skert
Band VIII, Spalte 88
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skert ? m. oder f. i-St. (? nur Dat.pl. auf
-en), bei Nps: ‚Schultern; humerus, scapula‘
(vgl. nhd. dial. schweiz. schert, scherte, scherti
f. ‚Schulter, Schulterblatt, Schulter bis zur Len-
de, oberster Teil der Achsel‘ [Schweiz. Id. 8,
1310 f.
]). Das Wort gehört mit s mobile und an-
derer Stammbildung zu ahd. hertî² gleicher Bed.
(s. d. zur weiteren Etym.). – skerten sw.v. I, in
Gl. 2,451,9 (Hs. des 11. Jh.s, Zeit der Gl.ein-
träge unbekannt, obd.). 10 (11. Jh., obd.); 5,26,3
(3. Drittel des 9. Jh.s, alem.), bei N: ‚verkleinern,
zerfleischen, schändlich zurichten; foedere,
lacerare, lancinare‘ (mhd. scherten sw.v. ‚ab-
schneiden, schädigen, verletzen‘; ae. scerden,
scirdan sw.v. ‚verletzen‘; aisl. skerða sw.v.
‚eine Scharte machen, vermindern‘). Denom. zu
dem Adj., das im Ahd. in liduskart, skartlidî,
skartsam (s. dd.) und in mhd. schart ‚zerhauen,
schartig, verletzt, verwundet‘ fortgesetzt ist
(vgl. Riecke 1996: 444; Heidermanns, Et. Wb.
d. germ. Primäradj. 485 f.). – skertfedara ? f.
ō-St., in Gl. ab der 2. Hälfte des 9. Jh.s:
‚Schildkröte, Auster; ostrea similis testudine,
testudo, testudo genus animalis‘. Possessiv-
komp. mit KVG skert-, skarti-, das der Sippe
von mhd. schart ‚zerhauen, schartig, verletzt,
verwundet‘ zuzurechnen ist, und dem KHG
fedara (s. d.) in der Bed. ‚Flosse‘. Die Schild-
kröte wird also als Tier mit schartigen Flossen
benannt. – skertfedaro m. n-St., in Gl. 3,452,37
(Ende des 12. Jh.s): ‚Schildkröte; testudo‘.
Mask. n-stämmige Nebenform zu öfter be-
zeugtem skertfedara (s. d.). – skertwurza* f.
ō(n)-St., in Gl. 3,585,25 (14. Jh.): ‚Gelber En-
zian; gentiana‘ (Gentiana lutea; vgl. Marzell
[1943–79] 2000: 2, 630). Determinativkomp.
mit Verbalstamm im KVG und subst. KHG; s.
skerten, wurza. Das Benennungsmotiv weist
darauf hin, dass die Wurzelteile der Pflanze
zerkleinert zur medizinischen Verwendung
dienten. So empfiehlt Hildegard von Bingen
bei Herz- und Magenbeschwerden Enzian zu
pulverisieren (gentianam pulverizet) und zu
sich zu nehmen. Torp, Nynorsk et. ordb. 588,
vermutet, dass auch norw. (nn.) skarsøta ‚Pur-
pur-Enzian‘ ein KVG aus der Sippe von skerten
(wie aisl. skarðr adj. ‚schartig, verstümmelt‘)
enthält. Dessen KHG søta gehört zur Gruppe
um ahd. s(w)uozi (s. d.) und bezeichnet auch
allein den Enzian. – Splett, Ahd. Wb. 1, 216.
842. 1163; eKöbler, Ahd. Wb. s. vv. skerta,
skerten, skertifedara; Schützeichel⁷ 288;
Starck-Wells 540; Schützeichel, Glossenwort-
schatz 8, 335.

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