sûfan¹
Band VIII, Spalte 1350
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sûfan¹ st.v. II (prät. souf, suffun,
part.prät. gisoffan), seit dem 9. Jh. in Gl. und in
T, OT, bei N: ‚schlürfen, aufsaugen, trinken,
saufen, versinken, schöpfen; bibere, haurire,
mergi, sorbere, sorbilare‘. – Mhd. sûfen st.v.
(prät. souf/sof, suffen, part.prät. gesoffen)
‚schlürfen, trinken, versinken, untergehen‘,
frühnhd. saufen st.v. (prät. sof, soffen, part.prät.
gesuffen) ‚saufen, zechen, schnell und viel
trinken, sich betrinken, trinken, schlürfen,
schlucken‘, nhd. saufen st.v. (prät. soff, soffen,
part.prät. gesoffen) ‚(besonders von größeren
Tieren) (als) Flüssigkeit zu sich nehmen, trin-
ken, in großen, gierigen Schlucken oder ge-
räuschvoll, in unkultivierter Weise größere
Mengen Flüssigkeit trinken, als Getränk zu sich
nehmen, durch Saufen in einen bestimmten
Zustand bringen, Alkohol trinken, (Alkohol)
als Getränk zu sich nehmen, sich durch viel
Alkoholgenuss in einen bestimmten Zustand
bringen, gewohnheitsmäßig Alkohol trinken,
alkoholsüchtig sein‘.

Splett, Ahd. Wb. 1, 959; eKöbler, Ahd. Wb. s. v. sūfan;
Schützeichel⁷ 319 (sūfan²); Starck-Wells 605. 831;
Schützeichel, Glossenwortschatz 9, 314 (sūfan²); Seebold,
ChWdW9 824. 1104; Graff 6, 170; Lexer 2, 1289;
Baufeld 1996: 201; Frühnhd. Wb. s. v. saufen; Diefen-
bach, Gl. lat.-germ. 543 (sorbere); Götz, Lat.-ahd.-nhd.
Wb. 300 (haurire). 402 (mergere); Dt. Wb. 14, 1877 ff.;
Kluge²¹ 627; Kluge²⁵ s. v. saufen; ePfeifer, Et. Wb. s. v.
saufen
. – Zipper 1960: 203. – Braune-Heidermanns
2018: § 333 Anm. 1c. 3a; Paul 2007: §§ L 17. M 71. M
77 Anm. 2.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
mndd. sûpen st.v. (prät. sôp [soep], sōpen,
part.prät. [ge-]sōpen/-sāpen/-soppen) ‚dickflüs-
sige, besonders warme Speise zu sich nehmen,
herunterschlürfen, (Medizin) einnehmen, ein-
schlürfen, beim Essen oder Trinken schlürfen,
Getränke zu sich nehmen, (übermäßig) trinken,
saufen‘; frühmndl. supen st.v. (prät. ‒, ‒,
part.prät. ‒) ‚trinken, schlürfen, eine flüssige
Speise zu sich nehmen‘, mndl. supen st.v. (prät.
zoop, ‒, part.prät. ghesopen) ‚schlürfen, trin-
ken, ein Getränk oder eine flüssige Speise zu
sich nehmen‘, nndl. zuipen st.v. (prät. zoop,
zopen, part.prät. gezopen) ‚saufen‘; nwestfries.
sûpe st./sw.v. (prät. soep/sûpte, sopen, part.prät.
sûpt) ‚saufen‘, saterfries. supe st.v. (prät.
soop, sopen, part.prät. sepen) ‚(Tier) saufen,
(Mensch) alkoholische Getränke pausenlos und
im Übermaß zu sich nehmen‘, nnordfries. süpe
st.v. (ohne Angaben) ‚saufen‘; ae. sūpan st./
sw.v. (prät. sēap, supon/supedon], part.prät. ‒)
‚saufen, schlürfen, trinken, verschlingen‘, me.
sǒupen (soup[p]e, soupon[e], souʒpe, sop[e],
supe[n], sup[pe], frühme. sup[p]an) st./sw.v.
(prät. sop/soupede/supped, part.prät. sope[n]/
sopun/[i]souped/sopid/isupped) ‚trinken, schlu-
cken, in kleinen Schlucken trinken, schmecken,
schlürfen, (übertr.) konsumieren, verschlingen,
zerstören‘, ne. sup sw.v. ‚nippen, in kleinen
Schlucken trinken, löffeln‘; aisl. súpa st.v.
(prät. saup, supo, part.prät. sopinn) ‚saufen,
trinken‘, nisl. súpa st.v. (prät. saup, supum,
part.prät. sopið) ‚trinken‘, fär. súpa st.v. (prät.
seyp, supu, part.prät. sopin) ‚mit einem Löffel
essen‘, adän. subæ, supæ st.v. (prät. ‒, ‒,
part.prät. suben) ‚saufen, trinken‘, ält. ndän.
sube st.v. (prät. søb) ‚dss.‘, nnorw. supe (prät.
saup, part.prät. sope) ‚saufen‘, aschwed. sūpa
st.v. (prät. sø̄p, supu, part.prät. supin [Noreen
(1904) 1978: § 528]) ‚dss.‘, nschwed. supa st.v.
(prät. söp, part.prät. supit) ‚trinken, saufen,
zechen‘, älv. saupa st.v. (prät. sop, part.prät.
supið) ‚saufen, trinken‘: < urgerm. *sūpe/a-.
Im Ostgerm. ist die Wz. lediglich in der Ab-
leitung got. supon* sw.v. ‚salzen, würzen;
ἀρτύειν‘ belegt, das eine Entsprechung in ahd.
soffôn (s. d.) hat.
Unklar ist, ob das *-p- im st. V. den urspr. Kon-
sonantismus der Wz. darstellt. Denn neben den
Formen, die auf urgerm. *-p- weisen (vgl. u. a.
noch ae. sype m. ‚Befeuchtung‘ [< westgerm.
*supi-], aisl. sopi m. ‚Schluck, Trunk‘ [< ur-
germ. *supan-]) und solchen, die eine Intensiv-
bildung mit urgerm. *-pp- aufzeigen (vgl. u. a.
ahd. gisopfa, gisopfo [s. dd.], ae. soppian sw.v.
‚tunken, einweichen‘ [< urgerm. *suppōi̯e/a-]),
stellt man auch Wörter mit *-bb- (u. a. nisl.
subba sw.v. ‚beschmutzen, dreckig machen‘
[< nordgerm. *subbōi̯e/a-]) und *-f- (s. die
Wortgruppe um ahd. sûfil [< urgerm. *sf-]) un-
mittelbar hinzu. In dem Fall müsste das *-p- im
st. V. aus der Intensivbildung mit *-pp- abstra-
hiert sein. Dagegen sah man früher in den ab-
weichenden Lautungen Fortsetzer von zwei se-
paraten Wz. (unterschiedliche Erweiterungen
einer Grundwz. *su-) urgerm. *sup- ‚saufen,
schlürfen‘ und *suf- ‚schlürfen‘ (so etwa Fick 3
[Germ.]⁴ 444. 445).

