sliozan st.v. II (prät. –, sluzzun,
part.prät. –), in Gl. 1,101,18 (1. Drittel des 9.
Jh.s, bair.): ‚mit einem Wall umgeben, ein-
schließen; devallare‘. – Mhd. slieʒen st.v. (prät.
slôʒ, sluʒʒen, part.prät. gesloʒʒen) ‚schließen,
verschließen, in sich schließen, umfassen, fü-
gen, zusammenfügen, aneinander befestigen‘,
frühnhd. schließen st.v. (prät. schloss, part.prät.
geschlossen) ‚schließen, beweisen, folgern,
endgültig behaupten, zu einem Schluss zwin-
gen, beschließen, es schließt sich, es ergibt sich
die Folgerung‘, wol schließen ‚die richtige
Schlussfolgerung ziehen‘, nhd. schließen st.v.
(prät. schloss, part.prät. geschlossen) ‚mit einem
Schlüssel zugänglich machen, zumachen, been-
den, herleiten‘.
Splett, Ahd. Wb. 1, 878; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. sliozan;
Schützeichel⁷ 298; Starck-Wells 559; Schützeichel,
Glossenwortschatz 8, 461; Bergmann-Stricker, Katalog
Nr. 895; Seebold, ChWdW9 769. 1106; Graff 6, 812;
Lexer 2, 976; 3, Nachtr. 366; Götze [1920] 1971: 190;
Dt. Wb. 15, 692 ff.; Kluge²¹ 657; Kluge²⁵ s. v. schließen;
ePfeifer, Et. Wb. s. v. schließen.
In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. -slūtan st.v. (nur dat.pl.part.prät. 〈utbislo-
tenun〉 ‚den ausgeschlossenen; seclusis‘),
mndd. sluten (sluet-, sluit-) st.v. (prät. slōt,
sloet, sloit, prät.pl. slōten, part.prät. [ge-]slōten/
-slotten/-slāten) ‚ver-, zuschließen, sichern,
sperren, schützen, als Sperre/Schutz dienen, zu-
machen, einschließen, zu Ende bringen, vollen-
den, be-, abschließen, (sich) schließen, zuge-
hen, zutreffen‘; frühmndl. sluten st.v. (prät.
slod/sloet, sloten, part.prät. geslo[e]ten/gheslo-
ten) ‚schließen (tr. und intr.), dicht machen, ver-
sperren, beschließen, feststellen, (be-)enden,
zugehen, übereinkommen‘, mndl. sluten, sluy-
ten, slieten st.v. (prät. sloot, sloten, part.prät.
g[h]esloten) ‚dss.‘, nndl. sluiten st.v. (prät.
sloot, part.prät. gesloten) ‚zumachen, schließen,
beschließen, abschließen, vereinbaren‘; afries.
slūta st.v. (prät. -slāth/sleth, part.prät. -slaten/
-sleten/-sluten/-sloten) ‚schließen, ver-, ein-
schließen, beschließen, vereinbaren‘, nwest-
fries. slute st.v. (prät. sleat, sletten, part.prät.
sluten) ‚dss.‘, saterfries. slute st.v. (prät. sloot,
sloten, part.prät. sleten), nnordfries. schleere
(st.v.) ‚schließen‘: < westgerm. *sleu̯t-e/a-.
Fick 3 (Germ.)⁴ 541; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 454;
Seebold, Germ. st. Verben 436 f.; Tiefenbach, As.
Handwb. 355; Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 236; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. 3, 285 f.; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. 4, 253 f.; VMNW s. v. sluten; Verwijs-
Verdam, Mndl. wb. 7, 1318 ff.; Franck, Et. wb. d. ndl.
taal² 622; Suppl. 153; Vries, Ndls. et. wb. 654; Et. wb.
Ndl. S–Z 188; WNT s. v. sluiten; Boutkan, OFris. et.
dict. 50. 359; Hofmann-Popkema, Afries. Wb. 450;
Richthofen, Afries. Wb. 1037 f.; eFryske wb. s. v. slute;
Dijkstra, Friesch Wb. 3, 147; Fort, Saterfries. Wb.² 554;
Sjölin, Et. Handwb. d. Festlnordfries. XXXV.
Westgerm. *sleu̯t-e/a- weist zunächst auf vor-
urgerm. *sleu̯d-e/o-. Dieser Ansatz lässt sich
nicht unmittelbar an irgendwelche außergerm.
Wortformen anschließen. Auch die in ält. Lite-
ratur bisweilen angeführte Verbindung mit lat.
claudere ‚schließen‘ unter einem Ansatz uridg.
*(s)kleu̯d(h)- o. Ä. und der Annahme, dass uridg.
*skl- zum Germ. hin zu *sl- vereinfacht würde,
ist schwierig, da lat. claudere nur bei einem An-
satz vorurit. *kleh₂u-d- mit lat. clāvis f. ‚Schlüs-
sel, Riegel‘ (< vorurit. *kleh₂u̯-i-) verbunden
werden kann – und diese Verbindung wird man
nicht trennen wollen. Angenommen wird hier-
bei zumeist, dass *-d- ein urspr. Präs.-Suff. ge-
wesen sei.
Die Verbindung der lat. Wörter und der west-
germ. Sippe bleibt aber wohl möglich: Geht
man davon aus, dass es neben vorurgerm.
*skleh₂u-d- auch schwundstufiges vorurgerm.
*skh₂u-d- > *skluh₂-d- (mit Laryngalmetathese
zur Vermeidung einer zweisilbigen Wz.gestalt)
gab, würde diese Form regulär urgerm. *s(k)lūt-
ergeben; alle nichtdt. Inf.- bzw. Präs.st. wären
somit lautgesetzlich. Im Vordt. müsste dagegen
Ersatz von lautgesetzlichem *-ū- durch ein in
dieser Verbklasse üblicheres *-eu̯- stattgefun-
den haben.
In eine ähnliche Richtung weist bereits de Vaan,
Et. dict. of Lat. 118. Ob die hier angeführten
Formen tatsächlich mit uridg. *kleu̯H- ‚wohin
geraten‘ zu vereinen sind, wie de Vaan a. a. O.
suggeriert, erscheint vorerst fraglich.
Zu weiteren Anschlüssen an die Wz. vorurit.
*kleh₂u- vgl. die u. a. Literatur.
Walde-Pokorny 1, 492 ff.; Pokorny 604 f.; LIV² 365;
Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. 1, 229 f.; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.⁴ 125. 126; de Vaan, Et. dict. of Lat. 118. 119;
Thes. ling. lat. 2, 1300 ff. 1316 ff.; Niermeyer, Med. Lat.
lex.² 1, 244; Du Cange² 2, 360; Körting, Lat.-rom. Wb.³
Nr. 2243. 2251; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 1967.
1981; Wartburg, Frz. et. Wb. 2, 747 ff. 764 ff.
HB