sisu m. u/wa-St. (sisuwa f. ō[n]-St.?), in
Gl. 1,304,13 (2. Hälfte des 10. Jh.s, bair.):
sisuva; 310,46 (12. Jh., alem.): sísua; 2,559,37
(10./11. Jh.): siesun 〈skfsxn〉: ‚Totenklagelied,
Totenklage, Totengesang; carmen funebre,
n(a)enia‘ 〈Var.: -ie-; -o〉. Da alle drei Belege
lat. Pl.formen glossieren, ist der Ansatz eines f.
ō[n]-St. sisuwa (so etwa Splett, Ahd. Wb. 1,
820) unwahrscheinlich, es handelt sich bei
sisuva, sísua um Formen des Nom./Akk.Pl., bei
siesun um einen Dat.Pl. eines u- oder wa-St. In
Komp. wird allein die kürzere St.form sisu-
fortgesetzt. – Mhd. nur noch als VG im Komp.
sisegome, sisegoum st./sw.m. ‚Pelikan‘ (s.
sisugomo).
Splett, Ahd. Wb. 1, 820 f.; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. sisu;
Schützeichel⁷ 283; Starck-Wells 527; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 245; Bergmann-Stricker, Katalog
Nr. 348. 863. 949; Graff 6, 281; Lexer 2, 941 (sisegome). –
Schatz 1927: § 288, S. 190.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen nur:
as. sisu- als KVG in sisugomo sw.m. ‚Pelikan‘
(s. ahd. sisugoumo), sisuspelo sw.m. ‚Totenge-
sang‘ (s. ahd. sisuspilo), als KHG in dadsisas
m.pl. ‚Totengesang‘; vielleicht ae. sise- als KVG
im Komp. ae. sisemūs f. ‚Haselmaus, Schlaf-
maus, Ziesel‘ (bei dem es sich aber wohl eher um
eine Form mit umgestaltetem VG zur Sippe von
ne. sisel, zizel ‚Ziesel‘ handelt; vgl. auch ahd. zi-
simûs [s. d.]): < urgerm. *si/esu-, *si/esu̯a-.
Außerdem begegnet ein Element Ses(i/e)-,
Sis(e)- als KVG in zahlreichen germ. PN, dessen
Zugehörigkeit zu ahd. sisu aber umstritten ist.
Tiefenbach, As. Handwb. 58 (dôthsisu). 336; Wadstein,
Kl. as. Spr.denkm. 218; Holthausen, Ae. et. Wb. 296;
Bosworth-Toller, AS Dict. 878; eOED s. vv. sisel n., zizel
n. – Ehrisman 1918: 43–45; H. Wesche, PBB 61 (1937),
87–94; Reichert 1987–90: 1, 597. 612–615; 2, 613 f.
Die weitere Etym. bleibt unklar. Vielleicht ist
das Wort onomapoetischen Ursprungs?
HB