ofanAWB m. a-St., seit dem letzten Viertel
des 8. Jh.s in Gl. und in MF, T, OT, B, GB,
Npg: ‚Ofen; caminus, clibanus, fornax, furnus‘
〈Var.: u-; -ph-, -u-; -en, -in〉. – Mhd. oven st.m.
‚Ofen zum Backen, Schmelzen, Brennen, Hei-
zen‘, nhd. Ofen m. ‚aus Metall oder feuerfesten
keramischen Baustoffen gefertigte Vorrichtung
mit einer Feuerung, in der durch Verbrennung
von festen, flüssigen oder gasförmigen Brenn-
stoffen oder durch elektrischen Strom Wärme
erzeugt wird, die zum Heizen, Kochen oder Ba-
cken dient, (landschaftlich) Kochherd‘.
Ahd. Wb. 7, 41 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 683; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 841; Schützeichel⁷ 244; Starck-Wells
456; Schützeichel, Glossenwortschatz 7, 179 f.; Seebold,
ChWdW8 226. 426. 503; ders., ChWdW9 635. 1098;
Graff 1, 176; Heffner 1961: 116; Lexer 2, 194; 3, Nachtr.
336; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 93 (caminus). 127 (cli-
banus). 243 (fornax). 253 (furnus); Götz, Lat.-ahd.-nhd.
Wb. 85 (caminus). 109 (clibanus). 273 (fornax); Dt. Wb.
13, 1154 ff.; Kluge²¹ 520; Kluge²⁵ s. v. Ofen; Pfeifer,
Et. Wb.² 943 f. – Heyne 1899–1908: 1, 118 ff.; HDA 6,
1186 ff.; Braune-Reiffenstein 2004: § 139.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen: as.
ovan m. ‚Backofen‘, mndd. ōven (neben oͤven,
ofen, aven, afen), ōve (neben ave), ōvent (neben
avent) m. (pl. ȫven [neben oͤven], ȫvene [ne-
ben øvene]) ‚Heizofen, Kachelofen, Küchen-
herd, Backofen‘; frühmndl. (nur als BeiN) Oven
m. (neben [mit hyperkorrektem fläm. h-] Hou-
en, Ouen; ältester Beleg 1240) ‚Ofen‘, mndl.
oven (neben ovend, ovent, [mit hyperkorrektem
fläm. h-] hoven, [mit dem unbestimmten Ar-
tikel durch Fehlsegmentierung] noven) m.
‚dss.‘, nndl. oven ‚dss.‘; afries. owen, oun m.
‚Ofen‘, nwestfries. ūn(e) ‚dss.‘, saterfries. ou-
gend, -e m. ‚Backofen‘ (mit sporadischer Ver-
schärfung von afries. v zu g zwischen Vokalen;
vgl. auch etwa saterfries. ouger ‚Ufer‘), nnord-
fries. oowen ‚Ofen‘; ae. ofen, ofn m. ‚Ofen‘, me.
ven (neben hoven, noven, ouven, ove, ofen,
ufne, [h]ofne, owen, howin, nowne, ōn[e])
‚Ofen, Foltergerät, Brust‘, ne. oven ‚(Back-)
Ofen, Backröhre‘; aisl. ofn, (mit Entwicklung
von -fn- > -ƀn- > -mn-; vgl. dazu Noreen [1923]
1970: §§ 237, 2. 240, 1) omn m. ‚Ofen‘, nisl.
ofn ‚dss.‘, fär. ovnur ‚dss.‘, adän. ofn m. ‚dss.‘,
ndän. ovn ‚dss.‘, nnorw. (nn.) omn ‚dss.‘, (bm.)
ovn ‚dss.‘, aschwed. ofn, (mit Entwicklung
von -fn- > -ƀn- > -mn-; vgl. dazu Noreen [1904]
1978: §§ 256. 259, 1) omn m. ‚dss.‘: < urgerm.
*ufna-.
Daneben findet sich im Got. eine Entsprechung,
die auf eine abweichende urgerm. Lautung
weist, nämlich: got. auhns* m. (Genus nach den
anderen germ. Sprachen; das Wort ist nur zwei-
mal bezeugt, nämlich akk.sg. auhn [Mt. 6, 30)]
und dat.sg. auhna [Neufund im Codex Bo-
noniensis; vgl. C. Falluomini, ZDA 143 (2014),
298. 301] ‚Ofen‘ < urgerm. *uχna-. Hierauf
kann auch nisl. ónn ‚Ofen‘ zurückgeführt wer-
den, das wohl keine Entlehnung aus ndän. ovn
ist.
