skâhzabal
Band VII, Spalte 1339
Symbol XML-Datei TEI Symbol PDF-Datei PDF Zitat-Symbol Zitieren

skâhzabal n. a-St., in Gl. ab dem 12. Jh.:
‚Schachspiel; alea, ludus, scacarium‘ 〈Var.:
sch-; -azza-; -il, -el〉. Zum aus dem Lat. entlehn-
ten KHG ahd. zabal ‚Brett, Spielbrett‘ s. d. –
Das KVG ist ebenfalls ein Lehnwort, es stammt
über das Mlat. oder Rom. letztlich aus dem
Pers. (s. u.). Es ist fortgesetzt in mhd. schâch
st.m./n. ‚König im Schachspiel, Schachspiel,
Schachbrett‘, mhd. schach n. ‚Schach(spiel)‘,
nhd. Schach n. ‚Brettspiel mit zweimal 16 Fi-
guren auf 64 schwarzen und weißen Feldern‘;
das Komp. lebt fort als mhd. schâchzabel st.n.
‚Schachbrett, Schachspiel‘, frühnhd. schachza-
bel n./f. ‚Schachbrett‘, daneben auch mit geneu-
ertem KHG (s. dazu tabel[l]a) mhd. schâchta-
vel, schafftavel, schattavel f. ‚Schachbrett‘, ält.
nhd. Schachtafel f. ‚dss.‘, verdeutlicht auch ält.
nhd. Schachtafelbrett n. ‚dss.‘; schließlich findet
sich eine wohl volksetym. umgestaltete Form
mhd. schâchzagel st.m., frühnhd. schachzagel
‚dss.‘ (mit Angleichung des KHG an ahd. zagel
m. ‚Schwanz‘ [s. d.]; auch Schafzagel ‚[wörtl.]
Schafschwanz‘, auch als Beschimpfung).
Da das dt. Wort wohl letztlich über mndl. scaec
(> nndl. schaak) aus afrz. eschac ‚Schach,
Schach bietender Zug‘ entlehnt ist, ist bei der
Übernahme dieses Worts als mhd. schâh > nhd.
Schach im Hochmittelalter Lautersatz (nicht als
Resultat der 2. Lautverschiebung) oder Be-
einflussung seitens des pers. Ursprungsworts
npers. šāh (s. u.) erfolgt. Eine direkte Entleh-
nung aus dem Pers. ist unwahrscheinlich.
Eine weitere etym. nahestehende Entlehnung
(ausgehend von afrz. esch[i]ec ‚Schach‘ [s. u.])
ist (spät-)mhd. schecke adj. ‚gestreift, sche-
ckig‘, scheckeht adj. ‚scheckig‘, nhd. scheckig
adj. ‚gefleckt, bunt‘ sowie als Subst. nhd.
Scheck(e) m., Schecke f. ‚geflecktes Pferd, ge-
fleckte Kuh‘. Grundbed. des Adj. war ‚schach-
brettartig (gefleckt)‘.
Zur Frage der Zugehörigkeit von ahd. skecko
sw.m. ‚Decke, Überwurf, Umhang‘ (vielleicht
aus ‚[Decke aus] kariert[em Stoff‘] ?) zu dieser
Sippe s. d.
Ebenfalls hierher gehört als Übernahme aus
ne. (engl.) cheque bzw. ne. (amerikan.) check
‚Scheck‘ (s. u.) auch nhd. (19. Jh.) Scheck
(schweiz. Check) ‚Dokument, das eine Geld-
gutschrift garantiert, Zahlungsanweisung‘.
Das all den genannten Wörtern zugrunde lie-
gende npers. šāh ‚Schah, König‘ wurde noch
einmal neu entlehnt als nhd. Schah ‚Königstitel
in Persien bzw. in Iran‘ (Kluge²¹ 632; Kluge²⁵
s. v. Schah; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Schah); es
geht über mpers. šāh auf apers. xšāyaþiya- m.