Denkbar wäre schließlich auch, dass die Lautungen
*-bb- und *-f- durch Analogie nach dem üblichen Muster
des Nebeneinanders in n-haltigen Bildungen von urgerm.
*-f-, *-ƀ-, *-bb-, *-pp- aufgekommen sind.

Fick 3 (Germ.)⁴ 444 f.; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 493;
Seebold, Germ. st. Verben 399 f.; Tiefenbach, As. Hand-
wb. 383 (mit einem ahd. Beleg); Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 3, 619; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 4, 477;
VMNW s. v. supen²; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7, 2430 f.;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 829; Vries, Ndls. et. wb. 872;
Et. wb. Ndl. S–Z 677; WNT s. v. zuipen²; eFryske wb. s. v.
sûpe²; Dijkstra, Friesch Wb. 3, 240; Fort, Saterfries. Wb.²
605; Sjölin, Et. Handwb. d. Festlnordfries. XXXV;
Holthausen, Ae. et. Wb. 307. 330. 340; Bosworth-Toller,
AS Dict. 895. 937 f. 965; eMED s. v. sǒupen v.¹; Klein,
Compr. et. dict. of the Engl. lang. 2, 1543; eOED s. v. sup
v.¹; Vries, Anord. et. Wb.² 530. 562; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 774; Fritzner, Ordb. o. d. g. norske sprog 3, 479. 603;
ONP s. vv. sopi, súpa; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord.
272. 289; Magnússon, Ísl. Orðsb. 988 f. (súpa²); Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 2, 1203; Bjorvand, Våre arve-
ord³ 1216; Torp, Nynorsk et. ordb. 745; NOB s. v. supe²;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 2, 1115 f.; Svenska akad. ordb.
s. v. supa v.; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 461; Lehmann,
Gothic Et. Dict. S-167. – Wissmann 1932: 184 f.

