rogo m. an-St., ab dem 12. Jh. in Gl.:
‚Rogen, Fischeier; millogranum (piscis), poly-
granum‘ 〈Var.: -e〉. – Mhd. roge(n) sw.m. ‚Ro-
gen, Fischeier‘, nhd. Rogen m. ‚Fischeier vor
dem Legen‘.
Ahd. Wb. 7, 1125; Splett, Ahd. Wb. 1, 763; eKöbler,
Ahd. Wb. s. v. rogo; Schützeichel⁷ 263; Starck-Wells
490; Schützeichel, Glossenwortschatz 7, 457; Lexer 2,
482; 3, Nachtr. 350; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 444 (poly-
granum); Dt. Wb. 14, 1110; Kluge²¹ 604; Kluge²⁵ s. v.
Rogen; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Rogen.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen in
derselben Bed. ‚Rogen‘: mndd. rogen, rōgen,
(dissimiliert auch) rogel (selten roge, rogge)
m.; frühmndl. roch m., mndl. rog(h)e, nndl.
veraltet und dial. roge; saterfries. rögene; aisl.
hrogn n., nisl. hrogn n., fär. rogn n., ält. ndän.
rougen, ruhen, raun, ndän. rogn, nnorw. rogn
f., aschwed. rughn, rom(p)n, orkney. ra(a)n,
shetl. rang, nschwed. rom: < urgerm. *χruǥ-an-,
*χruǥ-na-.
Wohl aus dem Nordgerm. entlehnt sind me.
roune, rowne, ne. rown ‚Rogen‘, rawn ‚dss.‘,
roan ‚dss.‘. Me. roughe, rou, rō, rōf ‚Rogen‘,
ne. roe ‚dss.‘ sind dagegen aus dem Mndl. über-
nommen.
Fick 3 (Germ.)⁴ 107; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 250;
Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 2, 2192 (rōgen³);
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3, 498; VMNW s. v. roch;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 6, 1562 f.; Vries, Ndls. et.
wb. 586; WNT s. v. roge; Fort, Saterfries. Wb.² 496;
eMED s. vv. roughe n.², roune n.¹; Klein, Compr. et. dict.
of the Engl. lang. 2, 1354; eOED s. vv. rawn n., roan n.³,
roe n.², rown n.; Vries, Anord. et. Wb.² 259; Jóhannesson,
Isl. et. Wb. 270; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 2,
63; ONP s. v. hrogn; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
128; Magnússon, Ísl. Orðsb. 376 f.; Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 2, 909; Nielsen, Dansk et. ordb. 348; Ordb.
o. d. danske sprog 17, 1211; Bjorvand, Våre arveord² 891
(rogn¹); Torp, Nynorsk et. ordb. 540; NOB s. v. rogn¹;
Jakobsen, Et. dict. of the Norn lang. 2, 683 (rang¹);
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 842 f. (rom¹); Svenska
akad. ordb. s. v. rom subst.¹. – Levickij 2010: 1, 284.
Urgerm. *χruǥ-an-, *χruǥ-na- sind Weiterbildun-
gen von vorurgerm. *kk- (*kk-ón-, *kk-n-´)
mit analogischer Vokalisierung nach der im
Germ. freilich nicht fortgesetzten Vollstufe
*krek-, entweder zu einer nominalen Wz.
uridg. *krek- ‚Laich, Rogen‘ oder zu einer
verbalen Wz. entweder der Bed. ‚ausstreuen,
(sich) verteilen‘ oder einer der Bed. ‚zusam-
menkleben‘ (s. u.).
Aus dem Nordgerm. entlehnt ist nfrz. rogue
‚Rogen‘ (18. Jh.).
Sichere Verwandte begegnen nur im Balt. und
Slaw., bes. in der Bed. ‚Froschlaich‘; vgl. lit.
kurkl f. (< urbalt. *kurk-lii̯ā- < vorurbalt. *kk-
l-), lit. pl. kurkulaĩ m. (< urbalt. *kurk-ula-),
lett. kur͂kulis, meist pl. kur͂kuļi m. (< urbalt.
*kurk-uli̯a-), lett. krecumi m.pl. ‚Froschlaich‘
(< urbalt. *krek-i̯-uma-), russ. krjak (auch
ukrják) m., russ. dial. krëk ‚Froschlaich‘, serb.,
kroat. ȍkrijek m. ‚Wassermoos, Algen‘, Komp.
žabòkrečina f. ‚dss.‘, slowen. krẹ̑k m. ‚dss.‘,
žabokréčina f. ‚dss.‘, tschech. žabokřeky m.pl.
