salzanAWB st.v. VII (prät. –, sialzun, part.prät.
gisalzan), seit dem Anfang des 9. Jh.s in Gl. und
in T, OT, bei O: ‚salzen, würzen, mit Salz ein-
reiben, einbalsamieren; condire (sale), salire,
salsus [= gisalzan]‘.
Graff 6, 219 vermutet wegen des Belegs 3.sg.präs. selzit
in T die Existenz eines sw. V. „selzjan“ (also *selzen).
Ein solcher Ansatz ist jedoch nicht notwendig, da
das -i- der Endung bei den st. V. VII Umlaut des -a- be-
wirkt (vgl. Braune-Heidermanns 2018: § 306 Anm. 1).
Mhd. salzen st.v. (prät. sielz, sielzen, part.prät.
gesalzen) ‚salzen‘, nhd. salzen unreg.v. (prät.
salzte, salzten, part.prät. hat gesalzen/gesalzt)
‚einer Speise Salz beigeben, (Wege, Straßen)
mit Streusalz bestreuen‘.
Splett, Ahd. Wb. 1, 790; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. salzan;
Schützeichel⁷ 271; Starck-Wells 505. 853; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 86 f.; Seebold, ChWdW9 704.
1103; Graff 6, 219; Lexer 2, 588; Diefenbach, Gl. lat.-
germ. 508 (sallire). 509 (salsus); Götz, Lat.-ahd.-nhd.
Wb. 585 (sal[l]ire); Dt. Wb. 14, 1711 ff.; Kluge²¹ 622
(s. v. Salz); Kluge²⁵ s. v. Salz; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Salz. –
Sommer 1994: 145; Braune-Heidermanns 2018: §§ 25.
350 Anm. 1; Paul 2007: § M 84.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. salten, solten sw.v. (mit st. Part.
[ge-]sollten, gesalten, gesulten im adj. Ge-
brauch ‚salzig, von salzigem Geschmack, ein-
gesalzen‘) ‚salzen‘ (Lasch [1914] 1974: § 434
Anm. 1); mndl. souten (zouten, sauten, solten,
salten) st./sw.v. (prät. –, silten, part.prät.
[ge-]souten) ‚salzen, für später aufheben‘
(Franck 1910: § 148), nndl. zouten st./unreg.v.
(prät. zoutte, zoutten, part.prät. gezouten) ‚sal-
zen‘; ae. sealtan st.v. (prät. –, –, part.prät. seal-
ten) ‚salzen‘ (Brunner 1965: § 396, 1), me. sal-
ten (salt[e], silt, sulte) st./sw.v. (prät. salteden,
salte, slte[n], silte, sulte, part.prät. [i]salted,
isalt[e], iselt, iseld, isult[e]) ‚dss.‘, ne. salt
sw.v. ‚dss.‘; got. saltan* (wohl) st.v. ‚salzen;
ἁλίζειν‘ (Braune-Heidermanns 2004: § 179 Anm.
1): < urgerm. *salte/a-.
Unklar ist, ob alle Belege von frühmndl. souten (salten)
sw.v. ‚salzen, Salz machen‘ tatsächlich nur auf ein deno-
minales Verb (abgeleitet von frühmndl. sout n. ‚Salz‘)
zurückgehen oder ob nicht auch teilweise das ehemals st.
V. vorliegt.
Im Afries. ist das Adj. salten ‚salzig, gesalzen‘ belegt,
das wohl ein Part.Prät. in adj. Gebrauch ist (vgl. auch sa-
terfries. soalten adj. ‚gesalzen, gepökelt‘).
Im Got. ist lediglich die Form 3.sg.ind.präs.pass. saltada
(Mk. 9, 49) überliefert. Der Ansatz als st. V. wird auf-
grund der anderen germ. Sprachen und des als urspr.
Part.Prät. aufgefassten Adj. unsaltans* ‚ungesalzen,
kraftlos; ἄναλος‘ (nur nom.sg.n. unsaltan [Mk. 9, 50])
vorgenommen.
Im Nordgerm. finden sich nur sw. V.: aisl. salta
sw.v. ‚salzen‘, nisl. salta sw.v. ‚dss.‘, fär. salta
‚dss.‘, adän. saltæ sw.v. ‚dss.‘, ndän. salte
sw.v. ‚dss.‘, nnorw. (bm.) salte, (nn.) salta,
salte sw.v. ‚dss.‘, aschwed. salta sw.v. ‚dss.‘,
nschwed. salta sw.v. ‚dss.‘, älv. solta sw.v.
