seg(a)nôn
Volume VII, Column 1016
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seg(a)nônAWB sw.v. II, in Gl. seit dem 2.
Viertel des 9. Jh.s, MF, T, OT, O, AuS, Prs A,
GHa, WeGB, MGB, Nps, Npg, Npw: ‚segnen,
weihen; benedicere, sacrare‘ 〈Var.: -en-, -on-〉.
Ahd. seganôn ist aus lat. signāre ‚mit einem
Zeichen versehen‘ entlehnt (s. u.). – Mhd. sëge-
nen, sëgen, sênen sw.v. ‚das Zeichen des Kreu-
zes machen, segnen‘, frühnhd. segenen sw.v.
‚segnen, beschwören‘, nhd. segnen sw.v. ‚mit
einem Segen versehen‘.

Splett, Ahd. Wb. 1, 797; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. seganōn;
Schützeichel⁷ 274; Starck-Wells 511; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 126 f.; Seebold, ChWdW9 711.
1109; Graff 6, 146 f.; Heffner 1961: 129; Lexer 2, 848 f.;
Götze [1920] 1971: 199; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 72
(benedicere); Dt. Wb. 16, 118 ff.; Kluge²¹ 697 (s. v. Se-
gen); Kluge²⁵ s. v. Segen; ePfeifer, Et. Wb. s. v. segnen. –
Müller-Frings 1966–68: 2, 460 f.

In entsprechender Bedeutung ist lat. signāre
auch in andere germ. Sprachen übernommen
worden; vgl. die sw. V.: as. segnon ‚segnen‘,
mndd. segenen, segen ‚segnen, weihen, (refl.)
sich bekreuzigen‘; andfrk. seganon ‚segnen‘,
frühmndl. seghenen ‚dss.‘, mndl. segenen
‚dss.‘, nndl. zegenen ‚dss.‘; nwestfries. seinje
‚segnen‘, saterfries. sainje ‚dss.‘; ae. segnian
‚segnen‘, me. sgnen ‚segnen, bezeichnen‘; aisl.
signa ‚segnen, weihen‘, nisl. signa ‚segnen, das
Kreuzzeichen machen, beschwören, zeichnen‘,
fär. signa ‚segnen‘, norw. signa ‚segnen, das
Kreuzzeichen machen, beschwören‘, aschwed.
sighna ‚segnen, das Kreuzzeichen machen‘,
schwed. signa ‚segnen, beschwören‘, adän.
signæ ‚segnen, das Kreuzzeichen machen, be-
schwören‘, dän. signe ‚dss.‘.
Aus einer nordgerm. Sprache stammen wahr-
scheinlich finn. siunata ‚segnen, billigen,
schimpfen, durch Zauber herbeiführen‘, ingr.
siunaDa ‚segnen‘, karel. siunata ‚segnen, ta-
deln, (ver-)fluchen‘, wot. siunata ‚segnen,
weihen‘, estn. siunama ‚fluchen, verwünschen,
segnen‘.

Tiefenbach, As. Handwb. 325; Sehrt, Wb. z. Hel.² 451;
Berr, Et. Gl. to Hel. 332; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 3, 182 f.; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 169;
ONW s. v. seganon; VMNW s. v. seghenen²; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 7, 901 ff.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal²
814 f.; Vries, Ndls. et. wb. 858; Et. wb. Ndl. S-Z 655;
WNT s. v. zegenen¹; eFryske wb. s. vv. segenje, seingje,
seinje; Dijkstra, Friesch Wb. 3, 63; Fort, Saterfries. Wb.²
509; Holthausen, Ae. et. Wb. 288; Bosworth-Toller, AS
Dict. 857; Suppl. 701; eMED s. v. sgnen; Vries, Anord. et.
Wb.² 474; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 1151; Fritzner, Ordb.
o. d. g. norske sprog 3, 235; ONP s. v. signa²; Holthausen,
Vgl. Wb. d. Awestnord. 242; Magnússon, Ísl. Orðsb. 812;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 963 f.; Nielsen, Dansk
et. ordb. 365; Ordb. o. d. danske sprog 18, 1316 ff.;
Suppl. s. v. signe¹; Torp, Nynorsk et. ordb. 578 (s. v.
signa²); NOB s. v. signe; Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2,
906 (s. v. signa²); Svenska akad. ordb. s. v. signa v.²;
Kylstra, Lehnwörter 3, 243.

Das lat. Wort hat im frühen Mittelalter die
spezielle Bedeutung ‚mit dem Zeichen des
Kreuzes versehen‘, daher ‚segnen‘ angenommen.
Daneben lebt im Mlat. auch das ältere Verb für
‚segnen‘, benedicere, fort.
In anderen Sprachen können air. sénaid ‚segnet,
beschwört‘ und mkymr. swynaf ‚segne, be-
schwöre‘ vergleichbare Entlehnungen aus lat.
signāre sein; die Wörter müssen dann nicht in-
nerhalb ihrer jeweiligen Sprache von den Subst.
air. sén n. ‚Zeichen, Glück‘, mkymr. swyn m./f.
‚Zauber, Zeichen‘ abgeleitet sein, die beide aus
lat. signum n. ‚Zeichen‘ stammen.
Das lat. Verb signāre ist eine desubst. Ablei-
tung von lat. signum n. ‚Zeichen‘. Sowohl lat.
signum als auch das davon abgeleitete Verb ha-
ben Verwandte in weiteren it. Sprachen; vgl. zu
signum osk. akk.pl. segúnú, σεγονω ‚Standbild
(einer Gottheit)‘, zu signare vgl. osk. 3.sg.perf.
seganatted ‚kennzeichnete‘; weiterhin liegt ein
ā-stämmiges Subst. in marrukin. nom.pl. asignas
‚vorgeschnittenes, den Opferteilnehmern zu-
zuteilendes Fleisch‘ vor, wo a- ein Präverb ist
(Untermann, Wb. d. Osk.-Umbr. 129 f.).
Lat. signum geht wahrscheinlich auf ein sub-
stantiviertes Verbaladj. *sek-no- zu der Wz.
uridg. *sekH- ‚abtrennen, schneiden‘ zurück,
die auch im Verb lat. secare ‚schneiden, ab-
schneiden, mähen‘ fortlebt (s. sega). Da aber
signum keinen Reflex des auslautenden Laryn-
gals von *sekH- zeigt, ist das Wort wohl erst im
It. von einer neu abstrahierten Wz. *sek- gebil-
det worden (de Vaan, Et. dict. of Lat. 563).

Im klass. Lat. hat signum langes -ī-, wie etwa aus der
Schreibung seignum (mit -ei- für -ī-) in CIL 42 hervor-
geht. Die rom. Fortsetzer, wie italien. segno ‚Zeichen‘,
weisen jedoch auf kurzes -ĭ-, das auch von den germ. und
kelt. Lehnwörtern vorausgesetzt wird. Die klassisch lat.
Dehnung von -i- (< älterem *-e-) vor -gn- wurde also von
der Umgangssprache nicht geteilt (Meiser [1998] 2010:
§§ 48, 1. 58, 2).

Walde-Pokorny 2, 474 f. 478; Pokorny 895 f.; LIV² 524;
Untermann, Wb. d. Osk.-Umbr. 129 f. 661 f.; Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 534 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.⁴ 624 f.; de Vaan, Et. dict. of Lat. 563; Niermeyer,
Med. Lat. lex.² 2, 970; Du Cange² 7, 480; Körting, Lat.-
rom. Wb.³ Nr. 8702; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. S-
84 f.; eDIL s. v. sénaid²; Dict. of Welsh 4, 3373.
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