ram¹AWB m. a-St., im Voc (3,6,48) und wei-
teren Gl.: ‚Schafbock, Widder; aries, vervex‘
〈Var.: -á-, -â-〉. – Mhd. ram, gen. rammes m.
‚Widder‘, nhd. dial. ramm m. ‚Schafbock,
Bulle, Kater‘, daneben das verdeutlichende
Komp. Rammbock. Beide Wörter sind als Tier-
bez. im Nhd. außer Gebrauch gekommen. Nhd.
lebt nur noch die Weiterbildung Ramme f. ‚ein
Werkzeug zum Feststampfen‘ sowie Ramm-
bock m. ‚Waffe zum Aufbrechen von Toren‘
weiter. In den Dial. ist das Wort aber vereinzelt
bezeugt; vgl. bair. ramm m. ‚Widder‘, westf.
ramm m. ‚Widder, männlicher Hase‘, lüneb.,
schlesw.-holst., meckl. ramm m. ‚Widder,
Schafbock‘. Daneben erscheint es im Ndd.
(schlesw.-holst., meckl., preuß.) und von da
auch in der nhd. Standardsprache als KVG in
dem Komp. rammdösig adj. ‚begriffsstutzig,
dumm, verrückt‘, wohl urspr. gesagt von Scha-
fen, die die Drehkrankheit haben (anders Kluge²⁵
s. v. ram[m]dösig.). Des Weiteren begegnet
eine l-Ableitung schwäb. rammel ‚männliches
Tier (Stier, Hase, Bock, Kater)‘.
Das genaue Verhältnis zwischen den Ableitun-
gen nhd. Rammler m. ‚männlicher Hase‘ (teils
dial. auch allgemeiner ein männliches Tier) und
dem sw. V. nhd. rammeln ist nicht mehr zu klä-
ren. Das Verb kann ebenso denominal zur Tier-
bez. wie iterativ-deverbal zu rammen sein; in
Rammler wurde dabei das Nomen agentis bil-
dende Suffix -(l)er angefügt.
Ahd. Wb. 7, 657 f. (ram¹); Splett, Ahd. Wb. 1, 724; eKöbler,
Ahd. Wb. s. v. ram²; Starck-Wells 471; Schützeichel,
Glossenwortschatz 7, 316 f.; Seebold, ChWdW8 235.
428. 468; ders., ChWdW9 659. 1100; Graff 2, 505; Lexer
2, 335; 3, Nachtr. 343; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 615
(vervex); Dt. Wb. 14, 76; Kluge²¹ 579 f. (s. v. Ramme);
Kluge²⁵ s. v. Ramme; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Ramme. –
DRW 10, 1581. – Fischer, Schwäb. Wb. 5, 121 f.; Schmeller,
Bayer. Wb.² 2, 98 f.; Woeste, Wb. d. westf. Mda. 210;
Kück, Lüneb. Wb. 2, 624 (ramm¹); Mensing, Schleswig-
holst. Wb. 4, 37. 38; Wossidlo-Teuchert, Meckl. Wb. 5,
768; Frischbier, Preuß. Wb. 2, 211.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. ram m. ‚Widder, Schafbock‘; mndl. ram
m. ‚Widder, Schafbock, Rammbock‘, nndl. ram
‚Schafbock, Rammbock‘; nwestfries. raam,
raem ‚Schafbock‘, saterfries. rom ‚Schafbock,
Bremsklotz am Ackerwagen‘, nnordfries.
roome, rum ‚Schafbock‘, ae. ram(m) m. ‚Schaf-
bock, Widder‘, me. ram(me), rōm ‚dss.‘, ne.
ram ‚Schafbock, Widder, Ramme‘: < urgerm.
*ramma-.
Entweder liegt das nur im Nordgerm. fortge-
setzte Adj. urgerm. *ramma- ‚stark, scharf
riechend‘ zugrunde: aisl. rammr ‚stark, scharf
(riechend)‘, nisl. rammur adj. ‚dss.‘, aisl.
rimma f. ‚Kampf‘, dän. ram adj. ‚stark, herb‘,
norw. ram adj. ‚stark, tüchtig‘, shetl. ramsk adj.
