skrîban
Band VIII, Spalte 253
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skrîban st.v. I (prät. skreib, skribun,
part.prät. giskriban), seit dem Ende des 8. Jh.s
im Abr und weiteren Gl. und in I, MF, T, OT,
B, GB, LSF, bei O, N, Npg, in WH: ‚(auf-/nie-
der-/be-)schreiben, schreiben von, schriftlich
verfassen, aufzeichnen; ait (in) [= ist giskriban
(in)], ceras componere in decreta, conscribere,
describere, edere, excipere, explanare, habēre,
insculpere, stilo mandare, notare, (ponere) in
marginibus (?), praeferre, scribere, scriptitare,
scriptura [= daz giskriban ist], sequi [= dar after
giskriban wesan], officio stilo signare, subno-
tare, superscribere [= obana skrîban], supra-
scribere [= obana skrîban], theologus [= der in
buochun gotes selbes natura inti dia ueritatem
trinitatis skrîbit]‘ 〈Var.: sc-; -p-〉. Das Wort ist
aus lat. scrībere ‚schreiben‘ entlehnt (s. u.). –
Mhd. schreiben (schribben, ndrhein. schrîven)
st.v. (prät. schreip, schriben, part.prät. ge-
schriben) ‚(auf-/be-)schreiben, verzeichnen,
voll schreiben, durch schriftliche Urkunde etc.
einem etw. als Eigentum verschreiben, den Na-
men von jmdm. auf-/einzeichnen, jmdn. als ver-
pflichtet/berechtigt aufnehmen, anordnen, ver-
ordnen, nennen, heißen, beschreiben, schildern,
zeichnen, malen, sich verschreiben, schriftlich
verpflichten gegen, aufgezeichnet sein, zählen,
sich schreiben‘, frühnhd. schreiben st.v. ‚schrei-
ben, schriftstellern‘, nhd. schreiben st.v. (prät.
schrieb, schrieben, part.prät. geschrieben)
‚Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern, Noten o. Ä.
in einer bestimmten lesbaren Folge mit einem
Schreibgerät auf einer Unterlage, meist Papier,
aufzeichnen oder in einen Computer eingeben,
(von Schreibgeräten) beim Schreiben be-
stimmte Eigenschaften aufweisen, sich mit den
gegebenen Mitteln in bestimmter Weise schrei-
ben lassen, aus Schriftzeichen, Buchstaben, Zif-
fern o. Ä. in einer bestimmten lesbaren Folge
bilden, zusammensetzen, schreibend, schrift-
lich formulieren, gestalten, verfassen, kompo-
nieren und niederschreiben, als Autor(in) künst-
lerisch, schriftstellerisch, journalistisch o. ä. tätig
sein, in bestimmter Weise sich schriftlich äußern,
etw. sprachlich gestalten, einen bestimmten
Schreibstil haben, mit der schriftlichen Formu-
lierung, sprachlichen Gestaltung, Abfassung,
Niederschrift von etw. beschäftigt sein, eine
schriftliche Nachricht senden, sich schriftlich
an jmdn. wenden, mit jmdm. brieflich in Ver-
bindung stehen, korrespondieren, den Regeln
entsprechend eine bestimmte Schreibweise ha-
ben, heißen, als Datum, Jahreszahl, Jahreszeit
o. Ä. haben, (von Geldbeträgen o. Ä.) irgend-
wo schriftlich festhalten, eintragen, verbuchen,
jmdm. schriftlich einen bestimmten Gesund-
heitszustand bescheinigen‘.

Splett, Ahd. Wb. 1, 859; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. skrīban;
Schützeichel⁷ 293; Starck-Wells 548; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 387; Seebold, ChWdW8 264. 434.
509; ders., ChWdW9 755. 1107; Graff 6, 567 f.; Heffner
1961: 128; Lexer 2, 794; 3, Nachtr. 362; Götze [1920]
1971: 195; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 143 (conscribere).
383 (notare). 520 (scribere). 521 (scriptitare); Götz,
Lat.-ahd.-nhd. Wb. 29 (aio). 123 (componere). 186 (de-
scribere). 236 (excipere). 296 ff. (habēre). 342 (inscul-
pere). 390 (mandare). 594 (scribere, scriptura). 604 f.
(sequi). 610 (signare). 636 (subnotare). 664 (theologus);
Dt. Wb. 15, 1689 ff.; Kluge²¹ 679; Kluge²⁵ s. v. schreiben;
ePfeifer, Et. Wb. s. v. schreiben. – Zipper 1960: 185;
DRW 12, 153 ff. – Braune-Heidermanns 2018: §§ 135
Anm. 2. 143 Anm. 3. 259 Anm. 1. 330 Anm. 1b.

