skado¹
Volume VII, Column 1315
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skado¹AWB f. n-St., seit dem Ende des 8. Jh.s
in Gl. und bei O, in PE, StE, WHS, bei N:
‚Schaden, Übel, Unheil, Verderben, Nachteil,
Strafe; calumnia, damnum, detrimentum, dis-
pendium, flagitium, fortuna, fraus, grave, iac-
tura, impedire [= skado sîn], labes, laesio, ma-
lum, noxa, noxia, noxium, pestis .i. scandalum,
poena noxia‘ 〈Var.: sc-〉. In den Wörterbüchern
des Ahd. (ebenso wie der anderen germ. Spra-
chen) findet sich häufig keine Trennung zwi-
schen den Ansätzen skado¹ und skado². –
Mhd. schade sw.m. ‚Schaden, Schädigung,
Verlust, Nachteil, Verderben, Böses‘, frühnhd.
schad(en) m. ‚Schädigung, Leibschaden‘, nhd.
Schaden, (veraltet) Schade m. ‚etw., was die
Gegebenheiten, die bestehende Situation in ei-
ner negativen, nicht wünschenswerten Weise
verändert, teilweise Zerstörung, Beschädigung,
Defekt, körperliche, gesundheitliche Beein-
trächtigung, durch Verlust oder Zerstörung ei-
nes Guts entstandene Einbuße‘. Das -n im Nom.
stammt aus den obl. Kasus. Das prädikative
Adj. (auch Interj.) nhd. schade ‚bedauerlich,
betrüblich‘ ist aus dem Subst. entwickelt.

Splett, Ahd. Wb. 1, 827; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. skado;
Schützeichel⁷ 284; Starck-Wells 530. 829; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 261 f.; Seebold, ChWdW8 257; ders.,
ChWdW9 735. 1104; Graff 6, 421 f.; Heffner 1961: 125;
Lexer 2, 625 f.; Götze [1920] 1971: 184; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 166 (damnum). 168 (decrementum). 186
(dispendium). 282 (iactura). 383 (noxia); Götz, Lat.-
ahd.-nhd. Wb. 168 (damnum). 389 (malum²). 434
(noxium). 497 (poena). 591 (scandalum); Dt. Wb. 14,
1969 ff.
; Kluge²¹ 630 f.; Kluge²⁵ s. v. Schaden; ePfeifer,
Et. Wb. s. vv. schade
, Schaden. – DRW 12, 49 ff.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. skatho m.(/f.) ‚Schaden, Schädigung‘ (zum
Genus s. u.), mndd. schāde (scathe) m. ‚(Lei-
bes-)Schaden, (Be-)Schädigung, Einbuße, (geld-
licher) Verlust, Verwundung, Rechtsnachteil,
Strafe, Delikt, Strafsache, Missgeschick, Un-
glück, (adj.) schädlich, nachteilig‘; andfrk.
skatho m. ‚Schaden, Nachteil‘, frühmndl. scade
(scaede, schade) m./f. ‚Schaden, Nachteil, Leid,
Elend‘, mndl. schade (scade, scaeye, scay,
schaidt) (m./f.) ‚Schaden, Nachteil, Verletzung,
(geldlicher) Verlust‘, nndl. schade f. ‚Nachteil,
Beschädigung‘; afries. skatha, skada, skād(a),
skā m. ‚Schaden, Nachteil, Strafzahlung‘, nwest-
fries. skea m./f. ‚Schaden‘, saterfries. skoade
m. ‚Schaden, geldlicher Verlust‘, nnordfries.
skååre ‚Schaden‘; ae. sceaþa m. ‚Schaden, Ver-
letzung‘, me. shāthe (shatþe, shade, frühme.
sceaþe, sceaþæ, scaðe) ‚Schaden, Gefahr,
Verletzung‘; aisl. skaði m. ‚Schaden, Verlust,
Unglück, Mord, Tod‘, nisl. skaði m. ‚Scha-
den‘, fär. skaði m. ‚Schaden, Verletzung, Zer-
störung, Verlust, Unglück‘, adän. skathi m.
‚Schaden‘, ndän. skade ‚dss.‘, nnorw. skade
‚Schaden, Verletzung‘, aschwed. skaþi m.
‚Schaden‘, nschwed. skada, skade ‚Schaden,
Beschädigung, Verletzung‘, älv. skaði, (jünger)
skåðå ‚Schaden‘: < urgerm. *skaþan-.

