sanga
Volume VII, Column 959
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sanga f. ō/n-St., in Gl. 1,345,12 (10. Jh.,
alem.); 3,371,7 (12./13. Jh., mfrk.): ‚Ährenbü-
schel, Garbe; fasciculus, gelima‘ 〈Var.: -e〉. Aus
den Belegen ist die St.klasse nicht ersichtlich.
Eine Einordnung als n-St. ist wegen der mhd.
Entsprechung und den Entsprechungen in den
weiteren germ. Sprachen zwar wahrscheinlich,
aber nicht zwingend. – Mhd. sange sw.f. ‚Bü-
schel von Ähren‘, frühnhd. sange f. ‚Ährenbü-
schel‘, nhd. (veraltend) Sange f. ‚Garbe‘.

Splett, Ahd. Wb. 1, 1232; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. sanga;
Schützeichel⁷ 272; Starck-Wells 508; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 104; Bergmann-Stricker, Katalog
Nr. 726. 779; Graff 6, 254; Lexer 2, 604; Götze [1920]
1971: 183; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 258 (gelima); Dt.
Wb. 14, 1789 f.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. sange f. ‚Ährenbüschel des noch auf
dem Halm stehenden Getreides‘; mndl. sange
(f.) ‚Ährenbüschel‘, nndl. dial. zang (f.) ‚dss.‘:
< urgerm. *sanǥō(n)-.

Halliwell 1847: 2, 705 listet eine Form engl. dial. sang
‚eine Handvoll Korn‘, die aber außerhalb des Werkes
nicht verifizierbar ist.

Fick 3 (Germ.)⁴ 429; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb.
3, 24; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 23; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 7, 143; WNT s. v. zang². – Lühr 1988:
138; Weijnen 2003: 423.

Die Etym. von urgerm. *sanǥō(n)- ist unklar.
Vorgeschlagen wurden:
1. Rückführung auf vorurgerm. *songhā(n)-
oder *sonk(n)- und Vergleich mit arm. owng
‚kleine Stücke Stroh, Strohbündel, an dem ei-
nige Körner haften‘ < vorurarm. *songho- oder
*sonko- (H. Petersson, ZVSp 47 [1916], 267 f.);
die Formen legen eine Wz. uridg. *sengh- oder
*senk- nahe, deren Bed.ansatz unklar ist (‚Ähre?‘,
‚sammeln?‘).
2. Verbindung mit gr. ὄμφαξ, -ᾰκος f. ‚un-
reife Weinbeere, Olive oder sonstige Frucht‘
und Rückführung auf uridg. *songh-eh₂ (O.
Lagercrantz, ZVSp 35 [1898], 285–287); ob-
wohl diese Verbindung heute allgemein abge-
lehnt oder nicht mehr erwähnt wird, bleibt sie
aus semantischen Gründen erwägenswert, da
im Germ. für Sange auch das Bed.merkmal
Unreife belegt ist (vgl. Dt. Wb. 14, 1789: „zu-
nächst scheint es die jungen reifenden ähren zu
bezeichnen“); auch hier bleibt der Bed.ansatz
der Wz. *sengh- unklar.
3. Anknüpfung an die Gruppe um ahd. bisengen
‚verbrennen‘ (s. d.) (Lühr 1988: 138; so bereits
Dt. Wb. 14, 1789), wobei als Benennungsmotiv
die Trockenheit der Ähre kurz vor der Ernte an-
genommen wird. Das ist jedoch weniger wahr-
scheinlich, da der mutmaßliche Beleg für eine
solche Bed., preuß. das korn ist schon in der
sange (Frischbier, Preuß. Wb. 2, 247), sich
nicht auf die Zeit unmittelbar vor der Ernte be-
zieht; sange hat hier vielmehr die Bed. ‚Zustand
des Roggens, wenn er nach der Blüte anfängt
Körner anzusetzen‘ (ebd.). Die bei Luther vor-
kommende Bed. ‚geröstete Körner‘ für sange
geht wohl erst auf volksetym. Beeinflussung
durch sengen zurück und setzt keine alte Bed.
fort (vgl. H. Petersson, ZVSp 47 [1916], 267),
falls nicht überhaupt eine homonyme Bildung
zu sengen vorliegt. Dazu kommt, dass in dem
Fall die Ableitungsbasis für ahd. sanga erst im
15. Jh. als mhd. senge st.f. ‚Trockenheit, Dürre‘
(Lexer 2, 884) belegt wäre (vgl. Lühr, a. a. O.).

Walde-Pokorny 2, 130; Frisk, Gr. et. Wb. 2, 392;
Chantraine, Dict. ét. gr.² 773; Beekes, Et. dict. of Gr. 2,
1081. – Olsen 1999: 954.

RS

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