Ebenfalls aus lat. scrībere entlehnt sind: as.
scrīƀan st.v. (prät. –, scriƀun, part.prät.
giscriƀan) ‚schreiben‘, mndd. schrîven st.v.
(prät. schrêf, schreven, part.prät. [ge-]schre-
ven) ‚(an-/zu-)schreiben, schriftlich ausferti-
gen, notieren, registrieren, beilegen, schätzen,
schriftlich verpflichten, bezeichnen, ausgeben
als, schriftlich äußern, darstellen, schildern,
schriftlich vorschreiben, schriftlich festsetzen,
sich als Verfasser betätigen, einprägen, bildlich
darstellen‘; andfrk. skrīvan st.v. (prät. scrêif/
screif, –, part.prät. gescriuen/gescriben/ge-
scrîuen) ‚schreiben, notieren, schriftlich mit-
teilen, berichten‘, frühmndl. scriven st.v. (prät.
screef/screif/scrief, screuen, part.prät. ge-
screuen) ‚(auf-/be-)schreiben, notieren, schrift-
lich mitteilen, wissen lassen, einritzen, einkrat-
zen‘, mndl. schriven (scriven) st.v. (prät.
sc[h]reef, sc[h]reven, part.prät. ghesc[h]reven)
‚(auf-/be-)schreiben, schriftlich mitteilen, nen-
nen‘, nndl. schrijven st.v. (prät. schreef, schre-
ven, part.prät. geschreven) ‚(sich) schreiben‘;
afries. skrīva, skrīwa, skriūwa, skriōwa st.v.
(prät. skrēf, skrivon, part.prät. skriven [-e-])
‚schreiben, aufzeichnen, schriftlich mitteilen,
verzeichnen, in ein Register eintragen, eine
Kirchenstrafe auferlegen‘, nwestfries. skriuwe
st./sw.v. (prät.sg. skreau/skriuwde, prät.pl.
skreaune[n], part.prät. skreaun) ‚schreiben‘, sa-
terfries. skrieuwe st.v. (prät. skreeuw, skreeuwen,
part.prät. skríeuwen) ‚schreiben, (refl.) heißen,
sich nennen‘, nnordfries. (öömr.) skriiw st.v.
(part.prät. skrewwan) ‚schreiben‘, (bökingh.)
schriwwen (ohne weitere Angaben) ‚dss.‘, (helg.)
skriuw (skreow, skrewwen [ö]) st.v. ‚dss.‘,
(karrh.) skriwwe (ohne weitere Angaben) ‚dss.‘,
(mgoesh.) schreef st.v. (prät. schrf, schrben,
part.prät. schrääben) ‚dss.‘, (nordergoesh.) schri-
(ohne weitere Angaben) ‚dss.‘, (wiedingh.)
skriwe st.v. (prät. skrīf, part.prät. skrēwen)
‚dss.‘ (die nordfries. Belege stammen aus unter-
schiedlichen Quellen auf https://www.frisistik-
thesaurus.uni-kiel.de/de/thesaurus-des-nord-
friesischen [gesehen am 03.06.2020]); ae.
scrīfan st.v. (prät. scrāf, scrifon, part.prät. scri-
fen) ‚vorschreiben, anordnen, bestimmen, zu-
weisen, auferlegen, Beichte hören, sich (be-)
kümmern, sorgen für‘, me. shrīven (shrive,
shrife[n], shrif[fe], etc.) st.v. (prät. shrōf/shrōve/
shrōwe/frühme. schrāf etc., shrōf/shreven, part.
prät. shrive[n]/shrifen[e]/shriwe[n] etc.) ‚Beich-
te ablegen, beichten, Beichte abnehmen‘, ne.
shrive st.v. (prät. shrove, part.prät. shriven)
‚beichten, Beichte abnehmen‘; aisl. skrifa sw.v.
‚darstellen, zeichnen, malen‘, nisl. skrifa sw.v.
‚(auf-/aus-)schreiben‘, fär. skriva sw.v. ‚(auf-/
nieder-)schreiben, komponieren‘, ältestes adän.
skrīuæ st.v. ‚schreiben‘, adän. skrīve st.v. (prät.
skrēf, skrifo, part.prät. skriuet) ‚dss.‘ (Brøndum-
Nielsen 1928 ff.: 6, 9. 13. 16. 19), ält. ndän.
skrive st.v. ‚dss.‘, ndän. skrive st.v. (prät. skrev,
part.prät. skrevet) ‚dss.‘, nnorw. (bm.) skrive
st.v. (prät. skrev/skreiv, part.prät. skrevet), (nn.)
skrive st.v. (prät. skreiv, part.prät. skrive) ‚dss.‘,
norn skriv (ohne weitere Angaben) ‚dss.‘,
aschwed. skrīva st.v. (prät. skrēv, part.prät. skri-
vin), daneben häufig sw.v. (vgl. Noreen [1904]
1978: § 526 Anm. 2) ‚dss.‘, nschwed. skriva
st.v. (prät. skrev, part.prät. skrivit) ‚schreiben,
tippen‘.
Unklar bleibt, ob die nordgerm. Verben insge-
samt aus dem As. oder Mndd. entlehnt sind oder
ob lediglich einige Bed. von dort übernommen
sind.
Unsicher ist auch der genaue Entlehnungsvor-
gang des lat. Worts, und zwar ob es nur einmal
oder zweimal ins Germ. entlehnt ist. Dies hängt
mit der Frage zusammen, ob die engl. Bed. ‚an-
ordnen, bestimmen‘ aus einer älteren Entleh-
nungsschicht stammt oder das Resultat einer se-
kundären Bed.entwicklung ist; hierauf ist eine
sichere Antwort nicht möglich. Erschwert wird
die Analyse nämlich dadurch, dass eine von
‚schreiben‘ abweichende Bed. auch im as.
Komp. biskrīƀan st.v. ‚erfassen, erkennen, be-
reuen‘ vorhanden ist.
Das Verb verdrängt außer im Engl. (wegen der
dortigen Sonderbed.) für den Vorgang des
Schreibens das ererbte Verb urgerm. *rete/a-
(s. rîzan).
Auffällig bei der Übernahme ist die Einordnung
in die germ. st. V. Aus diesem Grund, und da
ablautende Bildungen vorliegen (s. etwa skrift),
wird gelegentlich auch die Möglichkeit eines
Erbworts urgerm. *skreƀe/a- > *skrīƀe/a- in
Betracht gezogen (vgl. u. a. E. Schröder, PBB
49 [1925], 515 f.; E. Schröder, ZDA 61 [1924],
59; W. de Vries, TsNTL 40 [1921], 94; Trier
1951: 74 f.), das in seiner Bed. durch dann ver-
wandtes lat. scrībere beeinflusst wäre. Die
Semantik der germ. Wörter spricht aber gegen
eine solche Annahme (vgl. H. Zimmer, ZDA 36
[1892], 145–150).
M. Tarsi, NOWELE 72 (2019), 42–59 nimmt
einen einmaligen, aber sehr frühzeitigen Ent-
lehnungsvorgang (1. Jh.) an, der sowohl die
Einordnung als st. V., die Bed.entwicklung im
Engl. sowie bei der deutlich späteren Über-
nahme ins Nordgerm. die teilweise Einordnung
in die sw. V. erklären würde.