Einige nordgerm. Wörter werden auf eine wei-
tere urgerm. Var. zurückgeführt: aisl. ogn m.
‚Ofen‘, adän. oghn m. ‚dss.‘, aschwed. ughn,
oghn m. ‚dss.‘, nschwed. ugn ‚dss.‘ < urgerm.
*uǥna-.
Für die got. Form hat es daneben – ebenso wie
für die nordgerm. Lautungen mit -g- – abwei-
chende Erklärungen gegeben:
O. Szemerényi, PBB 82 (Tübingen, 1960), 25–
27 (und ihm folgend etwa Bjorvand, Våre
arveord² 850; Casaretto 2004: 326; Kroonen,
Et. dict. of Pgm. 557) setzte mit Verweis auf
got. auhuma ‚der höhere‘ < urgerm. *uf-uman-
auch für das Got. eine Vorform mit *-f- an.
Jedoch ist einerseits diese Entwicklung ledig-
lich für die Stellung von *f zwischen zwei *u zu
sichern (also in einer Folge *ufu; vgl. auch Ca-
saretto, a. a. O.: „wenn man von einer Dissi-
milation von f > h zwischen zwei u-Vokalen
ausgeht“); aus diesem Grund ist die Vorform
nach Szemerényi, a. a. O. 26 auch „*ufna- or
*ufuna-“, aber eine Lautung *ufuna- kann für
das Germ. nicht erwiesen werden (unklar RGA²
22, 13: „Zwar scheint die Entwicklung nur ein-
zutreten, wenn auch ein Labial folgt … dem
läßt sich aber durch einen Ansatz *uhwna-
mit Labiovelar Rechnung tragen“). Anderer-
seits kann nisl. ónn nicht durch eine nämliche
Lautentwicklung erklärt werden. Got. auhns*
geht vielmehr sicher auf urgerm. *uχna- zu-
rück.
Die nordgerm. Lautungen mit -g- führt Szeme-
rényi, a. a. O. 26 Anm. 3 ebenfalls auf die Form
mit -f- zurück: „I am not concerned here with
OSwed. oghn, nor with OSwed. omn, which are
all later assimilations or dissimilations of the
old ofn“. Ihm folgten u. a. Bjorvand, Våre arve-
ord² 850 und Kroonen, Et. dict. of Pgm. 557,
der auf das Verhältnis von aisl. gaupn :
nschwed. dial. gōcken ‚hohle Hand‘ verweist
und annimmt, dass der Velar „developed … (by
dissimilation after -u-)“. Jedoch ist auch diese
Lautentwicklung wenig wahrscheinlich. Denn
einerseits existieren keine weiteren Bsp. für
eine Entwicklung uf > ug (oder generell von
-f- > -g-). Andererseits ist das von Kroonen
angeführte Bsp. aisl. gaupn : nschwed. dial. gō-
cken ‚hohle Hand‘ keine Parallele, sondern eine
sporadische, nur auf -p- > -k- begrenzte Ent-
wicklung, wobei die Bedingung nicht das vo-
rausgehende u ist, sondern vielmehr ein nach-
folgendes n (vgl. Lühr 1988: 338 Anm. 2189);
vgl. zur Bedingung auch das Nebeneinander
von aschwed. vāpn und vākn ‚Waffe‘ (vgl.
Noreen [1904] 1978: §§ 271 Anm. 4 [das dort
angeführte Bsp. stiūp-/stiūf-/stiug-barn ‚Stief-
kind‘ ist nicht vergleichbar, da hier sekundärer
Einfluss von stiugger ‚widerwärtig‘ vorliegt].
282 Anm. 1) (zu aisl. gaupn und den einzel-
sprachlichen nordgerm. Formen mit -k- s. gou-
fana). Die nordgerm. Lautungen mit -g- können
daher nicht auf die mit -f- zurückgehen, sondern
stellen in der Tat eine weitere Var. dar, die mit
der got. Form im grammatischen Wechsel steht
(vgl. auch Noreen [1923] 1970: § 317 Anm. 2;
ders. [1904] 1978: § 341,1; Brøndum-Nielsen
1928 ff.: 1, § 192 Anm. 1. 2, § 227 Anm. 2).
Die drei Lautungen urgerm. *-f- : *-χ- und *-ǥ-
sind also zu vereinen. Dies ist nur unter einem
vorausgehenden uridg. Labiovelar *ku̯ möglich.
Nach einigen Wörterbüchern (so zuletzt auch
Kroonen, Et. dict. of Pgm. 557) gehört zu dem
Wort ,Ofen‘ das Wort ae. ofnet (Genus nicht
sicher) ‚Gefäß‘. Doch ist an der Existenz von
ofnet zu zweifeln. Das Hapaxlegomenon, Hs.
<ofnete> wird heute anders interpretiert (vgl.
Dean Merrit 1968: 23 f.: Emendation zu oftene
‚häufig‘; R. Torkar, GS Cameron 1985: 373:
„on fæte, ‚in a jug‘?“).
Noch anders G. W. Davis, FS Rauch 1999:
151 f., der den Wechsel zwischen *f und *χ als
innergerm. ansieht, und zwar als „acoustically
motivated change[s]“ (S. 153).
Fick 3 (Germ.)⁴ 29; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 557 f.;
Tiefenbach, As. Handwb. 300; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 2, 1, 1217 f.; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3,
249; VMNW s. v. oven; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 5,
2059 f.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 482; Vries, Ndls. et.
wb. 497 f.; Et. wb. Ndl. Ke-R 484; Hofmann-Popkema,
Afries. Wb. 377; Richthofen, Afries. Wb. 973; Fryske wb.
s. v. ûn¹; Dijkstra, Friesch Wb. 2, 336; Fort, Saterfries.
Wb. 141; Sjölin, Et. Handwb. d. Festlnordfries. XXXIV;
Holthausen, Ae. et. Wb. 240; Bosworth-Toller, AS Dict.
729. 741; Suppl. 657; eMED s. v. ven n.; Klein, Compr.
et. dict. of the Engl. lang. 2, 1105; eOED s. v. oven n.;
Vries, Anord. et. Wb.² 417; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 11;
Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 875. 882. 890;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 214; Magnússon, Ísl.
Orðsb. 685. 690; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 1, 808;
2, 1525; Nielsen, Dansk et. ordb. 319; Ordb. o. d. dan-
ske sprog 16, 220 ff.; Bjorvand, Våre arveord² 850 f.;
Torp, Nynorsk et. ordb. 475; NOB s. vv. (nn.) omn, (bm.)
ovn; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 1273; Feist, Vgl. Wb.
d. got. Spr. 65 f.; Lehmann, Gothic Et. Dict. A-228. –
Siebs 1889: 164; RGA² 22, 13 f.; Casaretto 2004: 325 f.;
Kroonen 2011: 46; B. Bock, DWEE 2, 116.
Die unterschiedlichen urgerm. Formen sind
letztendlich aus den uridg. Formen sg.
*h₂u̯é/óku̯(h₂)no- : koll. pl. *h₂uku̯(h₂)né-h₂ ent-
standen (vgl. Eichner 1982: 379 f.; vgl. auch H.
Eichner, in Lühr 1988: 334; diesen Ansatz ha-
ben u. a. Schaffner 2001: 172; Mottausch 2011:
130 übernommen). Es kam bei *h₂u̯é/óku̯no- zu-
nächst zu einem artikulatorischen Sprung von
*u̯ – ku̯ > *u̯ – p, also zu *h₂u̯é/ópno- (vgl. dazu
auch uridg. *u̯ku̯o- ‚Wolf‘ > *u̯po- > urgerm.
*u̯ulfa- [s. wolf]), während der koll. Pl. davon
nicht betroffen war. Dann drang die Schwund-
stufe aus dem koll. Pl. in den Sg. ein, also
*h₂úpno-, wonach im Sg. nach Einführung
der Lautung *-ku̯- eine Doppelform entstand
(*h₂úpno- neben *h₂úku̯no-). Die drei Formen
*h₂úpno-, *h₂úku̯no- und *h₂uku̯né-h₂ haben
sich dann lautgesetzlich (mit erster Lautver-
schiebung und Verners Gesetz) zu urgerm.
*ufna-, *uχu̯na- und *uǥu̯nō → *uǥu̯na- wei-
terentwickelt. Schließlich ist bei der Form
*uχu̯na- > (mit Entrundung von *χu̯ vor *n; s.
lêhan ‚Lehnsgut‘) *uχna- durch Einfluss von
*uǥu̯na- (> *uǥna-) die lautgesetzliche Ent-
wicklung zu *uu̯na- verhindert worden.
Als urspr. Bed. des Wortes ist für das Germ.
wohl ‚Topf‘ anzunehmen; vgl. dazu Feist, Vgl.
Wb. d. got. Spr. 66: „Neben einer aus Steinen
hergerichteten Herdstätte dienten tönerne Koh-
lenbecken zur Erwärmung eines Raumes …
Unter ‚Ofen‘ haben wir in altgermanischer Zeit
vermutlich die Glutpfanne zu verstehen“. Wur-
zelverwandt sind dann folgende Wörter: ai.
ukhá- m. ‚Kochtopf, Schüssel‘, ukh f. ‚Koch-
topf, Feuerschüssel‘ (< uridg. *h₂uku̯h₂-ó-/éh₂-);
lat. aulla f. ‚Kochtopf‘ (< urit. *aukslā < uridg.
*h₂eu̯ku̯[h₂]s-leh₂-; vgl. das Dimin. auxilla f.
‚Töpfchen‘). Lautlich ist die Verbindung zwar
unproblematisch, jedoch erfordert der artikula-
torische Umsprung den Ansatz von zwei unter-
schiedlichen Vollstufen, nämlich *h₂u̯é/óku̯(h₂)-
für das Germ. und *h₂eu̯ku̯[h₂]- für das Lat.
(diese Vorform wäre auch für das Got. mög-
lich). Dafür, dass der artikulatorische Um-
sprung auch in der Folge *-u̯ku̯- eingetreten ist,
gibt es bislang keine weitere Evidenz.
Als Beweis für die Annahme, dass das Wort für
‚Ofen‘ im Urgerm. ein *-f- gehabt habe, diente
bisher stets gr. myk. (nom.pl.) i-po-no /ipnoi/
m. ‚Tonschüssel (auf den Herd gestellt)‘, gr.
ἰπνός m. ‚Backofen‘. Jedoch ist – wie B. Vine,
UCLAIES 1 (1999), 20–24 gezeigt hat – die
Vorform des gr. Wortes uridg. *sp-nó- eigtl.
‚Kocher‘ (mit semantischer Entwicklung zu
‚Kochgerät‘), eine Ableitung von uridg. *sep-
‚kochen‘. Die Verbindung mit urgerm. *ufna-
ist daher endgültig aufzugeben.
Da sämtliche germ. Formen lautlich auf eine
einzige Grundform weisen, ist auch die An-
nahme zweier Wörter mit unterschiedlichen
Etym. (so u. a. Zupitza 1896: 15; R. Meringer,
IF 21 [1907], 295 f.; als Möglichkeit auch bei
Fick 3 [Germ.]⁴ 29), überholt.
Ebenso wenig ist die Bestimmung des germ.
Wortes ,Ofen‘ (so u. a. Casaretto 2004: 325;
Kluge²⁵ s. v. Ofen; Kroonen, Et. dict. of Pgm.
558; E. Seebold, in Askedal-Nielsen 2015: 4 f.;
alle mit Bezug auf gr. ἰπνός) als Wanderwort
oder Übernahme nachweisbar. Auch eine Ent-
lehnung aus dem Gr. (O. Szemerényi, PBB 82
[Tübingen, 1960], 25 f.) kommt nicht in Be-
tracht.
Aus dem Germ. gelangte das Wort in das
Balt., nämlich als: apreuß. wumpnis ‚Backofen‘
(<vumpîs>), das nach Smoczyński 2000: 94–97
entweder aus mhd. oven oder mndd. ōven ent-
lehnt ist; eine ältere Entlehnung stellt offenbar
lit. ùblas m. ‚Ofen (zum Teerbrennen)‘ mit Suf-
fixersatz (vgl. Leskien 1891: 452) dar.
Walde-Pokorny 1, 24 f.; Pokorny 88; Mayrhofer, KEWA
1, 98; ders., EWAia 1, 210; Frisk, Gr. et. Wb. 1, 732 f.;
Chantraine, Dict. ét. gr.² 449. 1310; Beekes, Et. dict. of
Gr. 1, 596 f.; Aura Jorro-Adrados 1985 ff.: 1, 283; Wal-
de-Hofmann, Lat. et. Wb. 1, 84; Ernout-Meillet, Dict.
ét. lat.⁴ 59; de Vaan, Et. dict. of Lat. 62; Thes. ling. lat.
2, 1107 ff.; 4, 1, 566 ff; Fraenkel, Lit. et. Wb. 2, 1156 f.;
Trautmann, Apreuß. Spr.denkm. 466; Mažiulis, Apreuß.
et. Wb.² 968. – Schrijver 1991: 47; Bartoněk 2003: 193.
393. 559.
RS