reba
Band VII, Spalte 230
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rebaAWB f. ō(n)-St., seit ca. 1000 in Gl. und
bei N, in WH: ‚(Wein-)Rebe, Rebstock, Wein-
stock; bumastus, lageos, psithia, vitis‘ (Vitis
vinifera L.) 〈Var.: -æ-; -p-〉. Das Wort erscheint
auch in der Verbindung wildiu reba ‚wilde
Rebe, wilde Traube; labrusca (vitis)‘. Früher
belegt (seit dem 4. Viertel des 8. Jh.s) ist das
Wort als KHG in wînreba ‚Weinrebe, -stock,
Rebschössling‘ (s. d.). – Mhd. rëbe sw.m./f. (im
Sg. auch st.) ‚Rebe, Reb-, Weingarten, (pl.).
Acker, (pl.) Ranken, gewundene Linien von
Goldstickerei auf dem Gewande‘, nhd. Rebe f.
‚Weinrebe, (gehoben) Weinstock‘.

Ahd. Wb. 7, 718 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 729; eKöbler,
Ahd. Wb. s. v. reba¹; Schützeichel⁷ 254; Starck-Wells
474; Schützeichel, Glossenwortschatz 7, 340 f.; Seebold,
ChWdW8 235 f.; Graff 2, 353; Lexer 2, 356; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 84 (bumastha). 314 (labrusca). 470 (psythia);
Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 716 (vitis); Dt. Wb. 14, 323 ff.;
Kluge²¹ 588; Kluge²⁵ s. v. Rebe; ePfeifer, Et. Wb.² s. v.
Rebe
. – Marzell [1943–79] 2000: 4, 1212 ff.

Das Wort ist sicher nur auf hd. Gebiet belegt.
Die in den anderen germ. Sprachen vorkommen-
den Entsprechungen sind wohl sämtlich aus dem
Hd. entlehnt. Es sind: as. reua f. (Gl. 4,210,16)
in der Fügung uuilde reua ‚wildwachsende
Rebe‘ (vielleicht auch ein Komp.; vgl. Katara
1912: 185. 291) und als KHG in wīnreva
‚Weinrebe‘ (Gl. 4,209,38); die Formen sind we-
gen der Schreibung mit -u- bzw. -v- wohl dem
As. zuzuschlagen, obwohl die Hs. Trier, Hs
61auch ahd. Material enthält (vgl. Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 877); eindeutig as. ist
schließlich der Beleg Gl. 3,720,8 wīnrevunblad
n. ‚Weinblatt‘ 〈winreuenblad〉 (2. Hälfte des 12.
Jh.s; Bergmann-Stricker, Katalog Nr. 49); mndl.
reve (f.) ‚Ranke‘, -reve (in wijnreve [f.] ‚Wein-
ranke‘). Das ahd. Wort kann lautlich auf ur-
germ. *reƀō(n)- oder *reƀō(n)- beruhen.
Ablautend gehört ahd. -râba (in wînrâba
‚Weinrebe‘ [s. d.]) < westgerm. *()rāba(n)- <
urgerm. *()rēƀa(n)- hierher. Wahrscheinlich
ist hieraus mndd. -rave(n) (in wînrave[n] m.
‚Weinstock‘) entlehnt. Damit sind wohl auch
die KHG nhd. dial. westf. -råwe (in hūdråwe
‚Gundelrebe‘ [Woeste, Wb. d. westf. Mda.
107 f.]; vgl. F. Holthausen, IF 48 [1930], 259)
und die volksetym. umgestalteten KHG in nndl.
hondsdraf (f.) ‚dss.‘, onderhaaf (f.) ‚dss.‘ und
onderhave (f.) ‚dss.‘ identisch.
Zu den dt. Wörtern findet sich in der Literatur
häufig auch die Verbindung mit nschwed. reva
‚Ausläufer (an Pflanzen)‘ (auch in jordreva
‚Gundermann‘) und (weniger häufig) auch
ndän. rev- (in revling ‚Krähenbeere‘). In dem
Fall vergleicht man ndän. revling mit nhd. Reb-
ling f. ‚Schössling des Weinstocks‘; dessen Ab-
leitungsbasis kann aber auch revl ‚Gebüsch‘
sein (vgl. die Angabe in Ordb. o. d. danske
sprog 17, 950). Diese Wörter gehören zu einer
größeren Gruppe im Nordgerm., die auch ält.
ndän. refve, ræbe, rebbe, ndän. reve ‚(schlingen-
der, kletternder) Stiel, Ranke‘, nnorw. dial. -rev
(in jordrev ‚Gundermann‘) umfasst. Ihre Zuge-
hörigkeit zu ahd. reba ist aber zweifelhaft, da
daneben dial. Formen stehen, die auf einen Diph-
thong weisen, nämlich nschwed. dial. reiv, raiva
‚Ranke‘. Diese Wortgruppe ist daher wohl bes-
ser an die im Nordgerm. stark vertretenen Wz.
urgerm. *reƀ- ‚wickeln‘ (s. reft ‚[Kopf-]Binde ?,
Bekleidung ?, Ausrüstung ?‘) als *riƀō(n)-/-a(n)-
bzw. *raƀō(n)-/-a(n)- anzuschließen. Für ahd.
reba ist eine Herleitung aus *riƀō(n)- wegen
der danebenstehenden Form mit urgerm.
*-ē- unwahrscheinlich (anders etwa Hellquist,
Svensk et. ordb.³ 2, 832).