Seebold, Germ. st. Verben 419 f.; Tiefenbach, As.
Handwb. 349; Sehrt, Wb. z. Hel.² 474; Berr, Et. Gl. to
Hel. 356; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 3, 146 ff.;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 139; ONW s. v. skrīvan;
VMNW s. v. scriven²; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7,
771 ff.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 599 f.; Suppl. 149;
Vries, Ndls. et. wb. 631 f.; Et. wb. Ndl. SZ 118 f.; WNT
s. v. schrijven²; Boutkan, OFris. et. dict. 356; Hofmann-
Popkema, Afries. Wb. 445; Richthofen, Afries. Wb.
1033 f.; eFryske wb. s. v. skriuwe; Dijkstra, Friesch Wb.
3, 126 f.; Fort, Saterfries. Wb.² 540; Holthausen, Ae. et.
Wb. 283; Bosworth-Toller, AS Dict. 841; Suppl. 698;
Suppl. 2, 54; eMED s. v. shrīven v.; Klein, Compr. et.
dict. of the Engl. lang. 2, 1439; eOED s. v. shrive v.;
Vries, Anord. et. Wb.² 503; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 841.
1166 f.; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 3, 380; ONP
s. v. skrifa; Jónsson, Lex. poet. 513; Holthausen, Vgl. Wb.
d. Awestnord. 257; Magnússon, Ísl. Orðsb. 862; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 1028. 1545; Nielsen, Dansk
et. ordb. 378; Ordb. o. d. danske sprog 19, 894 ff.; Torp,
Nynorsk et. ordb. 620; NOB s. v. skrive; Jakobsen, Et.
dict. of the Norn lang. 2, 811 f.; Hellquist, Svensk et.
ordb.³ 2, 949; Svenska akad. ordb. s. v. skriva v. – F.
Albano Leoni, GS Scaffidi Abbate 1983: 1–7.

Lat. scrībere, das mit der Bed. ‚schreiben‘ in
den rom. Sprachen als rum. scrie, nitalien.
scrivere, nfrz. écrire, nprov. escriure, katal.
escriure, span. escribir, port. escrever fortge-
setzt ist, stammt aus uridg. *s()bh-e/o-, einer
Präs.bildung zu uridg. *s()rebh- ‚kratzen,
ritzen‘.
Aus dem Lat. ist auch air. scríbaid ‚schreibt,
verfasst‘ entlehnt.

Walde-Pokorny 2, 585 f.; Pokorny 946 f.; LIV² 562;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 2, 499 f.; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 604 f.; de Vaan, Et. dict. of Lat. 546 f.; Du
Cange² 7, 367; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr. 8523; Meyer-
Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 7745; Wartburg, Frz. et. Wb.
11, 331 ff.; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. S-54; eDIL
s. v. scríbaid. – Puşcariu 1975: Nr. 1564.

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