‚König‘ zurück (s. u.).
Aus dem pers.-arab. Ausdruck šāh-māt wörtl.
‚der König ist geschlagen/tot‘ (s. u.) wurde
meist der erste Teil, also šāh, als Bez. für das
Spiel abstrahiert. Allgemein verbreitet sind ent-
weder Bez. des Typs nhd. schachmatt interj.
‚Ausruf, wenn der König des Gegners im
Schachspiel keine ungefährdete Zugmöglich-
keit mehr hat und damit das Spiel beendet ist‘
(Dt. Wb. 14, 1961 f.; Kluge²¹ 630) bzw. ge-
kürzt mhd. mat, gen. mattes st.m., adj., interj.
‚Schachmatt, schachmatt‘ (zunächst in der über
afrz. échec e mat ‚Schach und Matt‘ aus aspan.
jaque y mate ‚dss.‘ übernommenen Formel
mhd. schâch und[e] mat ‚dss.‘), nhd. matt
adj./adv. ‚dass.‘, daneben ‚müde, erschöpft‘
(Lexer 1, 2059 f.; Dt. Wb. 12, 1756 ff.; Kluge²¹
467; Kluge²⁵ s. v. matt; ePfeifer, Et. Wb. s. v.
matt
). Zu den Entsprechungen in anderen Spra-
chen s. u.

Splett, Ahd. Wb. 1, 828; Schützeichel⁷ 285; Starck-Wells
531; Schützeichel, Glossenwortschatz 8, 272; Lexer 2,
621 f.
624. 625. 677; Götze [1920] 1971: 183; Dt. Wb.
14, 1956 ff.
1964. 1967 f. 2053. 2381 f. 2382. 2383;
Kluge²¹ 629. 632. 639 f.; Kluge²⁵ s. vv. Schach, Schah,
Scheck, scheckig; ePfeifer, Et. Wb. s. vv. Schach, Scheck,
scheckig.

In weitere germ. Sprachen wurde das Wort für
das Schachspiel (teils nur das KVG) ebenfalls
entlehnt, und zwar zumeist aus dem Mlat.
(mlat. sca[c]c[h]us m. ‚Schach[spiel]‘) bzw.
rom. Formen wie afrz. eschac, eschec u.ä.
(s. u.); die nordgerm. Wörter gelten in der Regel
als über das Mndl. oder Mndd. übernommen,
können aber auch mlat. Ursprungs sein: mndd.
schāk, schaek, schack n. ‚Schachbrett, Schach-
spiel, Schach bietender Zug‘, schā(c)ktāfel,
schāchtāfel, schattāfel f. ‚Schachbrett, Schach-
spiel‘; andfrk. vielleicht im Beinamen Scac,
frühmndl. scaec m./n. ‚Schachsetzen, -bieten‘,
mndl. schaectafel f. ‚Schachbrett‘, sc(h)aec
m./n. ‚Schach, Schachbrett, Schachsetzen‘, nndl.
schaak ‚Schach(spiel)‘; nwestfries. skaak, skaek
‚Schach(spiel), Schachbrett‘, saterfries. skok m.
‚Schach‘; aisl. skák f. ‚Schach‘ (Lehnwort aus
dem Mndd.), skáktafl n. ‚Schachspiel, Schach-
brett‘, auch skáktaflborð n. ‚dss.‘ (vgl. o. ält. nhd.
Schachtafelbrett), nisl. skák f. ‚dss.‘, ndän. skak
‚Schach‘, nnorw. sjakk ‚dss.‘, aschwed. skaktafl
‚Schachspiel, Schachbrett‘, nschwed. schack-
tavel ‚dss.‘, schack ‚Schach, Schachspiel‘ (bei-
des wohl aus dem Mndd. entlehnt).
