sirno
Volume VII, Column 1280
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sirno m. an-St., in Gl. 1,292,49 (in 2
Hss., um 800, alem. bzw. Anfang des 9. Jh.s,
alem.): ‚(Gemeiner) Flieder, Sirene (bota-
nisch); syringium‘. Der Ansatz sireno in eini-
gen Wörterbüchern ist interpoliert und beruht
nicht auf den tatsächlich bezeugten Formen.
Ahd. sirno ist aus dem Rom. entlehnt (s. u.).

Splett, Ahd. Wb. 1, 1232; eKöbler, Ahd. Wb. s. vv. sireno,
sirno; Schützeichel⁷ 282 (sireno); Starck-Wells 527;
Schützeichel, Glossenwortschatz 8, 244; Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 296 (II). 725 (I); Seebold, ChWdW9
729; Graff 6, 280; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 538 (sy-
ringium).

In andere germ. Sprachen fand eine so frühe
Entlehnung des Worts als Pflanzenbez. wie im
Falle des Ahd. nicht statt. Voraus geht eine Vor-
form westgerm. *sir(e)na(n)-.
Westgerm. *sir(e)na(n)- (?) beruht wohl auf
rom. *sir(e)n(g/)o- < (m)lat. syringium n., ei-
ner Nebenform von (m)lat. syringa f. ‚Rohr-
pfeife, Spritze‘, einer späten Umformung des
aus gr. σῦριγξ, -ιγγος f. ‚Rohrpfeife, Flöte, Sy-
rinx, Luftröhre, Blutader, Fistel, Köcher, Speer-
behälter, unterirdischer Gang‘ übernommenen
lat. syrinx f. Gr. σῦριγξ, -ιγγος f. setzt wahr-
scheinlich ein mediterranes Kulturwort fort;
auch phryg. Herkunft wird bisweilen vermutet.
Eine befriedigende idg. Etym. konnte bislang
nicht vorgelegt werden, insbesondere nicht für
das Suff.
In manchen rom. Sprachen (etwa im Frz.)
wurde der Fortsetzer von lat. syringa auch als
Pflanzenbez. für Unechten Jasmin, Bauernjas-
min (Philadelphus coronarius) und Flieder (Sy-
ringa) – wohl aufgrund der Form der Blüten-
stände – verwendet. Das lat. Wort ist in den
beiden Grundbed. ‚Rohrpfeife, Spritze‘ in ita-
lien. sciringa, scilinga f., mail. serenga f., frz.
seringue f., prov. siringua f., katal., span.
siringa f., span. jeringa f., port. xeringa f. fort-
gesetzt.
Aus dem Frz. oder Mlat. wurde mndl. siringe,
sieringe ‚kleines Rohr, Kanüle‘ übernommen
(Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7, 1093 [sieringe³].
1168).
Mlat. syringa wurde auch als me. sring(e)
‚Spritze, spritzenförmiges ärztliches Instru-
ment‘, ne. syringe ‚Spritze‘ ins Engl. entlehnt
(eMED s. v. sring[e] n.; Klein, Compr. et. dict.
of the Engl. lang. 2, 1561; eOED s. v. syringe n.).
Im 16. Jh. als botanischer Terminus neu über-
nommen ist ne. syringa ‚Bauernjasmin (Phi-
ladelphus coronarius)‘ (Klein, Compr. et. dict.
of the Engl. lang. 2, 1561; eOED s. v. syringa
n.); gleichbed. ne. seringa (Klein, Compr. et.
dict. of the Engl. lang. 2, 1561; eOED s. v. se-
ringa n.¹) stammt aus dem Frz.
Ebenfalls aus gr. σῦριγξ, -ιγγος f. stammt ai.
suruṇgā- f. ‚unterirdischer Gang, Mine, Bresche‘.
Unklar ist die Herkunft von arm. sring ‚Pfeife‘.
Dieses kann aus gr. σῦριγξ, -ιγγος f. entlehnt
sein oder aus derselben (mediterranen/phryg.)
Vorform wie arm. sring stammen – auch eine
wenig überzeugende idg. Etym. wurde bereits
vorgelegt: Das Wort wird als uridg. *-n-
g()o- (> ai. ś́ṅga- n. ‚Horn‘) mit uridg. *k̂er(h₂)-
‚Horn‘ (Weiteres s. horn) verbunden; doch
ist die Annahme von lautlichen Sonderent-
wicklungen notwendig (vgl. zu diesem Vor-
schlag mit weiterer Lit. Martirosyan, Et. dict.
of Arm. 585).

Mayrhofer, KEWA 3, 487 f.; ders., EWAia 3, 516;
Frisk, Gr. et. Wb. 2, 821 f.; Chantraine, Dict. ét. gr
1034; Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 1423; Körting, Lat.-
rom. Wb.³ Nr. 9315; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr.
8504; Wartburg, Frz. et. Wb. 12, 502 f.; Hübschmann,
Arm. Gr. 382; Martirosyan, Et. dict. of Arm. 585. – Olsen
1999: 928.

HB

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