Tiefenbach, As. Handwb. 341 setzt das Subst. im As. als
skatha f(-ō)“ an; so ähnlich bereits als Vorschlag bei Gallée
1993: § 330 Anm. 1: „f. wie im mnl. ?“. Der einzige Beleg
Gl. 4,293,43 〈scátha〉 (10. Jh., as. [mit ahd.?]; vgl. Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 149) lässt eine solche Bestimmung in
der Tat zu; auch der Ansatz als f. n-St. wäre formal mög-
lich. Da jedoch im As. im Nom.Sg. der m. n-St. neben -o
aber auch die Endung -a belegt ist (vgl. Gallée, a. a. O.) und
ein mask. Genus sowohl im Mndd. als auch in den anderen
germ. Sprachen (zum Mndl. s. u.) vorliegt, ist eine solche
Einordnung auch für das as. Wort wahrscheinlich.
Das fem. Genus im (Früh-)Mndl. setzt sicher keinen alten
Zustand fort, sondern ist sekundär aufgekommen (vgl.
dazu Helten 1887: 361–363 mit vielen Beispielen für ei-
nen derartigen Genuswechsel, darunter auch scade).

Me. scth(e) (mit vielen Var.) ‚Schaden, Ver-
letzung, Verlust, Gefahr, Diebstahl, Sünde‘, ne.
scathe ‚Beleidigung, Schaden‘ stammen aus
dem Nordgerm. (vgl. Björkman [1900–02]
1973: 115. 123). Ebenfalls aus dem Nordgerm.
ist lapp.-norw. skaðða, skajja ‚Schaden‘, lapp.-
schwed. skēða, skieðða ‚dss.‘ entlehnt (vgl.
Qvigstad 1893: 289).
Anders gebildet ist got. skaþis* n. ‚Schaden,
Unrecht; ἀδικία‘ (nur akk.sg. skaþis in 2 Kor.
12, 13AB) < urgerm. *skaþi/az-.
Die Subst. gehören zu einem st. V. VI urgerm.
*skaþe/a-, das in ae. sceaþan, sceþþan (prät.
sceōd, sceōdon, part.prät. scaþen) ‚schaden‘ (se-
kundär auch sw. geworden), got. skaþjan* ‚scha-
den, Unrecht tun; ἀδικεῖν‘ (nur 3.sg.ind.prät.
skoþ in Kol. 3, 25B), gaskaþjan* (prät. gaskoþ,
gaskoþun, part.prät. –) ‚Schaden zufügen;
ἀδικεῖν, βλάπτειν‘ fortgesetzt ist; zugehörig ist
auch das bereits gänzlich sw. flektierende V.
aisl. skeðja ‚(be-)schädigen, hacken, ritzen, ver-
ringern, beschneiden, benachteiligen‘.
Mehrheitlich wird auch run. skaþi (Wetzstein
von Strøm; 520/30–560/70?; zur Inschrift vgl.
Krause 1966: 110–113; ders. 1971: 166; An-
tonsen 1975: 54 f.; Imer 2015: 269) als Ver-
balform hierher gestellt (haha skaþi entweder
als ‚schädige das Grummet!‘ oder als ‚Sichel,
schädige!‘); dagegen fasst Grønvik 1996: 148
die Form als ein Nomen agentis ‚Schädiger‘
auf (somit zu skado²); seine Gesamtdeutung
der Inschrift (‚[Er] weckte den Mann, deren
[= der Toten] Trinkbruder, des Hohen schänd-
licher Schädiger‘) scheint in Bezug auf einen
Wetzstein aber weniger passend (zu den Deu-
tungen der Inschrift vgl. die Angaben unter
http://www.runenprojekt.uni-kiel.de/abfragen/
deutung2.asp?findno=30&ort=Str%F8m&
objekt=Wetzstein&AFB=S [gesehen am 08.02.
2019]).
Zu weiteren nominalen Bildungen s. skadal
und vgl. die Angaben bei Seebold, Germ. st.
Verben 408.

Fick 3 (Germ.)⁴ 449; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 441;
Seebold, Germ. st. Verben 408; Tiefenbach, As. Handwb.
341; Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 219; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. 3, 36 f. (schāde²); Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. 4, 36; ONW s. v. skatho; VMNW s. v. scade¹;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7, 200 ff.; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal² 571; Vries, Ndls. et. wb. 605; Et. wb. Ndl. S-Z
66; WNT s. v. schade¹; Boutkan, OFris. et. dict. 344 f.;
Hofmann-Popkema, Afries. Wb. 432 f.; Richthofen, Afries.
Wb. 1021; eFryske wb. s. v. skea; Dijkstra, Friesch Wb. 3,
93; Fort, Saterfries. Wb.² 534; Sjölin, Et. Handwb. d. Festl-
nordfries. XXXV; Holthausen, Ae. et. Wb. 274; Bosworth-
Toller, AS Dict. 826. 827; Suppl. 696; Suppl. 2, 54; eMED
s. vv. scth(e) n., shāthe n.; Klein, Compr. et. dict. of the
Engl. lang. 2, 1393; eOED s. v. scathe n.; Vries, Anord. et.
Wb.² 480 (skaði¹). 487; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 824;
Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 3, 272 f. 298 f.; ONP
s. vv. skaði, skeðja; Jónsson, Lex. poet. 500 (skaði¹). 504;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 246 (skađi¹). 249;
Magnússon, Ísl. Orðsb. 824 (skaði¹); Falk-Torp, Norw.-
dän. et. Wb. 2, 978 (skade¹). 1540 (skade¹); Nielsen, Dansk
et. ordb. 369 (skade⁴); Ordb. o. d. danske sprog 19, 129 ff.
(skade⁴); Bjorvand, Våre arveord² 959 ff.; Torp, Nynorsk
et. ordb. 584; NOB s. v. skade¹; Hellquist, Svensk et. ordb
2, 922; Svenska akad. ordb. s. v. skada subst.; Feist, Vgl.
Wb. d. got. Spr. 429 f.; Lehmann, Gothic Et. Dict. S-81. –
Munske 1973: 226; Lühr 2000: 281; Casaretto 2004: 562.