‚dss.‘. Obwohl diese Wörter in der Literatur
häufig mit dem st. V. gleichgesetzt werden,
sind sie wohl eher Ableitungen des Subst. ur-
germ. *salta- ‚Salz‘ (s. salz) und gehen so auf
nordgerm. *saltōi̯e/a- zurück (vgl. Bjorvand,
Våre arveord² 922).
Fick 3 (Germ.)⁴ 436; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 425;
Seebold, Germ. st. Verben 385 f.; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. 3, 17. 330 f.; Schiller-Lübben, Mndd.
Wb. 4, 288; VMNW s. v. souten; Verwijs-Verdam, Mndl.
wb. 7, 1610 f.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 827 f. (s. v.
zout); Vries, Ndls. et. wb. 871; Et. wb. Ndl. S-Z 676 (s. v.
zout); WNT s. v. zouten; Hofmann-Popkema, Afries. Wb.
412; Fort, Saterfries. Wb.² 564; Holthausen, Ae. et. Wb.
286; Bosworth-Toller, AS Dict. 851; Suppl. 700; eMED
s. v. salten v.; Klein, Compr. et. dict. of the Engl. lang. 2,
1376; eOED s. v. salt v.¹; Vries, Anord. et. Wb.² 461;
Jóhannesson, Isl. et. Wb. 765; Fritzner, Ordb. o. d. g.
norske sprog 3, 163; ONP s. v. salta²; Jónsson, Lex. poet.
479; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 237; Magnússon,
Ísl. Orðsb. 794; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 946
(s. v. salt); Nielsen, Dansk et. ordb. 359; Ordb. o. d. danske
sprog 18, 492 f.; Bjorvand, Våre arveord² 922; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 566 (s. v. salt); NOB s. vv. (bm.) salte,
(nn.) salta, salte; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 884 (s. v.
salt); Svenska akad. ordb. s. v. salta v.; Feist, Vgl. Wb. d.
got. Spr. 409 (s. v. salt); Lehmann, Gothic Et. Dict. S-20.
Urgerm. *salte/a- hat lediglich in lat. sallere
‚salzen‘ (part.prät. salsum [< *-ld-to-]) eine un-
mittelbare Entsprechung.
Alle sonstigen Verben wie lat. sal(l)īre ‚salzen‘ (part.prät.
sal[l]ītus), lit. sáldyti ‚süßen‘ und air. saillid ‚salzt‘ sind
dagegen denominal (vgl. etwa ALEW 2, 886 f.; Vendryes,
Lex. ét. de l’irl. anc. S-14).
Unklar bleibt der genaue Ansatz des Verbs, der
auch von der Rekonstruktion und etym. Einord-
nung des Subst. ‚Salz‘ (s. salz) abhängt, näm-
lich davon, ob der Dental zur Wz. gehört oder
im Subst. erst vom Verb her bezogen ist. Wenn
der Dental im Subst. vom Verb herrührt, ist ein
Ansatz als de/o-Präs. wahrscheinlich. Je nach-
dem, ob man für die Wz. ein *-a- oder einen
Laryngal ansetzt, ist das Verb dann als *sál-de/o-
oder *sh₂él-de/o- rekonstruierbar (zur Vollstu-
figkeit bei de/o-Präs.bildungen vgl. LIV² 19 f.).
In Nachfolge eines Vorschlags von Casaretto
2004: 77 f. geht man heute auch von uridg.
*sal-dh₃-, also einem Komp. aus uridg. *sal-
‚Salz‘ und *deh₃- ‚geben‘ aus (vgl. etwa NIL
588 Anm. 1; ALEW 2, 887). Da dabei aber die
Einordnung des Wortes als st. V. im Germ.
schwierig bleibt (vgl. NIL 588 Anm. 1), scheint
diese Analyse weniger wahrscheinlich.
Walde-Pokorny 2, 453; Pokorny 879; NIL 588 Anm. 1;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 465 f.; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 589 f.; de Vaan, Et. dict. of Lat. 535. – D.
Petit, Baltistica 50 (2015), 354.
RS