simbal
Volume VII, Column 1222
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simbal adj., im Abr (1,194,18 [Pa]):
‚unablässig; assiduus‘ 〈Var.: -pl〉.

Splett, Ahd. Wb. 1, 814; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. simbal;
Starck-Wells 523; Schützeichel, Glossenwortschatz 8,
209; Bergmann-Stricker, Katalog Nr. 747; Seebold,
ChWdW8 253 f.; Dt. Wb. 16, 1178 f. (Sinngrün); Kluge²¹
709 (s. v. Singrün).

In den anderen germ. Sprachen entsprechen: as.
sim(b)la adv., sim(b)lun adv. ‚immer, stets‘; ae.
simbel, simble(s) adj. ‚beständig, immer‘, me.
sim(b)le adv. ‚andauernd, immer, ewig‘; got.
simle adv. ‚einst, vormals; ποτέ‘: < urgerm.
*sem-la-.
Die in älteren Etymologika häufiger angeführte
Verbindung dieses Etymons mit dem PflN nhd.
Sin(n)grün ‚Immergrün‘ und entsprechenden
Fortsetzern in anderen germ. Sprachen ist zu-
treffend, wenngleich nicht für alle dort ange-
führten Formen aus weiteren germ. Sprachen.
Diese Verknüpfung setzt auf jeden Fall eine As-
similation (am ehesten vor Dental) *m > n und
weiter eine Verallgemeinerung der Wz.gestalt
*sen-/*sin- voraus Im Got. findet sich urgerm.
*sem- wohl auch im KVG von got. sinteins*
adj. ‚täglich; ἐπιούσιος, ὁ καθ’ ἡμέραν‘, sint-
eino adv. ‚immer; ἀεί‘. Manche der im Zusam-
menhang mit den vorgenannten Wörtern ange-
führten Vergleichswörter dürften jedoch auf
urgerm. *sen-a- zur Wz. uridg. *sen- ‚alt‘ zu-
rückgehen. Semantisch ist sicher früh eine An-
gleichung von urgerm. *sem(-la)- ‚dauernd,
stets‘ > ‚immer(während)‘ einerseits und *sen-
a- ‚alt‘ > ‚seit alters‘ > ‚schon immer‘ > ‚(auch
in Zukunft) immer‘ erfolgt.

Fick 3 (Germ.)⁴ 432; Tiefenbach, As. Handwb. 334;
Sehrt, Wb. z. Hel.² 463 f.; Berr, Et. Gl. to Hel. 342 f.;
Holthausen, Ae. et. Wb. 294; Bosworth-Toller, AS Dict.
875; Suppl. 703; eMED s. v. simle adv.; Feist, Vgl. Wb. d.
got. Spr. 422. 423; Lehmann, Gothic Et. Dict. S-65. S-80.

Urgerm. *sem-la- geht auf uridg. *sem-lo-, eine
Ableitung zur Wz. uridg. *sem- ‚eins, einmal‘
zurück (vgl. gr. εἷς m., μία f., ἕν n. num. ‚eins‘
< uridg. *sem-s, *sm-ih₂, *sem; arm. mi num.
‚eins‘ [mit einem vom Fem. uridg. *sm-ih₂ aus
verallgemeinerten Vokalismus]). Auf einer
ähnlichen Vorform beruht urit. *semali- (< ur-
idg. *semh₂-el-i-) > lat. simul adv., alat. semol,
semul adv. ‚zugleich‘, mlat. simul adv. ‚im
Ganzen‘, semel adv. ‚einmal‘, similis adj. ‚ähn-
lich‘ (fortgesetzt in den gleichbed. Adj. rum.
samăn, aneapol. sémele, log. simile, italien. si-
mile, afrz. semble, prov. semble und wesentlich
zahlreicher in davon abgeleiteten Verben), da-
neben uridg. *s-l-i > urit. *somel > umbr. su-
mel, falls dieses ‚zugleich‘ bedeutet. Nahe steht
(mit [vielleicht analogischer] o-Stufe und wohl
Suff.ersatz) gr. ὁμαλός ‚eben, gleich, weich‘ <
urgr. *homalo- < uridg. *somh₂-lo- (in dieser
Position wäre neben vorausgehender o-Stufe
eigentlich Schwund des Laryngals nach der
Saussure’schen Regel zu erwarten).
Im Kelt. sind zugehörig: urkelt. *samali- > air.
samail f. ‚Bild, Gleichnis‘, mkymr. hafal ‚Ähn-
lichkeit‘, mbret. heuel, nbret. heñvel adj.
‚ähnlich‘, mbret. hanual, nbret. hañval adj.
‚ähnlich‘ etc.; des Weiteren air. saml(a)id adv.
‚zugleich, ähnlich, ebenso‘, cosmail adj. ‚ähn-
lich‘, cosm(a)ile f. ‚Ähnlichkeit‘ (< urir. *kom-
samaliā-) etc. Urkelt. *samali- geht entweder
auf uridg. *semh₂-(e)l-i- oder uridg. *sh₂-(e)l-
i- zurück.
Die gr., it. und kelt. Formen legen den Ansatz
einer Wz. mit schließendem Laryngal nahe
(uridg. *semh₂-). Im Zusammenhang mit dem
gr. Zahlwort könnte eine Koll.bildung (uridg.
*sem-h₂- ‚Einheit[lichkeit]‘?) zugrunde liegen.
Die verschiedenen Ablautstufen der Fortsetzer
gehen dann möglicherweise auf ältere ablau-
tende Paradigmen zurück: uridg. akrostatisch
nom. *sém-h₂, gen. *sóm-h₂-s (mit jüngerer l-
Ableitung) oder proterokinetischer l-St. uridg.
*sémh₂-ōl, gen. *sh₂-él-s bzw. ein holokineti-
scher sekundärer l-St. *sém-h₂-ōl, gen. *s-h₂-
l-és. Eine endgültige Entscheidung ist hier vor-
läufig nicht zu treffen (zu solchen Flexionsmus-
tern vgl. Rieken 1999: 419 ff.).
Zu weiteren Ableitungen von dieser Wz. im
Germ. s. saman und allgemein LIPP 2, 671 ff.

Walde-Pokorny 2, 488 ff.; Pokorny 902 ff.; LIPP 2,
671 ff.; Frisk, Gr. et. Wb. 1, 471 f.; 2, 384; Chantraine,
Dict. ét. gr.² 311. 771 f.; Beekes, Et. dict. of Gr. 1, 394;
2, 1074; Untermann, Wb. d. Osk.-Umbr. 716; Walde-
Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 538 ff.; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.⁴ 626; de Vaan, Et. dict. of Lat. 553. 564 f.; Niermeyer,
Med. Lat. lex.² 2, 1268; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr.
8717; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 7928; Wartburg,
Frz. et. Wb. 11, 628 ff.; Hübschmann, Arm. Gr. 474;
Martirosyan, Et. dict. of Arm. 467 f.; Fick 2 (Kelt.)⁴
293 f.; Matasović, Et. dict. of Proto-Celt. 320 f.;
Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. S-21 f.; Kavanagh-
Wodtko, Lex. OIr. Gl. 235 f. 778 f.; eDIL s. vv. cosmail,
cosmaile, samail¹, samail²; Dict. of Welsh 2, 1808;
Deshayes, Dict. ét. du bret. 322. 326.

HB

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