‚stark, scharf, sauer‘, schwed. ram adj. ‚stark,
kräftig‘, der Schafbock wäre dann als das
‚scharf riechende Tier‘ benannt worden (so
etwa Heidermanns, Jóhannesson). Oder es be-
steht ein direkter Zusammenhang mit urgerm.
*rammōi̯e/a- ‚rammen‘, dann hätte das Verhal-
ten der Tiere den Ausschlag für die Benennung
gegeben (so etwa Kroonen), der Schafbock
wäre der ‚Rammer‘.
Fick 3 (Germ.)⁴ 339. 340; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 404;
Heidermanns, Et. Wb. d. germ. Primäradj. 436; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. 2, 2, 1849 (ram³); Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. 3, 416; VMNW s. v. ram; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 6, 1009; Franck, Et. wb. d. ndl. taal²
533; Vries, Ndls. et. wb. 560 (ram¹); Et. wb. Ndl. Ke-R
622; WNT s. v. ram¹; Fryske wb. 17, 255 (raam¹);
Dijkstra, Friesch Wb. 3, 2 (raem¹); Fort, Saterfries. Wb.²
497; Kramer, Seelter Wb. 178; Sjölin, Et. Handwb. d.
Festlnordfries. 167; Holthausen, Ae. et. Wb. 254; Bosworth-
Toller, AS Dict. 786; Suppl. 684; eMED s. v. ram n.;
Klein, Compr. et. dict. of the Engl. lang. 2, 1298; eOED
s. v. ram n.¹; Vries, Anord. et. Wb.² 432; Jóhannesson, Isl.
et. Wb. 722 f.; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 3,
30 f.; ONP s. v. rammr; Jónsson, Lex. poet. 454 f.; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 223; Magnússon, Ísl.
Orðsb. 741; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 873;
Nielsen, Dansk et. ordb. 338 (ram²); Ordb. o. d. danske
sprog 17, 366 ff. (ram⁴); Torp, Nynorsk et. ordb. 511
(ram³); NOB s. v. ram⁴; NOBFM s. v. ram⁴; Jakobsen, Et.
dict. of the Norn lang. 2, 682; Hellquist, Svensk et. ordb.³
2, 813 (ram³); Svenska akad. ordb. s. v. ram adj.
Urgerm. *ramma- kann auf vorurgerm. *rom-
mo- oder *rom-no- zurückgehen. Weitere sichere
Anschlüsse außerhalb des Germ. fehlen. Russ.-
ksl. raměnъ adj. ‚heftig, ungestüm, schnell‘, russ.
ramjányj adj. ‚dss.‘, awruss. ramjano adv.
‚stark, sehr‘ etc. (s. zu dieser Sippe s. v. irmin)
passen zwar semantisch (Grundbed. der Wz.
wäre dann ‚stark‘), sind aber morphologisch
nur schwer mit den germ. Wörtern zu vereinen.
Legt man eine Wz. uridg. *(H)rem- zugrunde,
beruhen die bezeugten slaw. Formen auf vor-
urslaw. *(H)rōm-ē-no- > urslaw. *rām-ē-na-
bzw. vorurslaw. *(H)rōm-oi̯-no- > urslaw.
*rām-ai̯-na- > gemeinslaw. *raměna-, Bilde-
weisen, die sich keinem sonst geläufigen Wort-
bildungsmuster zuordnen lassen.
Die ebenfalls vereinzelt mit der germ. Sippe
verbundenen Wörter lit. rmuo/rėmuõ m. ‚Sod-
brennen‘, lett. rēmens, rēmins m. ‚dss.‘ < urbalt.
*rēm-e/on- (von einer Wz. der Bed. ‚scharf
[vom Geschmack, Geruch]‘) bleiben in ihrer
etym. Herleitung und Ausgangsform (bezeugt
sind auch lit., lett. riem°) unklar.
Walde-Pokorny 2, 371; Fraenkel, Lit. et. Wb. 2, 718;
Smoczyński, Słow. et. jęz. lit.² 1017; Mühlenbach-
Endzelin, Lett.-dt. Wb. 3, 520; 6, 369. – Martynaŭ-
Cychun 1978 ff.: 11, 93.
HB