skâh m. a-St., ab dem späten 8. Jh. in
Gl., im I, in MF: ‚Raub, Beute; latrocinium,
malum, praeda‘ 〈Var.: sc-; -ch〉. – Mhd. schâch
st.m. ‚Raub, Räuberei‘, frühnhd. schach ‚dss.‘.
Im Nhd. wird nur das davon abgeleitete Nomen
agentis Schächer m. ‚Räuber‘ fortgesetzt (s.
ahd. skâchri), dial. aber auch noch vereinzelt
obd. das Grundwort; vgl. schweiz. schāch m.
‚Raub, Unglück‘ (in dieser Bed. in schweiz.
frühnhd. Bibelübersetzungen für hebr. šō’āh –
wohl nicht zuletzt aufgrund der lautlichen Ähn-
lichkeit).
Splett, Ahd. Wb. 1, 828; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. skāh;
Schützeichel⁷ 284; Starck-Wells 531; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 271; Seebold, ChWdW8 258. 507;
ders., ChWdW9 736. 1033; Graff 6, 411; Lexer 2, 622;
Diefenbach, Gl. lat.-germ. 320 (latrocinium); Götz, Lat.-
ahd.-nhd. Wb. 508 (praeda); Dt. Wb. 14, 1959 (s. v.
Schächer); Kluge²¹ 629 (s. v. Schächer); Kluge²⁵ s. v.
Schächer; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Schächer. – DRW 12, 38
(Schach¹). – Schweiz. Id. 8, 97 ff. (Schach¹).
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. schāk, scaec, schaik m. ‚Raub‘; andfrk.
*skāk (vorausgesetzt durch afrz. eschaz ‚Raub,
Beute‘ [s.u]), mndl. sc(h)aec m. ‚Raub (einer
Jungfrau, jungen Frau)‘, nndl. schaak ‚Entfüh-
rung, Raub einer jungen Frau‘; afries. skāk m.
‚gewaltsamer Raub‘, (als KVG im verdeutli-
chenden Komp.) skākraf m. ‚dss.‘; ae. *scēac
m. ‚Raub‘ (vorausgesetzt durch ae. scēacere m.
‚Räuber‘, falls dieses nicht eine unmittelbar de-
verbale Bildung ist); aisl. KVG skák- in skák-
maðr m. ‚Räuber‘ (wörtl. ‚Raub-mann‘; nach
Jóhannesson, Isl. et. Wb. 1155 entlehnt aus mhd.
schâchman st.m. [Lexer 2, 623; DRW 12, 41]);
langob.-lat. scachus m. ‚Raub‘: < westgerm.
*skǣka- (< urgerm. *skēka- ?).
Falls eine Wz. urgerm. *skek- zugrunde liegt
(s. u.), ist wahrscheinlich eine Verbindung mit
as. *skakan st.v. ‚eilen, schnellen‘, ae. sceacan
st.v. ‚sich rasch bewegen‘ (< urgerm. *skak-e/a-)
etc. gegeben: ‚Raub‘ ist etwas, was mit einer
schnellen Bewegung vor sich geht bzw. was
man durch eine schnelle Bewegung erlangt. Für
Weiteres s. skacho, undiskchôn, skehan.
Fick 3 (Germ.)⁴ 447; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 438 f.
(s. v. *skakan); Seebold, Germ. st. Verben 404 f. (s. v.
skak-a-); Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 3, 40
(schāk¹); Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 39; ONW s. v.
*skāk¹; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7, 219 (schaec¹);
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 572 (s. v. schaken²); Suppl.
144; Vries, Ndls. et. wb. 606 (s. v. schaken¹); Et. wb. Ndl.
S-Z 68 (s. v. schaken²); Hofmann-Popkema, Afries. Wb.
431; Richthofen, Afries. Wb. 1020; Holthausen, Ae. et.
Wb. 271; Bosworth-Toller, AS Dict. 820; Vries, Anord.
et. Wb.² 481; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 1155; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog 3, 275; ONP s. v. skákmaðr
subst. m.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 246
(skāk²); Magnússon, Ísl. Orðsb. 826.
Da eine Wz. vorurgerm. *skeg(h)- nicht exis-
tierte, ist die Wz. urgerm. *skek- eine Neubil-
dung (s. dazu skacho).
Westgerm. *skǣka- setzt urgerm. *skēk-a- fort.
Außerhalb des (West-)Germ. gibt es keine ge-
nauen Übereinstimmungen. Außergermanisch
verbreitet sind Fortsetzer einer Wz. uridg. *skek-
(LIV² 551 f.); zu dieser und weiteren außergerm.
Anschlüssen s. skehan st.v. ‚geschehen‘.
Aus andfrk. *skāk wurde mlat. sc(h)a(c)c(h)us
m. ‚Raub‘, scachum n. ‚Plünderung‘, afrz. es-
chaz ‚dss.‘, nfrz. (16. Jh.) eschec ‚Raub, Beute‘,
comask. scac ‚dss.‘, anorditalien. schacho
‚dss.‘ u. a. übernommen.
Walde-Pokorny 2, 556 f.; Pokorny 922 f.; Niermeyer,
Med. Lat. lex.² 2, 1228; Du Cange² 7, 325 (scaccum,
scach[us], scachum¹). 346 (schacus); Körting, Lat.-rom.
Wb.³ Nr. 8762; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 7969;
Wartburg, Frz. et. Wb. 17, 75.
HB