‚dss.‘, tschech. dial. skřeky žabí m.pl. ‚dss.‘,
poln. (s)krzek m., osorb. křěk m. ‚Wasserlinse‘,
ndsorb. kśěk m. ‚dss.‘, daneben slowen. (o)krȃk
‚Froschlaich, grüner Überzug einer Pfütze‘.
Die slaw. Formen reflektieren ein Nebeneinan-
der gemeinslaw. *krěk- (russ. krëk, serb., kroat.,
tschech., poln., sorb.) vs. *kręk- (russ. [-]krjak)
vs. *krak- (slowen. [-]krak)]) bzw. urslaw.
*krēk-/*krai̯k- vs. *krenk-/*krink- vs. *krāk-;
slowen. [-]krek/č[-] kann auf gemeinslaw.
*krěk- oder *kręk- zurückgehen. Zu diesen
slaw. Formen wurden zwei balt. Verbsippen ge-
stellt: einerseits lit. krèkti, krenkù ‚gerinnen‘,
andererseits lit. iškrìkti, -krinkù ‚sich nach allen
Seiten zerstreuen‘, lit. kreĩkti, kreikiù ‚streuen,
ausbreiten‘, lit. kraikýti ‚dss.‘. Daraus ergeben
sich nun mehrere Möglichkeiten der Etymolo-
gisierung: Ausgehend von einer Wz. *krek-,
wie sie auch in lit. krèkti ‚gerinnen‘ fortgesetzt
ist, ist für urslaw. *krēk- mit einer dehnstufigen
Bildung zu rechnen, für urslaw. *krenk- mit ei-
ner vielleicht aus einem nicht mehr bezeugten
Nasalpräs. verschleppten Nasalinfix; die Bed.
wäre dann ‚das Zusammenklebende, das Klum-
pige, Klebrige‘, was sowohl für Rogen wie
auch für Laich als durchaus passende Benen-
nung erscheint. Andererseits können Fischeier
nicht nur in Klumpen abgelegt, sondern auch
im Wasser verteilt werden. Insofern könnten
die Formen urslaw. *krai̯k- und *krink- direkt
mit den lit. Verben iškrìkti, kreĩkti, kraikýti un-
ter dem Ansatz einer Wz. uridg. *krei̯k- zu-
sammengestellt werden. Diese Sippe wäre aber
dann notwendig von der Sippe des germ. Worts
für ‚Rogen‘ zu trennen. Möglich bleibt aber,
dass in den slaw. Formen Bildungen zu zwei
verschiedenen Wz. *krek- und *krei̯k- zusam-
mengefallen sind. Da die beiden balt. Verbsip-
pen semantisch nicht zu vereinen sind, entfällt
für sie wohl ein gemeinsamer Ansatz, obwohl
sie über wenige analogische Zwischenschritte
lautlich durchaus zu verbinden wären.
Der Ansatz einer Wz. uridg. *kreh₁k- bei Kroonen,
Et. dict. of Pgm. 250 erscheint willkürlich, da er
allenfalls die Form urslaw. *krēk- und *krāk-
einfacher, also ohne die Annahme einer Dehn-
stufe erklären kann (< vorurslaw. *kreh₁k- bzw.
*kroh₁k-), die sonst aber von keiner der bezeug-
ten Formen gefordert wird. Zudem verbaut die-
ser Ansatz die Möglichkeit der Verbindung mit
lit. krèkti ‚gerinnen‘. Eine Bed. der Wz. wird bei
Kroonen, a. a. O. ebenfalls nicht geboten.
Walde-Pokorny 1, 483; Pokorny 619; Wartburg, Frz. et.
Wb. 16, 247; Berneker, Slav. et. Wb. 1, 613 f.; Trubačëv,
Ėt. slov. slav. jaz. 12, 114 f.; Bezlaj, Et. slov. slov. jez.
2, 79 (krȃk¹). 87 (krȇk¹); Vasmer, Russ. et. Wb. 1,
674 f. (krjak²); ders., Ėt. slov. russ. jaz. 2, 391 (krjak²);
Schuster-Šewc, Hist.-et. Wb. d. Sorb. 697 f.; Fraenkel,
Lit. et. Wb. 1, 286 f. (s. v. kraĩkas). 316 f.; Smoczyński,
Słow. et. jęz. lit.² 557 (s. v. kraikýti); ALEW 1, 517 f.
(s. v. kraĩkas). 522; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-dt. Wb.
2, 270. 323; 5, 647. 678. – Brückner [1927] 1993: 497;
Skok 1971–74: 2, 551.