skalm² m. a-St., nur Gl. 4,350,13 (11.
Jh., alem.): ‚Pest, Seuche; pestis‘ 〈Var.: sc-〉. –
Mhd. schalm st.m. ‚Pest, Seuche (besonders
Viehseuche), toter Körper, Aas, Kadaver‘,
auch als Schimpfwort (i. S. v. ‚verworfener
Mensch‘) benutzt, neben schalme sw.m.
‚dss.‘, das sich noch dial. findet (vgl. schweiz.
schalm m. ‚Viehseuche, Kadaver, verworfener
Mensch, Schalk‘; s. skalmo). Im Nhd. hat sich
sonst nur der Fortsetzer von ahd. skelmo (s. d.)
erhalten.
Splett, Ahd. Wb. 1, 830; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. skalm²;
Schützeichel⁷ 285; Starck-Wells 532 (scalm²); Schütz-
eichel, Glossenwortschatz 8, 275; Bergmann-Stricker,
Katalog Nr. 876; Lexer 2, 694; 3, Nachtr. 359; Dt. Wb.
14, 2096. 2506 ff. (s. v. Schelm); Kluge²¹ 642 (s. v.
Schelm); Kluge²⁵ s. v. Schelm; ePfeifer, Et. Wb. s. v.
Schelm. – Schweiz. Id. 8, 690 f. – DRW 12, 421 ff.
In den anderen germ. Sprachen gibt es keine
Entsprechungen. Weiterbildungen zu west-
germ. *skalma- sind *skalman- (s. skalmo) und
wohl *skalmii̯an- (oder ablautend *skelman- ?;
s. skelmo).
Häufig stellt man die Wörter ae. hold n. ‚Lei-
che‘ und aisl. hold n. ‚Fleisch‘ (zu weiteren
Fortsetzern im Nordgerm. vgl. Vries, Anord. et.
Wb.² 247) < urgerm. *χulđa- hinzu, also ohne
anlautendes *s- und mit abweichendem Suff.
Gegen diesen Anschluss spricht vielleicht, dass
dann die älteste Bed. ‚Fleisch‘ sein müsste, die
aber bei der Gruppe von ahd. skalm erst später
bezeugt ist. Dagegen schließen andere (vgl.
u. a. Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 1002
[s. v. skjelm]) das ahd. Wort an die Gruppe um
mhd. schal adj. ‚schal, trübe‘ (vgl. Lexer 2, 637;
Dt. Wb. 14, 2056 ff.; Kluge²¹ 632; Kluge²⁵ s. v.
schal; ePfeifer, Et. Wb. s. v. schal) an; dabei
hätte sich die ahd. Bed. ‚Pest‘ aus einer Grund-
bed. ‚Wegzehren‘ entwickelt.
Umstritten ist, ob finn. kalma ‚Tod, Leiche,
Krankheit, Krebs (von einem Toten verur-
sacht), böser Mensch, Schelm‘, karel. kalma
‚Tod, von einem Toten verursachtes Übel, die
Gestorbenen‘ Lehnwörter aus dem Germ.
sind, wobei mehrere Entlehnungsgrundlagen
in Frage kämen (*skalman-, *skalmii̯an-,
*ku̯alma- [s. qualm]), oder ob ein Erbwort vor-
liegt (vgl. die Diskussion mit Literatur in
Kylstra, Lehnwörter 2, 24 f.).
Fick 3 (Germ.)⁴ 96; Holthausen, Ae. et. Wb. 169 (hold¹);
Bosworth-Toller, AS Dict. 550; Suppl. 557; Vries, Anord.
et. Wb.² 247; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 847; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 35; ONP s. v. hold; Jónsson,
Lex. poet. 272 f.; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 123.
Da bereits der innergerm. Anschluss unklar ist,
bleibt auch die weitere Etym. offen. Bei Anbin-
dung an die Gruppe um ae. hold liegt eine Bil-
dung zur Wz. uridg. *(s)kel- ‚spalten‘ (s. skala)
vor, bei Verknüpfung mit der Gruppe um mhd.
schal eine Ableitung von der Wz. uridg.
*(s)kelh₁- ‚austrocknen, verdorren‘.
Walde-Pokorny 2, 590 f. 597; Pokorny 923 ff. 927; LIV²
552. 553.
RS