nahtkrâa*
Band VI, Spalte 781
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nahtkrâa*AWB f. ō-St., Gl. 3,24,57 (wohl
15. Jh., bair.) nachtcra: ‚Nachtvogel; noctico-
rax [= nycticorax]‘ (vgl. nhd. mdartl. rhein.
nachtskrähe f. ‚Ziegenmelker‘ [Caprimulgus
europaeus] [Müller, Rhein. Wb. 6, 22]). Deter-
minativkomp. mit subst. VG und HG. S. naht,
krâa. – nahtlîhAWB adj., in B, GB, MH und NMC:
‚nächtlich, das Tageslicht scheuend; lucifu-
gus, nocturnus‘ (mhd. nehtlich adj. ‚nächtlich‘,
nhd. nächtlich adj. ‚während der Nacht, in der
Nacht stattfindend‘; mndd. nachtlīk adj. ‚nächt-
lich‘, nachtlīker wīle ‚zur Nachtzeit‘; frühmndl.
nachtelijc adj. ‚nächtlich‘ [a. 1240], mndl. nach-
telijc, nachtli[j]c adj. ‚nächtlich, spät am
Abend‘; ae. nihtlīc adj. ‚nächtlich, während der
Nacht‘; aisl. náttligr adj. ‚dss.‘). Desubst. Bil-
dung (vgl. Bürgisser 1983: 92; Schmid 1998:
326. 547). S. naht, -lîh. – nahtliohtAWB n. a-St., Gl.
1,482,9/10 (10./11. Jh., bair.). 10 (10. Jh., bair.)
und NMC: ‚während der Nacht brennendes
Licht, Nachtlicht; lucerna, lucubratiuncula
(mhd. nahtlieht st.n. ‚dss.‘, nhd. Nachtlicht n.
‚während der Nacht brennendes gedämpftes
Licht‘; mndd. nachtlicht, -lecht n. ‚für das See-
lenheil gestiftete, bei Nacht brennende Ker-
ze, Nachtlämpchen‘; mndl. nachtlicht n. ‚Licht,
das während der Nacht brennt‘; vgl. afries.
nachtliāchtene f. ‚Nachtbeleuchtung‘). Deter-
minativkomp. mit subst. VG und HG. S. naht,
lioht. – nahtlobAWB n. a-St., in B, GB: ‚nächtliches
Stundengebet; nocturnum, nocturna vigilia‘.
Determinativkomp. mit subst. VG und HG. S.
naht, lob. – nahtmuosAWB n. a-St., in MF und MH:
‚Abendessen, Nachtmahl, Abendmahl; cena‘,
(iomanne) dô zi nahtmuose ‚bei (jmds.) Mahl-
zeit; (aliquibus) cenantibus‘ (vgl. nhd. mdartl.
rhein. nachtsmus n. ‚Abendessen, Abendbrot‘
[Müller, Rhein. Wb. 6, 23; 9, 1365]). Determi-
nativkomp. mit subst. VG und HG. S. naht,
muos. – nahtogilîchesAWB adv., nur Npw: ‚jede
Nacht; per singulos noctes‘. Bei der Zusam-
mensetzung mit einem Gen.Pl. im VG handelt
es sich um einen erstarrten Gen.Sg.n. Zur Bil-
dung vgl. Wilmanns [1906–30] 1967: 2, § 371,
1; Braune-Reiffenstein 2004: § 300, 1. S. naht,
gilîh. Vgl. nahtolîches. – nahtolfAWB m. a-St.,
NMC: ‚dämonischer Gott der Nacht; nocturnus
(deus noctis)‘ (vgl. ält. nhd. nachtwolf ‚my-
thisches Wesen‘ [vgl. HDA 6, 811], nhd. md.-
artl. bad., pfälz. nachtwolf m. ‚Schreckgestalt,
mit der man Kindern droht, um sie beim
Dunkelwerden im Haus zu halten‘ [Ochs,
Bad. Wb. 4, 17; Christmann, Pfälz. Wb. 5, 38],
schwäb. †nachtwolf m. als Schimpfwort [Fi-
scher, Schwäb. Wb. 6, 2 Nachtr. 2652]). Durch
den Verlust der appellativischen Bed. ist das
KHG -olf (< wolf) zum Komp.suffix geworden
(vgl. Bach 1952 ff.: 1, 1, §§ 114, 2. 193. 271, 6;
Krahe-Meid 1969: 3, § 167). Nach St. Sonder-
egger, FS Splett 1998: 291, verwendet Notker
hier -olf für einen antik nachempfundenen Göt-
ternamen (vgl. auch willolf [s. d.]) und verweist
auf die Nähe der Bildungen auf -olf zu männ-
lichen PN. S. naht, wolf. – nahtolîchesAWB adv., nur
in Nps: ‚Nacht für Nacht; per singulos noctes
(mndl. nachtelijcs adv. ‚des Nachts‘). Bei der
Zusammensetzung mit einem Gen.Pl. im VG
handelt es sich um einen erstarrten Gen.Sg.n.
Zur Bildung vgl. Wilmanns [1906–30] 1967:
2, § 371, 1; J. Splett, FS Sonderegger 1992:
173 f.). S. naht, -lîh. Vgl. nahtogilîches. – Ahd.
Wb. 6, 1021 ff.
; Splett, Ahd. Wb. 1, 479. 560.
639. 655. 656; Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 812;
Schützeichel⁷ 233; Starck-Wells 431; Schützei-
chel, Glossenwortschatz 7, 19.

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