Die germ. Wortgruppe hat lediglich in gr.
ἀσκηθής adj. ‚unversehrt, wohlbehalten‘ eine
sichere Entsprechung (so zuerst H. Osthoff, PBB
13 [1888], 459). Dessen KHG setzt ein Subst. gr.
*σκῆθος n. ‚Schaden‘ voraus, das zusammen mit
got. skaþis* wohl auf einen uridg. proterodyna-
mischen s-St. *skéh₁th₂-s : *skh₁th₂-és-, mög-
licherweise aber auch auf einen akrodynami-
schen s-St. *skḗh₁th₂-s : *skéh₁th₂-s- weist (zu
den beiden Ablauttypen vgl. J. A. Harðarson,
FS Oettinger 2014: 47 mit Fn. 7). Die Formen
stammen von einer Wz. *skeh₁th₂-.
Der Ansatz mit *h₁ ist wegen des germ. Verbs
notwendig, da die Bildungen mit *-e/o- entwe-
der schwundstufig (mit betontem *-é/ó-) sind
oder eine betonte e-Vollstufe haben (vgl. LIV²
19); das urgerm. *-a- kann nur eine Schwund-
stufe fortsetzen.

Der Ansatz der Wz. als *skeh₁th- (J. E. Rasmussen, in
Vennemann 1989: 154; LIV² 551) ist nicht notwendig, da
das hierher gestellte Wort air. scís ‚Müdigkeit‘ besser da-
von zu trennen ist (vgl. P. Schrijver, BBCS 39 [1992],
8 f.; Irslinger 2002: 300 f.; Zair 2012: 191).
Wegen der Entwicklung von uridg. *-th₂- > gr. -θ- ist der
Einwand von Beekes, Et. dict. of Gr. 1, 151 gegen diese
Verbindung nicht stichhaltig.
Ebenso wenig ist der Vorschlag von Casaretto 2004: 562
überzeugend, got. skaþis* sei eine innergerm. Neubil-
dung und die Varianz zwischen urgerm. *-t- und gr. -θ-
auf unterschiedliche Wz.erweiterungen (uridg. *-t- und
*-dh-) zurückzuführen.

Letztendlich aus dem Dt. ist das Wort in der
Bed. ‚Schaden‘ in das Slaw. und Balt. (hier teils
über slaw. Vermittlung) entlehnt: aruss. škoda
f., nruss. škóda f., ukrain. škóda f., wruss. škóda
f., tschech. škoda f., slowak. škoda f., poln.
szkoda f., slowen. škóda f., kroat. škȍda f., alit.
škadà, skada f., (mit innerlit. i-Prothese) lit.
iškadà f., lett. skãde, škàde f., apreuß. skūdan,
schkūdan.

Walde-Pokorny 2, 557 f.; Pokorny 950; LIV² 551; Frisk,
Gr. et. Wb. 1, 164; Chantraine, Dict. ét. gr.² 119; Beekes,
Et. dict. of Gr. 1, 150 f.; Snoj, Slov. et. slov.³ 750 f.;
Vasmer, Russ. et. Wb. 3, 407; ders., Ėt. slov. russ. jaz. 4,
449; Fraenkel, Lit. et. Wb. 1, 188 f.; Smoczyński, Słow.
et. jęz. lit.² s. v. škadà; ALEW 2, 1039 f.; Mühlenbach-
Endzelin, Lett.-dt. Wb. 3, 879; 4, 20; Trautmann, Apreuß.
Spr.denkm. 421; Mažiulis, Apreuß. et. Wb.² 861. –
Schneeweis 1960: 144. 166; Striedter-Temps 1963: 219;
Newerkla 2011: 119 f.

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