Fick 3 (Germ.)⁴ 338. 417; Tiefenbach, As. Handwb. 313.
466; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 5, 732 f.; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 6, 1313; 9, 2501; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal² 259. 470; Suppl. 119; Vries, Ndls. et. wb. 265;
Et. wb. Ndl. F-Ka 450 f.; WNT s. vv. hondsdraf², onder-
have; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 894; Nielsen,
Dansk et. ordb. 345; Ordb. o. d. danske sprog 17, 937.
950; NOBFM s. v. jordrev; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2,
832; Svenska akad. ordb. s. v. reva subst.³. – Elmevik
1967: 82 f.

Das Wort hat keine Entsprechungen in anderen
idg. Sprachen. Die weitere Etym. hängt von der
Beurteilung des Anlauts im Urgerm. ab, nämlich
ob von urgerm. *reƀō(n)- oder *reƀō(n)- aus-
zugehen ist. Die mndd. Form kann darüber kei-
nen Aufschluss geben, da sie wohl aus dem Hd.
entlehnt ist.
Bei einem Ansatz urgerm. *reƀō(n)- liegt eine
Ableitung von der Verbalwz. uridg. *rep- ‚krie-
chen‘ nahe, die verbal in lat. rēpere ‚kriechen,
schleichen‘ fortgesetzt ist. Wenn diese Verbin-
dung zutrifft, ist die Verbalwz. sicher *rep- und
nicht *reh₁p-, wie es mit Fragezeichen im LIV²
500 geschieht (aber mit der Angabe in Anm.
1: „lit. dial. rptis, repiúos ‚hinaufklettern‘
scheint allerdings *rep- vorauszusetzen“); das
lat. Verb setzt dann nicht uridg. *réh₁p-e/o- fort,
sondern hätte eine sekundäre Dehnstufe.
Bei einem Ansatz urgerm. *reƀō(n)- könnte
das Wort Rebe von der Verbalwz. uridg.
*rep- ‚sich neigen‘ abgeleitet sein, die verbal
möglicherweise in gr. ῥέπω ‚sinke, neige
mich‘ fortlebt. Semantisch ist diese Verbin-
dung aber weniger wahrscheinlich. Gr. ῥέπω
kann schließlich auch auf eine Wz. uridg.
*srep- zurückgehen.

Walde-Pokorny 1, 276 f.; 2, 370; Pokorny 865. 1156;
LIV² 500. 701; Frisk, Gr. et. Wb. 2, 649 f.; Chantraine,
Dict. ét. gr.² 936; Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 1280 f.;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 430; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 570 f.; de Vaan, Et. dict. of Lat. 520.

RS

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