roumAWB m. a-St., in Gl. 3,496,4. 41 (11./12.
Jh., alem.): ‚(Milch-)Rahm, Sahne, Milchsaft;
coagulum, coctio, crema‘. Der bei Starck-Wells
495 angeführte Gl.-Beleg 1,314,4 (11. Jh., frk.)
bietet die Form rouma. Der Ansatz „<rāma>
st.sw.F.“ für diese Form bei Schützeichel,
Glossenwortschatz 7, 317 bleibt ebenso unver-
ständlich wie der Bed.ansatz „dunkle Brühe“ auf
Grundlage des glossierten Worts (coctio) rufa
‚rot(schimmernd)e (Brühe)‘. Eher liegt entweder
eine Verschreibung des a-St. nach glossiertem
rufa oder eines an-St., wie er auch vereinzelt in
anderen germ. Sprachen auftritt (s. u.), vor. –
Mhd. roum st.m. ‚Rahm, Sahne‘, frühnhd. raum,
rām m. ‚Rahm, Sahne‘, nhd. Rahm m. ‚Fett-
schicht auf der Milch, Sahne‘. Der Vokalismus
der nhd. Form spiegelt die obd. (v. a. bair.) Ent-
wicklung *au̯ > ā wider. Bei Schriftstellern des
17. und 18. Jh.s und heute noch mundartlich ist
auch die Var. rohm gut bezeugt.
Ahd. Wb. 7, 1187; Splett, Ahd. Wb. 1, 1231; eKöbler,
Ahd. Wb. s. v. roum; Schützeichel⁷ 265; Starck-Wells
495; Schützeichel, Glossenwortschatz 8, 7; Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 67. 719; Lexer 2, 516; Götze [1920]
1971: 174; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 156 (crema); Dt.
Wb. 14, 63 f.; Kluge²¹ 579 (Rahm¹); Kluge²⁵ s. v. Rahm¹;
ePfeifer, Et. Wb. s. v. Rahm.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. rōm(e), rāme m. ‚Rahm, Sahne‘; mndl.
room, rōme ‚Rahm, Sahne‘, nndl. room ‚das
Fette auf der Milch‘; saterfries. room ‚Sahne‘,
nnordfries. ruume ‚dss.‘; ae. rēam m., me. rem,
ne. (dial.) ream ‚Sahne‘: < urgerm. *rau̯(ǥ)ma-.
Die e-stufige Wz. (urgerm. *reu̯[ǥ]ma[n]-) set-
zen dagegen aisl. *rjúmi m. in rjúma-rauðr
‚rahmrot‘, nisl. rjómi m. ‚Rahm‘, fär. rómi
‚dss.‘, ndän. rømme ‚dss.‘, nnorw. (bm.) rjome,
rømme, (nn.) rjome ‚dss.‘, nschwed. dial. råm,
römme ‚dss.‘ fort.
Fick 3 (Germ.)⁴ 348; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb.
2, 2, 2209 (rôm²); Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3, 504;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 6, 1587 (rome¹); Franck, Et.
wb. d. ndl. taal² 559; Suppl. 140; Vries, Ndls. et. wb. 590;
Et. wb. Ndl. Ke-R 682; WNT s. v. room; Fort, Saterfries.
Wb.² 498; Sjölin, Et. Handwb. d. Festlnordfries. XXXIV;
Holthausen, Ae. et. Wb. 255; Bosworth-Toller, AS Dict.
788; Suppl. 685; eMED s. v. rēm(e) n.¹; Klein, Compr.
et. dict. of the Engl. lang. 2, 1307 (ream²); eOED s. v.
ream n.²; Vries, Anord. et. Wb.² 449; Jóhannesson, Isl.
et. Wb. 713 f.; ONP s. v. rjúmarauðr; Holthausen, Vgl.
Wb. d. Awestnord. 230; Magnússon, Ísl. Orðsb. 768;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 935 (rømme¹). 1536;
Bjorvand, Våre arveord² 907 f.; Torp, Nynorsk et.
ordb. 538; NOB s. vv. (bm.) rømme, (nn./bm.) rjome;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 874; Svenska akad. ordb.
s. v. römme subst.¹.
Für urgerm. *ra/eu̯(ǥ)ma- wurden bislang min-
destens drei Etym. vorgeschlagen:
1) Besteht eine Verbindung mit av. raoγna- n.,
raoγniiā- f. ‚Butter‘, npers. rouġan ‚Öl, Butter,
Fett‘, so beruhen die germ. Formen auf vorur-
germ. *(H)re/ou̯gh-mo-, die iran. Formen auf vor-
uriran. *(H)re/ou̯gh-n(ii̯)o/eh₂-. Die den Bildungen
in den beiden Sprachzweigen zugrunde liegende
Wz. weist keine weiteren Anschlüsse auf.
2) Vorgeschlagen wurde eine Verbindung mit ae.
rēoma, rēama m. ‚dünne Haut‘, ahd. riomo ‚Le-
derstreifen, Riemen‘ (s. d.) etc. Der Rahm wäre
dann als ‚abgerissene, abgeschöpfte Haut‘ be-
zeichnet, wodurch sich ein Anschluss an die Wz.
uridg. *reu̯H- ‚aufreißen‘ (Pokorny 868; LIV²
510) ergibt. Diese Lösung ist aufgrund der Bed.
der zugrunde gelegten Wz. nicht überzeugend.
3) Weiterhin wurde eine Herleitung aus uridg.
*sreu̯- ‚fließen‘ erwogen (E. Schröder, PBB 47
[1923], 168 f.). Doch ist der Rahm eine oben
auf der Milch schwimmende fette, oft hautar-
tige Schicht, die deutlich weniger flüssig ist als
die darunter befindliche Milch. Ablehnend
dazu schon Bjorvand, Våre arveord² 908.
Insgesamt erscheint somit die Etym. unter 1)
am wahrscheinlichsten, es dürfte eine germ.-
iran. (Wz.-)Isoglosse vorliegen.
Walde-Pokorny 2, 357 f.; Pokorny 868. 873; LIV² 510;
Bartholomae, Airan. Wb.² 1488.
HB