Aus dem Afrz. bzw. Anglonorm. ist me. chk,
chec, check, chekke, cheke, echek(e) ‚Schach,
Schach!‘, ne. check ‚Schach!‘, als Verb ne.
check u. a. ‚in Schach halten, stoppen‘ ent-
lehnt, für das Spiel(brett) auch (aus erweiter-
tem mlat. scacarium n. ‚Schachbrett‘ bzw.
afrz. eschequiers ‚dss.‘ u.ä.) ne. checkers, chess
‚Schach, Schachspiel‘ (aus afrz. Pl.formen,
s. u.). Vom Verb ne. check aus wurde ein Subst.
ne. cheque, amerikan.-ne. check ‚Sicherung,
Gewährung‘ gebildet, das dann um die Bed.
‚Sicherheit bietendes Papier‘ > ‚Scheck‘ erwei-
tert wird. Das engl. Wort geht aber wohl nicht
nur über rom. Vermittlung auf npers. šāh
‚Schah‘ zurück (s. u.), sondern hat auch ein wei-
teres npers. Wort, npers. čāk/čäk (?) ‚geschrie-
benes Urteil, Zahlungsversprechen, Vertrag‘,
entlehnt ins Arab. als ṣakk, pl. ṣukuk ‚Zahlungs-
versprechen‘ (möglicherweise in die europäi-
schen Sprachen über das Osman.-Türk. gekom-
men), mit aufgenommen. Das würde jedenfalls
die Bed.erweiterung hin zum Ne. erklären. Das
ne. Wort (mit den Bed. ‚Schach‘ und ‚Scheck‘)
hätte sich dann in zahlreiche Sprachen Europas
verbreitet; vgl. nhd. Scheck (s. o.).
Ne. chess wiederum geht auf anglonorm. und
afrz. eschès, auch eschecs, eschas, eschax, escas
(nfrz. échecs), den Pl. von afrz. eschec, escac
etc. ‚Schach‘ (s. u.) zurück. Dieses beruht wie
mlat. pl. scacci, scāci, scāchi ‚Schach(spiel)‘,
italien. pl. scacchi ‚Schachspiel‘, prov. pl.
escacos ‚dss.‘ letztlich auf dem über das Arab.
entlehnten npers. šāh ‚König‘ (s. u.).
Aus ne. cheque/check ‚Scheck‘ (s. o.) sind u. a.
übernommen: nfrz. chèque ‚Scheck‘, nndl.
cheque ‚dss.‘, nschwed. check ‚dss.‘, nnorw.
sjekk ‚dss.‘.
Aus ne. check, checkers ‚Karomuster‘ stammt
nschwed. check ‚dss.‘.
Dem Adj. nhd. scheckig entspricht im Engl. die
Entlehnung ne. checky adj. ‚kariert‘.
Ebenso wie ins Dt. erfolgte auch in andere
germ. Sprachen eine Entlehnung von mlat. mat-
tus bzw. seinen rom., v. a. frz. Fortsetzern bzw.
der Entsprechungen (s. u.) von nhd. schachmatt
jeweils in der Bed. ‚schachmatt‘; vgl. frühmndl.
mat adj. ‚schachmatt, machtlos‘, mat m./n.
‚Schachmatt‘, mndl. mat adj. ‚schachmatt, nie-
dergeschlagen, kraftlos‘, nndl. schaakmat adj.
‚schachmatt‘, mat adj. ‚schachmatt, niederge-
schlagen, kraftlos‘, nwestfries. mat adj. ‚dss.‘,
mat ‚Schachmatt, Schwierigkeit‘, skaakmat n.
‚Schachmatt‘, spätme. mat(e), matt, ne. mate
neben ne. obs. checkmate adj. ‚schachmatt‘,
dän. mat adj. ‚schachmatt‘, skakmat adj. ‚dss.‘,
nnorw. sjakkmatt ‚Schachmatt‘, aschwed. mat
adj. ‚schachmatt, niedergeschlagen, erschöpft‘,
nschwed. matt adj. ‚schachmatt, matt, kraftlos‘
(in letzter Bed. aus dem Dt. entlehnt), schach-
matt adj. ‚schachmatt‘.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 3, 40 (schāk²). 41;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 35; ONW s. v. skāk²;
VMNW s. vv. mat², mat⁴, scaec; Verwijs-Verdam, Mndl.
wb. 4, 1212 ff. (mat²); 7, 219 ff. (schaec²); Franck, Et. wb.
d. ndl. taal² 569; Vries, Ndls. et. wb. 99. 602; Et. wb. Ndl.