Wegen der obengenannten Problematik bleibt
auch die weitere Etym. unsicher, da urgerm.
*sūpe/a- entweder eine Vorform mit uridg.
*-b- (> urgerm. *-p-) oder mit uridg. *-p- (> ur-
germ. *-f-/-ƀ- → *-p-) fortsetzen kann.
Je nachdem, welche Ansicht man vertritt, ge-
hört das Wort ai. sūpa- m. ‚Brühe, Suppe‘,
das die einzige sichere Entsprechung in einer
außergerm. Sprache ist, entweder zur Wz.var.
urgerm. *sf- und dann nicht unmittelbar zu
urgerm. *sūp- oder es gilt als Beweis, dass die
urspr. Wz.gestalt uridg. *sūp- war.
In neuerer Literatur wird die germ. Wortgruppe
unabhängig von der genauen Lautgestalt als
ein Komp. aus den Wz. uridg. *sh₂eu̯- (oder
*seu̯h₂-?) ‚schütten, regnen‘ (s. sûr¹) und
*peh₃(i̯)- ‚trinken‘ (s. pûzza) betrachtet.
Wenn urgerm. *sūpe/a- aus vorurgerm.
*sūbe/a- stammt, könnte dies dann mit Ent-
wicklung von uridg. *-ph₃- > *-b(h₃)- (vgl. dazu
Cowgill-Mayrhofer 1986: 143 f.) uridg. *súh₂-
ph₃-e/o- ‚Saft/Feuchtigkeit trinken‘ fortsetzen.
In dem Fall kann ai. sūpa- nicht unmittelbar zu-
gehörig sein (erwartbar: ai. *sūba- < uridg.
*suh₂-ph₃-o-), sondern müsste eine andere Ab-
leitung zu *sh₂eu̯- (oder *seu̯h₂-?) fortsetzen.
Die Annahme eines frühzeitigen Laryngal-
schwunds vor der Lautentwicklung *-ph₃- >
*-b(h₃)- (so Kroonen, Et. dict. of Pgm. 493
[aber fehlerhaft: „lack of aspiration in Sans-
krit“]) im ai. Wort würde wiederum die germ.
Form nicht erklären.
Kroonen, a. a. O. 493 geht dagegen davon aus,
dass das germ. st. V. aus der Intensivbildung
urgerm. *supp/bbōi̯e/a- rückgebildet ist. Die
Kürze des Vokals im Germ. erklärt er dabei aus
dissimilatorischem Schwund des ersten Laryn-
gals im Komp., während im Ai. der zweite La-
ryngal geschwunden sei. Dies ist kein überzeu-
gendes Szenario, da man kaum zwei separat
gebildete Komp. in den Vorstufen der einzelnen
Sprachzweige annehmen wird.
Eine Zusammenführung der germ. Formen und
des ai. Wortes wäre einerseits dann möglich,
wenn das -p- in der Vorstufe des Ai. analogisch
nach anderen Bildungen (wie etwa ai. madhu-
pá- ‚Süßtrank trinkend‘) wieder eingeführt ist,
andererseits, wenn man in beiden Fällen vom
Schwund des *-h₃- noch vor der Entwicklung
von *-ph₃- > *-b(h₃)- ausgeht. Im ersten Fall
läge uridg. *suh₂-ph₃- > *suh₂-b(h₃)- > urgerm.
*sūp-, vorurind. *sūb- → (analogisch umgebil-
det) *sūp-, im zweiten Fall uridg. *suh₂-ph₃- →
(mit dissimilatorischem Schwund oder Verlust
im KHG von *h₃) *suh₂-p- > urgerm. *sūf/ƀ-,
vorurind. *sūp- vor. In beiden Fällen ist das
germ. st. V. keine Rückbildung aus dem Inten-
sivum, im letzten Fall aber der Auslautkonso-
nantismus daraus bezogen.

Die Annahme unterschiedlicher Wz.erweiterungen zur
Wz. uridg. *sh₂eu̯- (oder *seu̯h₂-?) erleichtert die Er-
klärung der obengenannten Formen, reißt diese aber aus-
einander.
Die in der Literatur häufig hinzugestellte Wortgruppe
um aksl. sъsati (sъsǫ) ‚saugen‘ gehört zur Wz. uridg.
*seu̯k̂- ‚saugen‘ (vgl. u. a. LIV² 539; Derksen, Et. dict.
of Slav. 482).

Walde-Pokorny 2, 469; Pokorny 913; LIV² 462 f. 545;
Mayrhofer, KEWA 2, 741; ders., EWAia 3, 494. – Müller
2007: 115 f.

RS
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