seckelAWB ? m. a-St., in Gl.?: ‚Schekel
(Münze); sestertius‘. Das Wort ist nur bei
Splett, Ahd. Wb. 1, 1232; Schützeichel⁷ 275, ge-
bucht. Der Schützeichel⁷, a. a. O. gebotene Ver-
weis auf Schützeichel, Glossenwortschatz führt
ins Leere: die Schützeichel, Glossenwortschatz
8, 145 s. v. seckil verzeichneten, potentiell in
Frage kommenden Formen ahd. sekel, seckel,
sekkel glossieren lat. marsupium oder lat. bursa
und sind somit zu Recht s. v. seckil (s. d.) ange-
führt; zu ebenda angeführtem gleichbedeuten-
dem ahd. sechel s. d. Möglicherweise liegt hier
ein Ghostword vor. Andernfalls ist das Wort
aus (m)lat. siclus m. ‚eine Münze‘ bzw. dessen
rom. (afrz.) Fortsetzer (s. u.) entlehnt. – Nhd.
Sekel m. ‚Name einer (jüdischen und babyloni-
schen) Metallgewichtseinheit (bes. auch im Al-
ten Testament), Münze dieser Gewichtseinheit‘
ist eine Neuentlehnung des hebr. Worts. Das-
selbe gilt auch für die lautlich mehr am hebr.
Ausgangswort orientierte Neuübernahme nhd.
Schekel m. ‚Name einer Metallgewichtseinheit
im Alten Testament, Münze mit dieser Ge-
wichtseinheit, Währung des Staates Israel‘.
Splett, Ahd. Wb. 1, 1232; Schützeichel⁷ 275 (der Verweis
auf Schützeichel, Glossenwortschatz führt ins Leere); Dt.
Wb. 16, 403 (Bed. 2, 3); Kluge²¹ 701.
In andere germ. Sprachen wurde das (m)lat.
Wort ebenfalls übernommen: mndd. sēkel, se-
ckel f. (?) ‚eine Münzsorte‘; mndl. cikle, cikel,
sikele, sicle m. ‚jüdische Münze‘, nndl. sikkel
‚alte hebräische Gewichtseinheit und Münze‘;
nwestfries. sikkel m./f. ‚alte jüdische Gewichts-
einheit und Münze, Silbermünze‘; me. sicle
‚alte jüdische Gewichts- und Münzeinheit‘, ne.
obs. sicle ‚dss.‘, ne. (neu entlehnt) shekel ‚ba-
bylonische bzw. jüdische Münzeinheit, Wäh-
rung Israels‘; aschwed. siklar m., nschwed. sikel
‚alte jüdische und babylonische Gewichts- und
Münzeinheit‘. Die Entlehnung in die germ.
Sprachen ist je einzelsprachlich erfolgt.
Ahd. seckel und mndd. sēkel, seckel dürften da-
bei aufgrund ihres Wz.vokals wohl aus einer
sonst weder belegten noch fortgesetzten Form
rom. *seklo entlehnt sein (s. u.).
Eine Neubelebung der Wortform me. sickle ist ne. Sickle
‚Silbermünze in der Zaubererwelt‘ (in den Harry-Potter-
Romanen von J. K. Rowling). Sickle (nhd. Sickel) steht
für die mittlere Münzeinheit: 29 Knuts (ne. Knut ‚eine
Bronzemünze in der Zaubererwelt‘) sind ein Sickle, 17
Sickles eine Galleone (ne. Galleon ‚eine Goldmünze in
der Zaubererwelt‘). Die merkwürdigen Zahlenverhält-
nisse der Münzen zueinander sind eine Anspielung auf
das vordezimale Münzsystem Großbritanniens (vor dem
15.2.1971), in dem 1 Pfund Sterling 20 Shilling und 1
Shilling 12 Pence entsprachen.
Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 3, 189 (sēkel²);
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 1, 1500; 7, 1114 (sikele²);
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 608 (sikkel¹); Vries, Ndls.
et. wb. 640 (sikkel²); WNT s. v. sikkel¹; eFryske wb. s. v.
sikkel; eMED s. v. sicle n.; Klein, Compr. et. dict. of the
Engl. lang. 2, 1433; eOED s. vv. †sicle n., shekel n.;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 907; Svenska akad. ordb.
s. v. sikel subst.³.
Die in die germ. Sprachen erfolgten Übernah-
men stammen über (m)lat. siclus m. ‚eine Ge-
wichtseinheit, eine Münzeinheit‘, (bibel-)lat.
siclus m. ‚Schekel‘ und gr. σίκλος, σίγλος m.
‚dss.‘, daneben auch ‚Ohrring‘ (dann f.pl.
σίγλαι) aus hebr. šēḳel ‚Gewicht(seinheit), Sil-
bermünze‘ oder dessen phöniz. Entsprechung.
(M)lat. siclus wird in den rom. Sprachen nur
in afrz., mfrz. sicle m. ‚jüdische Münzeinheit
(im Alten Testament)‘ fortgesetzt. Daneben be-
stehendes mlat. siclus m. ‚Eimer, ein Hohl-
maß‘, das auf lat. situlus m. ‚Eimer‘ beruht,
bleibt fern. Die Senkung lat. i > rom. e wurde
in diesem Wort offenbar im Gallorom. nicht
durchgeführt (vielleicht, weil es sich um ein ge-
lehrtes Lehnwort handelt?), wird aber von der
ahd. und der mndd. Form vorausgesetzt.
Frisk, Gr. et. Wb. 2, 702; Chantraine, Dict. ét. gr.² 967;
Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 1328; Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. 2, 534; Niermeyer, Med. Lat. lex.² 2, 1264; Du
Cange² 7, 470 (siclus¹); Wartburg, Frz. et. Wb. 11, 591.
HB