undiskchôn
Volume VII, Column 1336
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undiskchôn sw.v. II, in Gl. 2,21,51
(10. Jh., Teile der Hs. noch aus dem 9. Jh.),
Hapaxlegomenon, nur part.präs. undiscāhhōnti
(so Schützeichel⁷ 349; Schützeichel, Glossen-
wortschatz 10, 175) für 〈untscachondes〉 bzw.
untscachond (so Seebold, Germ. st. Verben 404):
‚wellenbewegt, auf den Wellen schweifend;
fluctivagus‘. Die Interpretation des Belegs mit
langem Wz.vokal beruht wohl auf der Verbin-
dung mit ahd. skâchen sw.v. I ‚umherschwei-
fen‘ und dem Verbalabstraktum ahd. sgāhunga
(sic; Schützeichel⁷ 285) (s. skchunga¹), das in
der WB sicher ‚Abschweifung, Abschweifen‘
bedeutet; die Hs. bietet: in sgahungu sines muo-
tes ‚in der Abschweifung seines Geistes/Sin-
nes‘; der Gl.beleg, auf den ebenda verwiesen
wird (1,601,29), findet sich bei Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 272 angesetzt als „<scah-
hunga>“ mit der Bed. „Meereszunge“ als Gl.
zu lat. lingua [maris]. Es handelt sich bei dem
Beleg in der WB und der Gl. offenbar um
zwei verschiedene Lexeme (wie sie auch schon
Splett, Ahd. Wb. 1, 829 s. v. scahhan bzw. s. v.
scahho jeweils als scahh-unga mit kurzem
Wz.vokal ansetzt), beide Hapaxlegomena.
Weder für skâchen noch für -skâchôn oder
skâchunga (in sgahungu) ist die Vokallänge un-
abhängig bezeugt; bei skâchen zeigen zwei der
drei Belege (scehante, scehanto) Umlaut der
Wz.silbe gegenüber einmaligem scahando, was
für Kurzvokal spräche. Doch bringen jan-Ver-
ben in der Regel Transitivität oder Transitivie-
rung zum Ausdruck, während die drei Belege
das Supin des intr. Verbs lat. vagāre ‚herumzie-
hen, umherschweifen‘ glossieren. Da ēn-Ver-
ben größtenteils Intransitiva sind, würde ein
solches semantisch besser passen. Jedoch wäre
dann ein Part.Präs. *skachênt- zu erwarten, wo-
bei aber das ê des Suffixes gewöhnlich nicht in
a übergeht. Wahrscheinlich sind die beiden
Belege der Struktur scehant- ‚umherziehen;
vagāre‘ hier ohnehin falsch zugeordnet und ge-
hören zu skehan ‚geschehen‘, dessen mhd.
Fortsetzer auch ‚eilen, jagen‘ bedeutet (s. d.).
Seebold, ChWdW9 736 setzt als Grundlage für
skacho ‚Landzunge, Vorgebirge‘ (s. d.) und
skachunga ‚Abschweifen‘ als Grundlage ein
Verb „scahhan st.V. ‚weggehen, fliehen‘“ an,
das im Ahd. als solches nicht bezeugt ist. Eine
Entsprechung begegnet jedoch u. a. in as. st.v.
*skakan, 3.sg.prät skoc, scuoc ‚eilen‘ (Tiefen-
bach, As. Handwb. 339) etc. (Weiteres s. skacho).
Somit erhebt sich die Frage, ob in den o.a.
sw.V. tatsächlich eine Dehnstufe in der Wz.
vorliegt. Im Falle einer Dehnstufe müsste man
zudem wohl auch annehmen, dass skâchen
sw.v. I und skâchôn sw.v. II denominale Ablei-
tungen zu ahd. skâh ‚Raub, Beute‘ (s. d.) sind.
Jedoch haben diese Verben nie die Bed. ‚rauben‘.
Zwar könnten sie dann, wenn ahd. skâh zu as.
*skakan gehört, abgeleitet worden sein, bevor
vorahd./westgerm. *skǣk ‚Eile, schnelle/s Bewe-
gen/-ung‘ die Bed. ‚Raub(zug)‘ > ‚Raub, Beute‘
annahm, dies lässt sich aber nicht erweisen.
Es ist somit nicht zu klären, ob die Vorformen
urgerm. *skak-ōe/a- oder *skēk-ōe/a- gelautet
haben.
Aufgrund dieser Unsicherheit ist der Vorschlag
von Ernst-Nievergelt-Schiegg 2019: 416 Nr.
403, für 〈scahhari〉 gl. praetore ein eigenes
Lemma „ahd. *skahhāri ‚Feldherr‘ zu skahhōn
‚herumziehen‘“ anzusetzen, problematisch, da
eben der Kurzvokal in skachôn nicht gesichert
ist. Vielmehr scheint es möglich, dass hier eine
Fehlglossierung aufgrund der Verwechslung
von lat. praetor m. ‚Prätor, städtischer Beam-
ter‘ mit lat. praedator m. ‚Räuber, Plünderer‘
erfolgt ist. Der Ansatz eines eigenen Lemmas
„ahd. *skahhāri“ erübrigt sich damit, der Beleg
aus Clm. 6383 ist zu den Belegen für skâchri
‚Räuber‘ (s. d.) zu stellen.
Das KVG gehört wohl zum Hapaxlegomenon
ahd. undî 〈hunti〉 ‚Strom; eluvies‘ (s. d.).

Splett, Ahd. Wb. 1, 828; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. undi-
skahhōn; Schützeichel⁷ 349; Starck-Wells 656; Schütz-
eichel, Glossenwortschatz 10, 175; Bergmann-Stricker,
Katalog Nr. 930; Graff 6, 412.

In den anderen germ. Sprachen gibt es keine ge-
nauen Entsprechungen.
Die Wz. urgerm. *skek- ist eine innergerm.
Neubildung. Sie ist sekundär auf der Grundlage
von uridg. *skek- ‚sich schnell bewegen, sprin-
gen‘ in n-st. Bildungen entstanden (s. dazu
skacho). Zu den außergerm. Abschlüssen der
Wz. s. skehan.

Kroonen, Et. dict. of Pgm. 438 f. (s. v. *skakan); Berr, Et.
Gl. to Hel. 348 (s. v. skakon [sic]); Seebold, Germ. st.
Verben 404 f.; Vries, Ndls. et. wb. 606 (s. v. schaken¹). –
Walde-Pokorny 2, 557; Pokorny 922 f.; LIV² 551 f.

HB

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