A-E 436; Ke-R 507 (s. v. pasja); S-Z 63 f.; WNT s. vv.
cheque, mat⁷, mat⁸, schaak², schaakmat; eFryske wb.
s. vv. mat, sjek¹, skaak, skaakmat; Dijkstra, Friesch Wb.
2, 148; 3, 89 (skaekbord); Fort, Saterfries. Wb.² 536;
eMED s. vv. chk interj. & n., ches n.; Klein, Compr. et.
dict. of the Engl. lang. 1, 272. 274; 2, 1429; eOED s. vv.
check int. and n.¹, cheque | check n., †checkmate adj.,
checkmate int. and n., checkmate v., chess n.¹, checky
|chequee adj., †mate adj.², mate int., mate v.², shah n.;
Vries, Anord. et. Wb.² 480; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
1155; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 3, 275; ONP
s. v. skák¹ subst. f.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
246 (skāk¹); Magnússon, Ísl. Orðsb. 825 (skák²); Nielsen,
Dansk et. ordb. 281. 364. 369 (skak¹, skakmat); Ordb. o. d.
danske sprog 13, s. v. mat⁴; 19, 169 ff. (skak¹). 174; Suppl.
s. v. mat⁴; NOB s. vv. sjakk, sjakkmatt, sjekk; Hellquist,
Svensk et. ordb.³ 1, 128. 637; 2, 891; Svenska akad. ordb.
s. vv. check¹, check², schack subst.¹, schacktavel. – Litt-
mann 1924: 115; Lokotsch 1975: Nr. 1762; Tazi 1998:
214 f.; R. Nedoma, in Teichert 2013: 29 ff. bes. 47–51.

Das Spiel stammt in der bekannten Form urspr.
wohl aus Indien (ai. caturaṇga- wörtl. ‚die vier
Teile/Waffengattungen [der Armee, nämlich
Elefanten, Pferde, Streitwagen, Fußsoldaten]‘)
und ist über pers. und arab. (arab. šāṭ-ranj) Ver-
mittlung, spätestens durch die verstärkten Kon-
takte mit dem arab.-pers. Raum nach der Erobe-
rung Spaniens durch die Araber einerseits
sowie im Rahmen der Kreuzzüge nach Paläs-
tina andererseits, nach Europa gelangt. Span.
ajedrez ‚Schach‘, port. xadrez ‚dss.‘ bewahren
hierbei die Form der arab. Bez. des Spiels, arab.
šāṭ-ranj (< ai. caturaṇga-). Im 13. Jh. ist das
Spiel in Europa etabliert. Es verbreitet sich aus-
gehend vom Mittelmeerraum. Für die Entleh-
nung in die Sprachen nördlich der Alpen sind
v. a. mlat. sca(c)c(h)us m. ‚Schach(spiel)‘ und
die rom. Fortsetzer, besonders die frz. lautli-
chen Var. relevant, so v. a. afrz. eschec, escac
etc. ‚Schach‘, nfrz. échec ‚Schach, Scheitern,
Misserfolg‘, oft pl. échecs ‚Schach, Schach-
spiel‘. Von der Bed. ‚Schach‘ entstand über
‚Schachmatt‘ und ‚Niederlage‘ eine neue Bed.,
die sich mit der von lautlich ähnlichem afrz.
eschaz ‚Raub, Beute‘, nfrz. (16. Jh.) eschec
‚Raub, Beute‘ (s. skâh) überschnitt.
