stibio
Band VIII, Spalte 1064
Symbol XML-Datei TEI Symbol PDF-Datei PDF Zitat-Symbol Zitieren

stibio m. n-St., in Gl. 1,458,15 (Rb):
‚Antimon [Augenschminke]; stibium‘. Überlie-
fert ist das Wort als 〈stibiin〉 zur Glossierung
von lat. stibio. Aus dem Beleg wird in den Wbb.
teils auch ein Adj. stibiîn ‚aus Antimon‘ (bei
Graff 6, 615 offenbar ein Fem. stiba mit Lesung
der Gl. als stibun, hervorgerufen durch die nicht
immer leicht unterscheidbare Schreibung von ii
und u) erschlossen. Dies ist aber in Anbetracht
der Parallelglossierungen kimali/gimali, oug-
male und ouchsalpun (vgl. dazu Steiner [1939]
1976: 130), die sämtlich Subst. sind, weniger
wahrscheinlich; vielmehr dürfte auch hier ein
Subst. vorliegen. Das ahd. Wort ist aus lat.
stibium n., einer Nebenform zu lat. stibi (selten
auch stimmi) n. ‚Spießglas, ein Pulver aus ge-
röstetem Spießglaserz, das wie Ruß aussah und
von den Frauen auf die Augenbrauen gestrichen
wurde, um sie schwarz zu färben, Augen-
schwärze‘ entlehnt.
Die Bez. für das chemische Element nhd.
Stibium n. (chemisches Zeichen: Sb) ‚Antimon‘
ist eine Neuentlehnung des lat. Wortes.

Splett, Ahd. Wb. 1, 937 (stibio); eKöbler, Ahd. Wb. s. v.
stibiīn; Schützeichel⁷ 314 (stibiīn); Starck-Wells 592
(stibiīn); Schützeichel, Glossenwortschatz 9, 214
(stibiīn); Seebold, ChWdW8 280 (stibio); Graff 6, 615
(stiba). – Lüschen 1979: 171 f. 232.

Ebenfalls auf lat. stibium in der mit dem ahd.
Wort vergleichbaren Bed. ‚Antimon [Augen-
schminke]‘ gehen me. stibium ‚Antimon
[Augenschminke]‘, ne. stibium ‚dss.‘ zurück.
Die chemische Bed. ‚Antimon‘ liegt noch in
nndl. stibium vor.

eMED s. v. stibium n.; Klein, Compr. et. dict. of the Engl.
lang. 2, 1513; eOED s. v. stibium n.

Lat. stibium, Nebenform zu lat. stibi (neben
stimmi), das in den rom. Sprachen nur noch
marginal im Frz. in Ableitungen (vgl. u. a. nfrz.
stibié adj. ‚Antimon enthaltend‘) fortgesetzt ist,
ist selbst aus gr. στῖμι (-μμ-) n., auch στῖβι n.,
στῖμις f. ‚Spießglanzerz, schwarze Schminke‘
entlehnt; das Wort stammt aus ägypt. ṣtm, de-
mot. ṣtim, kopt. σθημ, στημ ‚dss.‘.

Frisk, Gr. et. Wb. 2, 799; Chantraine, Dict. ét. gr.² 1021;
Beekes, Et. dict. of Gr. 2, 1406; Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. 2, 591; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.⁴ 648; Wartburg,
Frz. et. Wb. 12, 264. – Lewy 1895: 247.

RS

Information

Band VIII, Spalte 1064

Zur Druckfassung
Zitat-Symbol Zitieren
Symbol XML-Datei Download (TEI)
Symbol PDF-Datei Download (PDF)

Lemma: