quellan
Volume VII, Column 45
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quellan st.v. III (prät. –, -quullun, part.
prät. –), in Gl. 2,623,1 (11. Jh., alem.[-frk.]) und
Gl. in Bern, Cod. 723 (Hs. aus dem 2. Viertel
des 15. Jh.s, Zeit der Eintragung der Gl. unbe-
kannt, nicht alem.): ‚(hervor-)quellen; scaturire‘.
Daneben erscheint das Wort noch ein weiteres
Mal in Gl. 2,623,1 (Karlsruhe, St. Peter 87, 11.
Jh.); da diese Hs. jedoch sowohl ahd. wie as.
Elemente aufweist, kann dieser Beleg auch as.
sein. – Mhd. quellen (qual, quullen, gequollen)
st.v. ‚quellen, los, locker werden, anschwellen‘,
nhd. quellen (quoll, quollen, gequollen) st.v.
‚(aus einer relativ engen Öffnung) in größerer
Dichte (und wechselnder Intensität) hervor-
dringen und in eine bestimmte Richtung
drängen, stark, schwellend hervortreten, sich
durch Aufnahme von Feuchtigkeit von innen
heraus ausdehnen‘.

Ahd. Wb. 7, 491; Splett, Ahd. Wb. 1, 716; eKöbler, Ahd.
Wb. s. v. kwellan; Starck-Wells 467; Schützeichel, Glos-
senwortschatz 5, 416; Bergmann-Stricker, Katalog Nr.
67b. 221. 324; Graff 4, 655; Lexer 2, 321; Dt. Wb. 13,
2345 ff.
; Kluge²¹ 574; Kluge²⁵ s. v. quellen; ePfeifer, Et.
Wb. s. v. quellen
. – Braune-Heidermanns 2018: §§ 107
Anm. 2. 337 Anm. 1.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen: as.
quellan st.v. ‚sprudeln‘ (nur einmal [Inf.] in Gl.
2,623,1 [Karlsruhe, St. Peter 87, 11. Jh.]; der
Beleg kann auch ahd. sein [s. o.]; nicht in Gallée
1993), mndd. quellen, quillen (qual, quullen,
[ge-]quullen) st.v. ‚ausstoßen, von sich geben,
(hervor-)quellen, aufquellen, anschwellen, auf-
wallen, überquellen‘ (Lasch [1914] 1974: § 427
Anm. 4); mndl. quellen st.(?)v. ‚(hervor-)quel-
len‘, nndl. dial. (ostndl.) kwellen st.v. ‚an-
schwellen‘, nndl. kwellen sw.v. ‚quellen‘ (die
ndl. Wörter können auch Entlehnungen aus
dem Dt. sein, da die Belege zwischen dem 16.
und 19. Jh. nur aus Wbb. stammen): < urgerm.
*kelle/a-.
Das Part.Perf. *collen liegt als KVG in ae.
collenferhđ adj. ‚stolz, kühn‘ (← ‚mit ge-
schwollenem Mut‘) vor.

Fick 3 (Germ.)⁴ 62; Seebold, Germ. st. Verben 314 f.;
Tiefenbach, As. Handwb. 226; Wadstein, Kl. as.
Spr.denkm. 202; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 2,
1803 f.; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3, 402; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 6, 879; Vries, Ndls. et. wb. 376 (s. v.
kwellen); Et. wb. Ndl. Ke-R 158 (s. v. kwellen²); WNT
s. vv. kwellen², kwellen³; Holthausen, Ae. et. Wb. 57;
Bosworth-Toller, AS Dict. 165.

Urgerm. *kelle/a- < späturidg. *gelH-e/o- (mit
Resonantengemination durch Laryngal; vgl.
dazu R. Lühr, MSS 35 [1976], 73–92; zu diesem
Verb ebd. 92 Fn. 51) ist eine sekundäre Thema-
tisierung eines athem. Präs. uridg. *gélH-/
*gH- ‚träufeln, quellen‘. Eine Thematisierung
des athem. Präs. zeigen auch ai. (klass.) galati
‚träufelt herab‘ (< *gara-), chwar. z-ɣr- ‚leck
sein‘ (< *uz-gara-), š-ɣr- ‚feucht werden‘ (*fra-
gara-).

Die Rückführung von urgerm. *kelle/a- auf voraus-
liegendes *kelne/a- (so Et. wb. Ndl. Ke-R 158 [s. v.
kwellen]) erübrigt sich.

Daneben steht die Präs.bildung uridg. *gH-
é/ó-, fortgesetzt in heth. ku(wa)liya- ‚(ruhig)
fließen, ruhig sein‘ und vielleicht auch in
chwar. w’ɣryd ‚versickerte, sank ein‘ (falls <
*aa-gəra-).

Walde-Pokorny 1, 690 ff.; Pokorny 471 f.; LIV² 207 und
Add. s. v. 2. *gwelH-; Mayrhofer, KEWA 1, 329; ders.,
EWAia 1, 476 f.; Rastorgueva-Ėdel’man, Et. dict. Iran.
lang. 3, 179 f.; Cheung, Et. dict. of Iran. verb 108 f. –
Puhvel 1984 ff.: 4, 303 ff.; Müller 2007: 282.

RS


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