spân
Band VIII, Spalte 667
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spân m. a-St. (i-St.?), seit dem Ende des
9. Jh.s in Gl.: ‚(Holz-)Span, Splitter; astula,
nutrimentum, sarmentum‘. Die St.klasse des
Wortes ist aus den Belegen nicht ersichtlich. –
Mhd. spân st.m. ‚(Holz-)Span, Einschnitt ins
Kerbholz, Verwandtschaftsgrad (nach den
Einschnitten im Kerbholz), hobelspanförmige
Ringelung der äußersten Haare‘, nhd. Span m.
‚(beim Hobeln, Behauen, Schneiden o. Ä.) klei-
nes, als Abfall entstehendes Stückchen des
bearbeiteten Materials‘.

Splett, Ahd. Wb. 1, 897; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. spān;
Schützeichel⁷ 303; Starck-Wells 570; Schützeichel,
Glossenwortschatz 9, 51; Seebold, ChWdW9 782. 1111;
Graff 6, 338; Lexer 2, 1065 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ.
56 f. (astula); Dt. Wb. 16, 1862 ff.; Kluge²¹ 719; Kluge²⁵
s. v. Span; ePfeifer, Et. Wb. s. v. Span.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. spân (spaen, spain) m. ‚Holzscheit,
Latte, flaches Brett zum Schienen gebrochener
Gliedmaßen, (pl.) Schienen des Kardenkreuz-
holzes zwischen denen die Weberdisteln einge-
fügt sind, Almosenbrett, Holzabfall‘, spên m.
‚Span, Holzabfall‘, spôn (spn, spoen, spoyn),
spůn m. ‚Span, Abfall bei der Holzarbeit, Mittel
zum Klären von Bier, dünne Stange, Leiste,
Holzschindel, schmales Holz, Brettchen, Spa-
tel‘; frühmndl. spaen n. ‚(Holz-)Span, Latte‘,
mndl. spaen (n./m.) ‚(Holz-)Span, Latte, Holz-
abfall‘, nndl. spaan (f.) ‚(Holz-)Span, Schaum-
löffel‘; nwestfries. spoen m./f. ‚(Holz-)Span‘,
saterfries. spoun m. (Hobel-)Span‘, nnordfries.
bökingh. spaun m. ‚Span‘, öömr. spuun m.
‚(Holz-/Hobel-)Span‘, halligfries. spaon m.
‚Span‘, helg. spuun m. ‚dss.‘, karrh. spåun
‚dss.‘, mgoesh. spoon m. ‚dss.‘, nordergoesh.
spoon ‚dss.‘, wiedingh. spoon f. ‚(Hobel-)Span‘
(die nordfries. Belege stammen aus unter-
schiedlichen Quellen auf https://www.frisistik-
thesaurus.uni-kiel.de/de/thesaurus-des-nord-
friesischen [gesehen am 29.04.2021]); ae. spōn
m. ‚Span, Schnitzel‘, me. spọ̄n (spon[n]e,
spoin, spoun[e], spun[e]) ‚(Holz-/Hobel-)Span,
Splitter, Löffel‘, ne. spoon ‚Löffel‘; aisl. spánn,
spónn m. ‚Span, Schindel, Holzspan zum Lo-
sen‘, nisl. spónn, spánn m. ‚Span, Furnier‘, fär.
spónur m. ‚Löffel, (Holz-)Span, Splitter‘, adän.
spoon ‚(Holz-)Span‘, ält. ndän. spa(a)n, spon
‚(Holz-)Span, (Dach-)Schindel‘, ndän. spån
‚(Holz-)Span, (Dach-)Schindel, (Seifen-)Flocke‘,
nnorw. spon ‚(Holz-)Span, (Dach-)Schindel‘,
norn (mit angehängtem definitem Art.)
*spunnin, spugnin ‚Löffel‘, aschwed. span,
spon m. ‚Span, Schindel‘, nschwed. spån ‚dss.‘,
älv. spene ‚dss.‘: < urgerm. *spēnu-.

Manchmal findet sich in der Literatur (vgl. u. a. Vries,
Ndls. et. wb. 671) die Erwähnung einer afries. Entspre-
chung spān, spōn ‚Schmuckspange‘, die vermutlich letzt-
endlich auf der Angabe bei Richthofen, Afries. Wb.
1042: „spon, span (spahn)“ beruht. Dieses Wort ist aber
afries. span, spon n. ‚Schmuckspange‘ (vgl. Hofmann-
Popkema, Afries. Wb. 457) und gehört daher zu ahd.
-span (s. furispan, gispan).
Da die Varianz zwischen aisl. -á- und -ó- auf Paradig-
menspaltung beruht (vgl. etwa Bjorvand, Våre arveord³
1149), erübrigt sich der in älterer Literatur neben urgerm.
*spēnu- stehende Ansatz urgerm. *spōnu-.

Aus dem Nordgerm. sind me. span-neue (span-
neu, spanneneu[e], sponneue, -neoue) adj.
‚brandneu‘ (mit Umgestaltung des KHG aus
aisl. spánnýr adj. ‚brandneu‘), finn. paanu
‚Dachschindel‘, paunu ‚Schindel‘ und lapp.-
norw. spānas ‚(Holz-)Span‘, lapp.-schwed.
spanes ‚dss.‘ entlehnt.