Wahrscheinlich ist mhd. mat, nhd. matt etc.
eine über das Rom. (vgl. u. a. afrz., mfrz., nfrz.
mat adj. ‚besiegt, weich, feucht, glanzlos, matt,
betrübt, niedergeschlagen‘) bzw. mlat. mattum
adv. ‚schachmatt‘ vermittelte Form. Daneben
bestand aber auch bereits klass. lat. (seltenes)
mat(t)us adj. ‚betrunken‘, das wohl lautlich mit
der aus dem Pers. entlehnten Form zusammen-
fiel. Die rom. Fortsetzer zeigen Bed., die auf
doppelten Ursprung hindeuten; vgl. italien.
matto adj. ‚matt, übermäßig groß, albern, tö-
richt‘, in norditalien. Dial. auch ‚unecht, ge-
schmacklos‘, frz., prov. mat adj. ‚matt, nieder-
geschlagen, traurig‘, katal. mat ‚matt, glanzlos‘,
span., port. mate ‚dss.‘. Die Bed. des frz. Adj.
wird am besten im daraus entlehnten mhd./nhd.
Adj. widergespiegelt.
Oft wird auch die pers. Königsbez. allein zum
Namen des Spiels; vgl. atschech. šach m.
‚Schachfigur, Schach!‘, šachy m.pl. ‚Schach-
spiel‘, ntschech. šach m., šachy m.pl. ‚dss.‘
(wohl über mhd. schâch entlehnt), slowak. šach
m. ‚dss.‘, slowen. šȃh m. ‚dss.‘ etc. In die slaw.
Sprachen gelangte das Wort v. a. über das Dt.,
teils direkt (ggf. über osman.-türk. Vermitt-
lung) aus dem Pers.
Die Bez. für den Schah (von Persien) wurde
(oft in an der engl. Transkription orientierter
Schreibweise) in jüngerer Zeit ebenfalls (wie
im Nhd.; s. o.) aus dem Npers. in viele germ.
bzw. allgemein europäische Sprachen über-
nommen; vgl. nhd. Schah m., nndl. sjah, ndän.
shah m., nschwed. schah, tschech. šáh, šach m.,
slowak. šach m. etc.
Aus ne. cheque/check ‚Scheck‘ (s. o.) sind teils
über dt. Vermittlung übernommen: tschech. šek
m. ‚Scheck‘ (aus dem Dt.), slowak. šek m. ‚dss.‘,
poln. czek m. ‚dss.‘, slowen. čẹ́k m. ‚dss.‘, kroat.,
serb. čȅk m. ‚dss.‘, russ. ček m. ‚dss.‘ etc.
Aus nhd. scheckig adj. ist mit Umbildung des
Suff. slowen. šékast adj. ‚bunt, gefleckt‘ ent-
lehnt, aus nhd. Scheck(e) m./f. slowen. šȇk, šẹ̑k,
šék m. ‚geflecktes Rind‘, kroat. šȇk m. ‚eine
Kuhbez.‘, tschech. šek m. ‚(gefleckter) Bulle,
Hengst‘, šeka f. ‚(gefleckte) Kuh‘. Slowak.
šekel m. ‚Schecke‘ ist offenbar aus einem nhd.
dial. l-haltigen Dimin. übernommen.
Teils direkt aus dem Mlat. bzw. dem Rom., teils
über dt. Vermittlung entstanden auch in ande-
ren europäischen Sprachen Entsprechungen
von nhd. (schach-)matt (s. o.); vgl. slowen. mȃt
m. ‚Schachmatt, Ende des Schachspiels‘ (über
nhd. Matt), tschech. mat m. ‚dss.‘, slowak. mat
m. ‚dss.‘, etc.; in einigen Sprachen wurde der
Gesamtausdruck zur Bez. des Spiels; vgl. aruss.
šachmaty pl., russ. šáchmaty pl. ‚Schachspiel‘,
sofern es sich dabei nicht um die Rückbildung
eines Substantivs aus dem Verb. (früh-)nhd.
schachmatten ‚im Schachspiel matt setzen‘ (Dt.
