redan
Volume VII, Column 245
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redan st.v. V (prät. rad, –, part.prät. –),
in Gl. 1,415,32 (2 Hss., 2. Hälfte des 9. Jh.s und
10. Jh., beide alem.); 3,497,38 (11./12. Jh., a-
lem.) und 4,282,26 (2 Hss., 2. Hälfte des 12.
Jh.s, hd.-ndd. [daher ist der Beleg vielleicht
dem As. zuzuordnen; s. u.] und Anfang des 13.
Jh.s, md.-obd.) und bei O: ‚sieben, durchseihen;
cernere, cribrare‘. – Mhd. rëden (part.prät. ge-
reden) st.v. ‚durch das Sieb schütteln, sieben,
sichten‘, frühnhd. reden ‚sieben‘, nhd. dial.
schweiz. rëden ‚sieben, säubern durch Ausle-
sen, Entfernen des Schlechten‘, els. räden
‚sieben, durch das Sieb schütteln‘, bad. reden
‚durch ein Sieb lassen, aussieben‘, schwäb.
reden ‚durchsieben‘, vorarlb. reden ‚sieben,
durchsieben‘, bair. reden, raden ‚sieben‘, tirol.
readε ‚grob sieben‘, lothr. rāden ‚sieben, durch
das breit geflochtene Sieb schütteln‘, rhein.
reden ‚Getreide mit einem größeren Sieb sie-
ben, rieseln‘, pfälz. reden ‚sieben‘, nassau.
reden, räden ‚sieben, das Getreide reinigen‘,
südhess. reden ‚sieben‘, kurhess. raden, räden,
reden ‚dss.‘, hess.-nassau. reden ‚Getreide mit
dem Sieb reinigen‘, thür. räden ‚sieben‘, schles.
reden ‚dss.‘.

Ahd. Wb. 7, 739 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 731; eKöbler, Ahd.
Wb. s. v. redan; Schützeichel⁷ 255; Starck-Wells 475;
Schützeichel, Glossenwortschatz 7, 348; Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 67. 173. 362. 376. 779; Seebold,
ChWdW9 664; Graff 2, 474 f.; Lexer 2, 367; 3, Nachtr.
346; Götze [1920] 1971: 175; Diefenbach, Gl. lat.-germ.
114 (cernere). 157 (cribrare); Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb.
159 (cribrare); Dt. Wb. 14, 463. – Braune-Heidermanns
2018: § 343 Anm. 3. – Schweiz. Id. 6, 585 f.; Martin-
Lienhart, Wb. d. els. Mdaa. 2, 233; Ochs, Bad. Wb. 4,
229 f.; Fischer, Schwäb. Wb. 5, 228 f.; Jutz, Vorarlberg.
Wb. 2, 686; Schmeller, Bayer. Wb.² 2, 57; Schatz, Wb. d.
tirol. Mdaa. 2, 477; Follmann, Wb. d. dt.-lothr. Mdaa. 1,
399; Müller, Rhein. Wb. 7, 228 f.; Christmann, Pfälz. Wb.
5, 439 f.
; Kehrein, Volksspr. u. Wb. von Nassau 326;
Maurer-Mulch, Südhess. Wb. 4, 1301; Crecelius, Ober-
hess. Wb. 683; Vilmar, Id. von Kurhessen 312; Berthold,
Hessen-nassau. Volkswb. 2, 803; Spangenberg, Thür.
Wb. 5, 10; Mitzka, Schles. Wb. 2, 1098.

Das ahd. Wort hat in den anderen germ. Spra-
chen keine Entsprechungen, außer möglicher-
weise im As., wenn der Beleg 〈rath〉 in Gl.
4,282,26 in der Hs. Leiden, B.P.L. 191 E (2.
Hälfte des 12. Jh.s [Bergmann-Stricker, Kata-
log Nr. 362]), die sowohl hd. als auch ndd. Ele-
mente hat, as. ist; in dem Fall liegt im As. eine
Entsprechung hrethan* st.v. ‚sieben‘ vor.
Ahd. redan setzt ebenso wie mögliches as.
hrethan* urgerm. *χreþe/a- fort.

Fick 3 (Germ.)⁴ 101 f. (ohne das st. V. aufzulisten); Kroonen,
Et. dict. of Pgm. 245; Seebold, Germ. st. Verben 274 f.;
Tiefenbach, As. Handwb. 181. – Ringe 2006: 246.

Urgerm. *χreþe/a- < uridg. *krét-e/o- ist eine
Präs.bildung zur Verbalwz. uridg. *kret-
‚schütteln, rütteln‘. Sie hat eine Entsprechung
in lit. krsti ‚schütteln, schütten, streuen, dün-
gen‘, lett. krēst [krèst], krest ‚fallen machen,
schütteln‘.
Daneben steht das Kaus. uridg. *krot-ée/o-,
das in gr. κροτέω ‚schlage, rassele‘, lit. kratýti
‚schütteln, rütteln, durchsuchen‘, lett. kratīt
[kratît] ‚wiederholt schütteln, schüttelnd Meng-
futter bereiten, stauchen (hart trabendes Pferd),
Haussuchung halten‘ und air. crothaid ‚schüt-
teln, schwingen, erschüttern, erzittern machen‘
vorliegt.

Aus semantischen Gründen bleibt die Anbindung von
formal entsprechendem aksl. krotiti ‚zähmen‘ (dazu auch
krotъkъ adj. ‚sanft, mild‘) schwierig (vgl. LIV² 370 f. [be-
sonders Anm. 3]). Gleiches gilt für den von Schumacher,
Kelt. Primärverb. 419 f. vorgeschlagenen Anschluss an
mkymr. dygredu ‚aufsuchen, stoßen auf‘, abret. credam
‚gehe, besuche‘ (Glosse zu lat. vado) (vgl. Matasović, Et.
dict. of Proto-Celt. 222 f.).
Davon abweichend führt Kroonen, Et. dict. of Pgm.
245 das germ. Verb auf vorurgerm. *krit-é/o- zurück,
das er mit der Wz. uridg. *kre- ‚sieben‘ verbindet.
Abgesehen von dem Wurzelansatz (richtig wäre
*kreh₁-) muss Kroonen das Verb als Neubildung auf
der Basis der 3.sg.aor. *kri-t erklären. Eine Motiva-
tion dafür fehlt.

Walde-Pokorny 1, 484 f.; Pokorny 621; LIV² 370 f.;
Frisk, Gr. et. Wb. 2, 26; Chantraine, Dict. ét. gr.² 564 f.;
Beekes, Et. dict. of Gr. 1, 784; Berneker, Slav. et. Wb. 1,
624 f.; Trubačëv, Ėt. slov. slav. jaz. 13, 17–19; Derksen,
Et. dict. of Slav. 250; Et. slov. jaz. staroslov. 6, 369 f.;
Derksen, Et. dict. of Balt. 255. 257; Fraenkel, Lit. et. Wb.
1, 295; Smoczyński, Słow. et. jęz. lit. 569 f.; ALEW 1,
519 f. 524; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb. 2, 261.
276 f.; Karulis, Latv. et. vārd. 420. 424; Matasović, Et.
dict. of Proto-Celt. 222 f.; Schumacher, Kelt. Primär-
verb. 129. 419 f.; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. C-
247 f.; eDIL s. v. crothaid.

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