Fick 3 (Germ.)⁴ 505; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb.
3, 351. 367. 390; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 315.
338; VMNW s. v. spaen; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7,
1625 ff.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 639; Suppl. 157;
Vries, Ndls. et. wb. 671; Et. wb. Ndl. S–Z 223; WNT s. v.
spaan; eFryske wb. s. v. spoen; Dijkstra, Friesch Wb. 3,
182; Fort, Saterfries. Wb.² 574; Holthausen, Ae. et. Wb.
311; Bosworth-Toller, AS Dict. 903; eMED s. vv. span-
neue adj., spọ̄n n.; Klein, Compr. et. dict. of the Engl.
lang. 2, 1495; eOED s. v. spoon n.; Vries, Anord. et. Wb.²
532; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 887; Fritzner, Ordb. o. d. g.
norske sprog 3, 484. 485; ONP s. vv. spánn, spánnýr;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 273 (spān-n²). 275;
Magnússon, Ísl. Orðsb. 939; Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 2, 1110. 1552; Nielsen, Dansk et. ordb. 413; Ordb.
o. d. danske sprog 21, 72 ff.; Bjorvand, Våre arveord³
1149; Torp, Nynorsk et. ordb. 694; NOB s. v. spon;
Jakobsen, Et. dict. of the Norn lang. 2, 886; Hellquist,
Svensk et. ordb.³ 2, 1056; Svenska akad. ordb. s. v. spån
subst.¹; Kylstra, Lehnwörter 3, 2. – Qvigstad 1893: 312;
Björkman [1900–02] 1973: 1, 83; Krahe-Meid 1969: 3,
§ 100.

Man stellt urgerm. *spēnu- seit A. Kuhn, ZVSp
4 (1855), 15 gemeinhin zu gr. σφήν, (gen.sg.)
σφηνός m. ‚Keil‘, die man dann beide auf eine
Vorform *sp(h)eh₁-n- zurückführt. Das ist aber
nicht möglich, da -η- in gr. σφήν urgr. *-ā- <
uridg. *-eh₂- fortsetzt, wie aus den zugehörigen
Formen gr. σφηνόπους (nur in ἐγ κλίνηι
σφηνόποδι ‚in einer Liege mit keilförmigen Fü-
ßen‘ [IG XII,5, 593 A.6 (Keos, 5. Jh. v.Chr.)];
zur Schreibung -η- für altes -ā- in diesem Dia-
lekt vgl. Schwyzer, Gr. Gramm.² 1, 185 f.), gr.
(Hesych) σφανίον· κλινίδιον ‚kleines Bett‘ und
ἐν σφανίῳ· ἐν κλιναρίῳ ‚dss.‘ hervorgeht; da
diese Wörter auf urgr. *σφν, *σφανσ- oder
*σφα-ην zurückgehen und daher *-- bzw.
*-(e)h₂- erfordern, gilt dies auch für gr. σφήν.
Dazu kommt, dass auch der Anlaut kaum kom-
patibel ist. Man müsste entweder auf einen un-
gewöhnlichen Anlaut *sph- zurückgreifen bzw.
auf *(s)bh- mit Lex Siebs > *sph-, für die es aber
keinen weiteren Hinweis gibt, oder einen An-
laut *sph₂- ansetzen.
Bei einem Anlaut *sph₂- könnte man, falls
Lex Eichner zutrifft, für das Gr. eine Vorform
*sph₂-ēn, falls sie nicht zutrifft, einen Ersatz
des dann lautgesetzlichen Nom.Sg. urgr. *sphēn
unter Einfluss der obliquen Kasus urgr.
*sphan- (entstanden etwa im Akk.Sg. aus uridg.
*sph₂-én-) zu urgr. *sphān, für das Germ. da-
gegen eine Vorform (mit analogischem *ē aus
dem Nom.Sg.) *sph₂ēn- akk.sg. annehmen. In
dem Fall würde die Wortgruppe zu der um ahd.
spado (s. d.) < *sph₂-dh(h₁)- gehören.
Die germ. Formen an sich legen ein Rekon-
strukt vorurgerm. *speh₁nu- nahe, wozu im
Germ. selbst auch die Wortgruppe um ahd.
spah gehören kann (s. d., mit einer alternativ
möglichen Etym.), während die um ahd. spato
besser getrennt werden sollte. Dagegen kann
man die Wörter um ahd. spt (s. d.) hier anbin-
den. Da bei den Formen um ahd. spân und spah,
wie auch bei ahd. spât neben ‚Span‘ ebenfalls
die Bed. ‚Splitter‘ bezeugt ist, kann man diese
Wörter lautlich und semantisch überzeugend
zu der nur nominal belegten Wz. uridg.
*(s)peh₁(i̯)- ‚spitz, spitzes Holzstück‘ stellen,
die wohl auch die Basis für Erweiterungen wie
in ahd. spiz¹ oder speicha (s. dd.) ist. Auf
*(s)peh₁(i̯)- geht vermutlich auch heth. URUDU-
ispātar n. ‚Spieß, Stilett, (Gewand-)Nadel?‘ zu-
rück, die Ableitung eines unbezeugten Verbs
heth. *ispā- ‚stechen‘.
Aus dem Dt. ist atschech. špán (špan) m. ‚Na-
gel‘, mtschech. špon m. ‚Span‘, tschech. dial.
špán m. ‚dss.‘, slowak. dial. špán ‚dss.‘ entlehnt.

Walde-Pokorny 2, 652 f. 653 f.; Pokorny 980. 981 f.;
Frisk, Gr. et. Wb. 2, 830 f.; Chantraine, Dict. ét. gr.²
1039 f.; Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 1430; Friedrich-
Kammenhuber, Heth. Wb. 4, 226; Kronasser, Etym. d.
heth. Spr. 1, 283; Tischler, Heth. et. Gl. 1, 420; Kloekhorst,
Et. dict. of Hitt. 411. – Solmsen 1909: 129; W. Schulze,
ZVSp 45 (1913), 190 f.; Rieken 1999: 380 Fn. 1913; B.
Vine, MSS 62 (2002), 289–299; S. Neri, in Neri-Ziegler
2012: 69. – Newerkla 2011: 384.

RS

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