476; NOB s. v. onsdag; Hellquist,
Svensk et. ordb.³ 2, 732; Svenska akad. ordb. s. v. onsdag.
– Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 74 (s. v. Mercurius);
Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 400 (s. v. merx); Körting,
Lat.-rom. Wb.³ Nr. 6108; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³
Nr. 5519; Wartburg, Frz. et. Wb. 6, 2, 18–21.
S. mitti adj., wecha.
MK