skarta f. ō-St., in Gl. 1,347,1 (12. Jh.,
bair.); 4,256,15 (14. Jh.): ‚(Brat-)Rost; crati-
cula‘. – Mhd. scharte f., schart m./n. ‚Röst-
pfanne‘, ält. nhd. und dial. schart m./n. ‚Pfanne,
Tiegel‘; vgl. preuß. schart m. ‚kleiner Napf für
Katzenfutter‘.
Splett, Ahd. Wb. 1, 833; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. skarta;
Schützeichel⁷ 286; Starck-Wells 534. 830; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 290; Bergmann-Stricker, Katalog
Nr. 266. 486; Graff 6, 528; Lexer 2, 670; Dt. Wb. 14,
2222; Kluge²¹ 637 (s. v. Scharte ‚Scharte‘). – Frischbier,
Preuß. Wb. 2, 259; Riemann, Preuß. Wb. 5, 101.
In den anderen germ. Sprachen entspricht nur
mndd. schard(e), schart ‚Rost, Rösttiegel, Brat-
pfanne; confrixorium‘: < westgerm. *skardō(n)-.
Fick 3 (Germ.)⁴ 456; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 3, 52
(scharde¹). 57 (schart¹); Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 49.
Westgerm. *skardō(n)- gehört möglicherweise
zu einer etym. ebenfalls bislang nicht eindeutig
geklärten slaw. Wortsippe. Die slaw. Sippe be-
ruht auf gemeinslaw. *sk(o)vorda; vgl. aksl.
skovrada f. ‚Rost, Pfanne‘, ksl. skvrada f. ‚dss.‘
(u. a. bei Pokorny 957 fälschlich als aksl. be-
zeichnet), aruss. s(ъ)krada f. ‚Ofen, Feuer, Grill‘
(offenbar vereinfacht aus skvrada), aruss. sko-
voroda, skovroda, skovrada f. ‚Pfanne (auch als
Folterwerkzeug)‘, nruss. skovorodá f. ‚Pfanne,
Reine‘, nruss. dial. skávroda, skovordá, skovor-
dnja f. ‚dss.‘, awruss. skavrada, skovrada f.
‚dss.‘, wruss. skavaradá f. ‚dss.‘, wruss. dial.
skarvadá, skvaradá, skvórada, skvóroda f.
‚dss.‘, ukrain. skovorodá f. ‚dss.‘, atschech.
skravada f., skrovada f. ‚dss.‘, poln. skowroda
f. ‚dss.‘, (mit sekundärer Angleichung des Aus-
lauts an osorb., ndsorb. pan[w]ej ‚Pfanne‘) o-
sorb. škorodej f., gen. škorodwje ‚dss.‘, ndsorb.
škorod(w)ej f., gen. škorodwej ‚dss.‘. Zugehö-
rig sind weiter (wohl aufgrund der Form?)
atschech. skrovad m. ‚Zimbel‘, skrovad(n)icě f.
‚eine Art Musikinstrument‘. Oft wird angenom-
men, dass in diese Sippe bereits gemeinslaw.
*-v- sekundär aus der Sippe des semantisch
nahestehenden Verbs gemeinslaw. *skverti,
*skvьrǫ ‚(zer-)schmelzen‘ (vgl. aksl. raskvrěti
‚zerschmelzen‘ [< *raz-skvrěti], slowen. cvrẹ́ti,
cvrȅm ‚braten, erhitzen, schmelzen‘ etc. [Et.
slov. jaz. staroslov. 748 f.; Bezlaj, Et. slov. slov.
jez. 1, 70; Snoj, Slov. et. slov.³ 108]) übernom-
men worden ist (Wz. vorurslaw. *sku̯er-). Vor
dieser Übernahme hätte ein zugehöriges Subst.
urslaw. *skardā˙ f. > gemeinslaw. *skorda f.
existiert. Diese Form entspräche genau urgerm.
*skarđō- ‚Rost, Röstpfanne‘. Die Vorform wäre
dann (so letztlich schon Pokorny 957) vorur-
germ./vorurslaw. *skordh-eh₂-. Die weitere Etym.
bliebe aber noch immer unklar. Eine Verbin-
dung dieses Worts mit der Sippe um urgerm.
*skarđa-, nhd. schartig, Scharte (Lexer 2, 669;
3, Nachtr. 358; Dt. Wb. 14, 2222 ff. 2226 f.;
Kluge²¹ 637; Kluge²⁵ s. v. Scharte; Heidermanns,
Et. Wb. d. germ. Primäradj. 485 f.), deren Mit-
glieder immer im weiteren Sinne ‚beschädigt‘
bzw. ‚Beschädigung, Einschnitt‘ bedeuten,
kommt wohl nicht in Frage.
Aber die umgekehrte Entwicklung wäre eben-
falls möglich: Das Wort für ‚Rost, Pfanne‘ ist
von der für das Slaw. anzusetzenden Wz. vor-
urslaw. *sku̯er- abgeleitet; dann wäre im Ur-
germ. eine Vereinfachung des auch sonst nicht
bezeugten Anlauts urgerm. *sku̯- > *sk- einge-
treten und vorurgerm./vorurslaw. *sku̯ordheh₂-
aus einem verdunkelten Komp. mit dem KHG
uridg. *dheh₁- ‚setzen, stellen, legen‘ vorurgerm./
vorurslaw.(/uridg.?) *sku̯or-dhh₁-ó- ‚Schmel-
zung habend/machend‘ > ‚womit man schmilzt
bzw. Fett auslässt‘ > ‚Pfanne, Rost‘ hervorge-
gangen.
Aus dem Slaw. entlehnt ist lit. skaradà f., alit.
auch skarvadà f. ‚(Brat-)Pfanne‘.
Eine bisweilen erwogene Zugehörigkeit von lit.
skárda, skardà f., skárdas m. ‚(Weiß-)Blech,
Metallplatte‘, lett. skārds m. [skãrds] ‚Metall-
platte, Geschirr(stück) aus Blech‘ und deren
Sippe zu den oben besprochenen germ. und
slaw. Wörtern ist unwahrscheinlich. Dem wi-
derspricht der Akut im Lit., der eine nachfol-
gende nichtaspirierte Media voraussetzt, und
wohl noch mehr die Semantik sowie die Tatsa-
che, dass die Wz. urbalt. *skard- ‚schneiden‘ in
balt. Wörtern gut bezeugt ist. Die balt. Wortfor-
men gehören zur o.a. Sippe von urgerm.
*skarđa- ‚beschädigt‘, das urspr. wohl die Bed.
‚beschnitten, zugeschnitten‘ hatte: > ‚zuge-
schnittenes (Metallstück)‘ > ‚Metallstück‘ >
‚Stück Blech‘.
Walde-Pokorny 2, 601; Pokorny 957; Et. slov. jaz. sta-
roslov. 824 f.; Vasmer, Russ. et. Wb. 2, 640; ders., Ėt.
slov. russ. jaz. 3, 644; Schuster-Šewc, Hist.-et. Wb. d.
Sorb. 1445; Fraenkel, Lit. et. Wb. 2, 796. 797;
Smoczyński, Słow. et. jęz. lit.² s. v. skárda; Mühlenbach-
Endzelin, Lett.-dt. Wb. 3, 880 f.; Karulis, Latv. et. vārd.²
831. – Machek 1997: 548 f.
HB