mûsaroAWB m. an-St., mûsriAWB m. ja-St., seit
dem 10. Jh. in zahlreichen Gl.: ‚(Mäuse-)Bus-
sard; aliticius, ixios, larus, (merops)‘ (Buteo
vulgaris L.) 〈Var.: --, --; -sær-〉. Das Deter-
minativkomp. mûs-aro bedeutet eigtl. ‚Mäuse-
adler‘ und bezeichnet einen Mäuse jagenden,
im Vergleich zum Adler kleineren Raubvogel
(vgl. ae. mūshafoc ‚Mäusehabicht, Bussard‘),
mûsri hingegen ist ein mit dem Fortsetzer des
Lehnsuffixes urgerm. *-ri̯a- gebildetes No-
men agentis, das von mûs (s. d.) abgeleitet ist. –
Mhd. mûsar, mûsære, muser sw.m. ‚geringerer,
von Mäusefang lebender Falke‘. Durch den Zu-
sammenfall von s und z im 13. Jh. (vgl. Schatz
1927: § 177) sind mhd. mûsære, muser und mû-
zære, mûzer st.m. ‚Jagdvogel, der die Mauser
überstanden hat‘, eine Ableitung von mhd. mû-
ze st.f. ‚Federwechsel der Vögel‘ homonym
geworden: frühnhd. mausar, mauser m. ‚Mäu-
sebussard‘ und ‚Jagdvogel, der die Mauser
überstanden hat‘. Ält. nhd. mausaar m. ‚falco
mures capiens et ranas‘ (nur bei Frisch ge-
bucht), nhd. mdartl. schweiz. in stock-mǖser m.
‚Mäusebussard‘, schwäb. †mausar m. ‚mäuse-
fressender Raubvogel‘ sowie mauser m. ‚Mäu-
sebussard‘ und ‚Wildente, wenn sie sich mau-
sert und nicht fliegen kann‘, vorarlb. mauser m.
‚Turmfalke‘, bair. mausar, mauser m. ‚Mäuse-
falke‘, steir. mauser m. ‚Mäusebussard, Turm-
falke‘, thür. mauser m. ‚Habicht‘, märk. muser
m. ‚Mäusebussard‘, schles. mauser m. ‚Bus-
sard‘; vgl. siebenbürg.-sächs. mäusler m.
‚Rohr- oder Hühnerweihe, Mäusebussard‘ mit
Suffix -ler für -er in Anlehnung an Subst. auf
-l-er; vgl. auch westf. mūsekibbese ‚Mäuse-
habicht‘, mūsebickeler ‚dss.‘, ndsächs. mūs(e)-
hāvke m. ‚Mäusebussard‘, schlesw.-holst. muus-
falk m. ‚Bussard‘, preuß. mausweihe f. ‚Weihe‘.
Ahd. Wb. 6, 926 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 31. 647; Köb-
ler, Wb. d. ahd. Spr. 806; Schützeichel⁷ 231; Starck-
Wells 427. XLV; Schützeichel, Glossenwortschatz 6,
479 ff.; Graff 2, 873; Lexer 1, 2256. 2261; Frühnhd. Wb.
9, 2043; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 23 (aliticius). 319
(larus); Dt. Wb. 12, 1819. – Wilmanns [1906–30] 1967:
2, § 389, 1. – Suolahti [1909] 2000: 352 f.; Neuß 1973:
125 f. – Schweiz. Id. 4, 481; Fischer, Schwäb. Wb. 4,
1560 f. 1564; 6, 2 Nachtr. 2544; Jutz, Vorarlberg. Wb. 2,
383 (Mauser²); Schmeller, Bayer. Wb.² 1, 1665; Unger-
Khull, Steir. Wortschatz 455; Spangenberg, Thür. Wb. 4,
569 (Mauser³); Bretschneider, Brandenb.-berlin. Wb. 3,
242 (s. v. Mauser); Mitzka, Schles. Wb. 2, 860 (Mauser²);
Schullerus, Siebenbürg.-sächs. Wb. 7, 135; Woeste, Wb.
d. westf. Mda. 180; Jungandreas, Ndsächs. Wb. 8, 904;
Mensing, Schleswig-holst. Wb. 3, 718; Riemann, Preuß.
Wb. 3, 1192.
Nur das mit dem Fortsetzer des Lehnsuffi-
xes urgerm. *-ri̯a- gebildete ahd. mûsri hat
eine Entsprechung im Westgerm.: as. mūsari m.
ja-St. ‚Mäusebussard; larus‘ in Gl. 4,204,10
(Trier, Hs. 61, 1. Drittel des 11. Jh.s) (Gl. kann
auch ahd. sein), mndd. mūser m. ‚Falke, der
vom Mäusefang lebt‘: < urgerm. *mūs-ri̯a-.
Das Komp. ahd. mûsaro < urgerm. *mūs-aran-
hingegen setzt vorurgerm. *muHs-h₂áron- fort
(zu aro vgl. Lühr 2000: 76; Schaffner 2005:
87. 130).
Nicht hierher gehörig ist mndl. muser m. ‚Grübler,
Nachdenker‘, das von musen sw.v. ‚nachdenken, seine
Aufmerksamkeit auf etw. richten‘ abgeleitet ist.
Tiefenbach, As. Handwb. 283; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 2, 1, 1043; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3, 140;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 4, 2021 (s. v. musen¹). 2022.
MK