nahtrabbo*
Band VI, Spalte 784
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nahtrabbo*AWB, nahtrappo*AWB m. an-St., seit
dem 13. Jh. in Gl.: ‚nachtaktiver Vogel (Nacht-
rabe oder Nachteule); nocticorax [= nyctico-
rax]‘ (nhd. mdartl. schweiz. nachtrapp m.
‚Strix, Nachtvogel, gespenstischer Vogel, mit
dem man Kinder erschreckt‘ [Schweiz. Id. 6,
1173
], schwäb. nachtrapp m. ‚gespenstischer
Vogel, mit dem man Kinder erschreckt‘ [Fi-
scher, Schwäb. Wb. 4, 1911 s. v. Nachtrabe], bair.
nachtrapp m. ‚nocturnus grassator‘ [Schmel-
ler, Bayer. Wb.² 2, 128]: < westgerm. *naχta-
χrabban-). Die Doppelmedia dient dem Aus-
druck von Expressivität, sie ist nicht das Er-
gebnis der westgerm. Kons.gemination (vgl.
Lühr 1982: 309. 332). Determinativkomp. mit
subst. VG und HG. S. naht, rabbo. – nahtraboAWB
m. an-St., seit dem 12. Jh. in Gl.: ‚nachtakti-
ver Vogel (Nachtrabe oder Nachteule); noc-
tua, nycticorax‘ (mhd. nahtrabe sw.m. ‚Eu-
le‘, ält. nhd. nachtrabe m. zur Bez. verschie-
dener nachtaktiver Vögel wie ‚Nachteule, klei-
ner Reiher, Ziegenmelker‘, auch zur Bez. eines
nachtaktiven Menschen [Dt. Wb. 13, 204], nhd.
mdartl. els. nachtrab m. ‚Reiher‘ [Martin-Lien-
hart, Wb. d. els. Mdaa. 2, 216], schwäb. nacht-
rabe m. ‚Kinderschreck, nachtaktiver Mensch,
†Vogelbez.‘ [Fischer, Schwäb. Wb. 4, 1911; 6,
2 Nachtr. 2650], thür. nachtrabe m. ‚fiktive Ge-
stalt, mit der man Kinder ängstigt [soll klei-
nen Kindern die Augen aushacken, die nicht
schlafen wollen], jmd., der sich nachts he-
rumtreibt‘ [Spangenberg, Thür. Wb. 4, 801],
osächs. nachtrabe m. ‚fiktives Tier, mit dem
man Kinder ängstigt, wenn sie abends nicht
schlafen wollen‘ [Frings-Große, Wb. d. ober-
sächs. Mdaa. 3, 271], mittelelb. nachtrāwe m.
‚dss.‘ [Kettmann, Mittelelb. Wb. 2, 1140],
schles. nachtrabe m. ‚Eule, Rabe‘, übertr.
‚nächtlicher Dieb, Ruhestörer‘ [Mitzka, Schles.
Wb. 2, 915], westf. nachtrāwe m. ‚Ziegenmel-
ker‘, übertr. ‚nächtlicher Ruhestörer‘ [Woes-
te, Wb. d. westf. Mda. 182], ndd. nachtrāwe
‚Nachtrabe, mythische Gestalt‘, übertr. ‚Nacht-
schwärmer‘ [Schambach, Wb. d. ndd. Mda.
141], schlesw.-holst. nachtraaf m. ‚Nachtrabe‘,
übertr. ‚Nachtschwärmer‘ [Mensing, Schles-
wig-holst. Wb. 3, 736], meckl. nachtraw m.
‚Nachtrabe‘, übertr. ‚nächtlicher Herumtreiber‘
[Wossidlo-Teuchert, Meckl. Wb. 5, 13], preuß.
nachtrabe m. ‚Rohrdommel‘, übertr. ‚Nacht-
schwärmer‘ [Frischbier, Preuß. Wb. 2, 87; Rie-
mann, Preuß. Wb. 4, 25]; vgl. rhein. nachtsrabe
m. ‚Ziegenmelker‘, übertr. ‚Nachtschwärmer,
Kinderschreck‘ [Müller, Rhein. Wb. 6, 24; 9,
1365
], siebenbürg.-sächs. nachtsrabe m. ‚Nacht-
schwalbe, Ziegenmelker‘, übertr. ‚nächtlicher
Zecher, Störenfried‘ [Schullerus, Siebenbürg.-
sächs. Wb. 8, 35]; mndd. nachtrāve m. ‚Nacht-
vogel, Nachteule‘; mndl. nachtrave m. ‚Nacht-
eule‘, übertr. ‚jmd., der das Licht scheut‘: <
westgerm. *naχta-χraban-). Das Determinativ-
komp. mit subst. VG und HG ist eine Lehn-
übersetzung des gr.-lat. Bibelwortes nycticorax
m. ‚Nachtrabe‘ (vgl. Georges 1913: 2, 1234). –
Ahd. Wb. 6, 1025 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 655. 721;
Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 812; Schützeichel⁷ 233;
Starck-Wells 431. XLV; Schützeichel, Glossen-
wortschatz 7, 21 f.

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