Wb. 14, 1962) handelt.
Basis aller vorgenannten Bildungen ist npers.
šāh < mpers. šāh < apers. xšāyaþiya- ‚König,
Herrscher‘. Das zugrunde liegende apers. präs.
xšaya-, jav. xšaiia- < uriiran. präs. *(H)kš-aia-
(vgl. auch ai. kṣáya- ‚herrschen‘) < uridg.
*h₃ks-ée/o- ‚beaufsichtigen‘ ist eine Iterativ-
bildung von der Neowz. uridg. *h₃ék-s- ‚wahr-
nehmen‘ aus einer Desiderativbildung uridg.
*h₃ék-se/o- zur Wz. uridg. *h₃ek- ‚erblicken,
ins Auge fassen‘. (Zu weiteren Anschlüssen an
diese Wz. s. ouga.) Demnach ist die frühere Her-
leitung dieser Formen aus den Fortsetzern der
Wz. uriiran. *kšaH- (ai. kṣā- ‚herrschen‘) < ur-
idg. *kþeh₂- < uridg. *tk-eh₂-, einer Erweiterung
zur Wz. uridg. *tek-¹ ‚die Hand ausstrecken,
empfangen, erlangen‘ (Pokorny 1057 f.; LIV²
618 f.), aufzugeben.
Apers. xšāyaþiya- ‚König, Herrscher‘ ist wohl
eine iran. a-Ableitung eines i-Stamms apers.
*xšāyaþi- ‚Herrschaft‘, einem mit Vddhi
gebildeten Abstraktum zum Subst. apers. *xšay-
aþa-, Verbalnomen mit dem Suff. uriiran.
*-atHa- zur Neowz. uriiran. *kša- bzw. dem
Präs.st. *kšaa- (dazu und zu ält. Literatur Ch.
Werba, in Macuch u. a. 2010, 265–275).

Walde-Pokorny 1, 169 ff.; Pokorny 775 ff.; LIV² 297 f.
619 Anm. 1; NIL 370 ff.; Mayrhofer, KEWA 1, 287
(kṣáyati²); ders., EWAia 1, 426 f. (kṣay¹); Bartholomae,
Airan. Wb.² 550. 551 ff. 553 f.; Cheung, Et. dict. of Iran.
verb 171. 451 f.; Schmitt, Wb. d. apers. Königsinschr. 72.
118 f. 286 f.; Brust, Altpersisch 167 ff.; Horn, Grdr. d.
npers. Et. 170; Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 53; Ernout-
Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 391; Niermeyer, Med. Lat. lex.² 1,
866; 2, 1228; Du Cange² 7, 323; Körting, Lat.-rom. Wb.³
Nr. 5996. 6020. 8436; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr.
5401. 5428; Wartburg, Frz. et. Wb. 6/1, 618 ff.; 19, 166 ff.;
Bezlaj, Et. slov. slov. jez. 2, 171 (mat²); 4, 3. 29; Snoj,
Slov. et. slov.³ 112. 410. 739. 744; Matasović, Et. rječ.
hrv. jez. 1, 123 f.; Vasmer, Russ. et. Wb. 3, 309 (ček¹).
380 (šach¹). 381; ders., Ėt. slov. russ. jaz. 4, 324 (ček¹).
414 f. (šach¹, šáchmaty). 415. – Striedter-Temps 1963:
217; Bańkowski 2000 ff.: 1, 221; Lipp 2009: 2, 306–309;
Newerkla 2011: 241 f. 483 f. 523; Králik 2015: 349. 573.
576; Rejzek 2015: 405. 683. 686.

HB

Information

Band VII, Spalte 1339

Zur Druckfassung
Zitat-Symbol Zitieren
Symbol XML-Datei Download (TEI)
Symbol PDF-Datei Download (PDF)

Lemma: