swedil ?, swedila ?, swedile ? m. a-St.,
f. ō- bzw. jō-St., in Gl. 1,560,2 (um 800, alem.
[Rb]): ‚Umschlag, Wickel; malagma‘. Die
St.klasse bleibt unklar. Die überlieferte Form
ist 〈suuedile〉. Diese lässt sich nur schlecht mit
einem vorliegenden m. a-St. erklären (ein über-
lieferter Dat.Sg. ist an der Stelle kaum wahr-
scheinlich), außer man nimmt an, dass ma-
lagma fehlerhaft als Pl.form aufgefasst wurde
und 〈suuedile〉 ein Nom.Pl. ist (zu -e statt -a in
alten Quellen vgl. Braune-Heidermanns 2018:
§ 193 Anm. 4 b); näherliegend ist der Ansatz als
Fem., entweder als ō-St. mit vereinzeltem, auch
in alten Texten erscheinendem -e (vgl. Braune-
Heidermanns, a. a. O. § 207 Anm. 1) oder als re-
gulärer Nom.Sg. eines f. jō-St, was jedoch von
der Wortbildung her weniger wahrscheinlich
ist. – Von der Form her vergleichbar, aber mit
abweichender Bed., ist dt. dial. rhein. schwedel
m. ‚Weihwasserquast‘ (dazu auch mdartl.
schwedel m./n. ‚Rakete‘?).
Für das Wort wird regelmäßig eine Bed. ‚erwär-
mender Umschlag‘ angesetzt. Diese Bed.an-
gabe scheint dabei mehr von der etym. Erwä-
gung, nämlich als vermutete Ableitung von ahd.
swedan (s. d.), als von der Überlieferung selbst
geleitet, da die anderen zur Glossierung von lat.
malagma verwendeten Wörter (fâska, fâski,
gifâski, lâchintuom, pflastar und salba [s. dd.]),
wie lat. malagma selbst auch, keinen unmittel-
baren Bezug zu der Bed. ‚Wärme‘ zeigen.
Bei den anderen hierher gestellten ahd. Wör-
tern, giswedi, swedî und swedunga (s. dd.), ist
dies dagegen möglich, da sie zur Glossierung
von lat. fōmentum n. ‚erwärmender Umschlag
um einen kranken Teil des Körpers, Bähung,
Bähmittel, Umschlag, Verband für Wunden‘
und fotus m. ‚Bähen (als medizinischer Termi-
nus technicus)‘ dienen; jedoch kann bei lat.
fōmentum das Element der Wärme auch un-
wichtig sein, wie die Glossierungen durch ahd.
fâska, fâski, fâskunga, lâchintuom, lâchituom
und salba (neben bâunga und gibâida) (s. dd.)
zeigen. Nur bei lat. fotus ist die Bed.kompo-
nente der Wärme sicher relevant gewesen, wie
die sonstigen Glossierungen mit ahd. bâunga,
bâizôd und bâizunga (s. dd.) nahelegen, obwohl
das dazugehörige V. lat. foveō ‚wärme, halte
warm, bähe, bade, heile, lasse ruhen, stütze,
halte mich unausgesetzt irgendwo auf, habe
mein Tun und Treiben, hege bei sich, erhalte le-
bendig, hege und pflege, begünstige, unterhalte,
unterstütze‘ außer mit bâen auch mit nerien und
salbôn (s. dd.) glossiert wird.
Schließlich stellt man zu dieser Wortgruppe
(vgl. die Wortfamilienzusammenstellung bei
Splett, Ahd. Wb. 1, 976) auch noch ahd. swidil
m. ‚Binde, Wickeltuch‘ (s. d.), für das zwei mög-
liche Belege in Anspruch genommen werden: a.
Gl. 1,738,1 (Ende des 8. Jh.s; vgl. Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 372) 〈suithelon〉 zur Glos-
sierung von lat. institum n. ‚Band, Binde‘. Da
die Hs. aber (auch?) ae. Wortformen enthält, ist
dieser Beleg (eher?) ae. (vgl. u. a. Schützeichel,
Glossenwortschatz 12, 27 [<sweðel>]; dagegen
nach Kern frk. [Angabe bei F. Holthausen,
AngliaB 19 (1908), 169]; laut Bosworth-Toller,
AS Dict. Suppl. 717 dagegen ahd.); falls das
Wort ae. ist, wäre dessen Ansatz ae. swiþel und
nicht wie üblicherweise sweþel; b. Gl. 3,378,2
(spätes 12. Jh., mfrk.; vgl. Bergmann-Stricker,
Katalog Nr. 726) 〈suiedel (zu seltenem ie für i
vgl. Braune-Heidermanns 2018: § 17, 2 e)〉 zur
Glossierung von lat. flābrum n. ‚Blasen, Wehen
des Windes‘, wozu dt. dial. rhein. schwiddel m.
‚stäuberartige Bürste, Haarpinsel, mit dem der
Bäcker die geformten Brote vor dem Einschie-
ßen in den Backofen bestreicht, leicht anfeuch-
tet mit Wasser oder Eiersalbe‘, Dial. von Ägie-
dienberg šwidǝl (wohl m.) ‚Backofenwischer‘
(Angabe aus J. Müller, ZhdM 5 [1904], 365).
Da lat. institum sonst mit binta und nestila,
flābrum auch mit wadal (s. dd.) glossiert wird,
ist hier sicher keine Verbindung mit der Bed.
‚Wärme‘ vorhanden.
Die genaue Zusammenstellung der Wörter bleibt
daher unklar. Es spricht einiges dafür, dass je-
denfalls swedil ?, swedila ?, swedile ? und swidil
zusammengehören und keine Ableitungen zu
swedan (s. d.) sind. Für giswedi, swedî und
swedunga ist dagegen wegen der Semantik
ahd. swedan als Ableitungsbasis denkbar; je-
doch könnte man diese auch zur ersten Gruppe
stellen und das Element der Wärme durch se-
kundäre Beeinflussung (gedachte Zusammen-
gehörigkeit) seitens des lautlich nahestehenden
swedan aufgekommen sein (diese Bildungen
sind nicht bei Seebold, Germ. st. Verben 496
unter urgerm. *su̯eþe/a- ‚schwelen‘ aufgeführt).
Splett, Ahd. Wb. 1, 976 (swedila); eKöbler, Ahd. Wb.
s. vv. swedil, swedila; Schützeichel⁷ 324 (<swedil>);
Starck-Wells 614 (swedil); Schützeichel, Glossenwort-
schatz 9, 381 (<swedil>); Bergmann-Stricker, Katalog
Nr. 296 (II); Seebold, ChWdW8 289 (swedila oder
swedil); Graff 6, 871 (suedili); Dt. Wb. 15, 2170 f.
2385. – Müller, Rhein. Wb. 7, 2034. 2068. – Riecke 2004:
1, 444. 452. 458. 464; 2, 593.
Ahd. swedil ?, swedila ?, swedile ? < westgerm.
*su̯aþil°- und ahd. swidil < westgerm. *su̯e/iþila-
haben Entsprechungen in: mndl. swadel (n.?)
‚Wickel, Mullbinde‘, nndl. (veraltet) zwadel
(Genus unbekannt) ‚dss.‘; ae. sweþel, sweoþol
m. ‚Binde, Wickel‘, zu möglichem ae. swiþel
s. o., me. swthel (swathul, swadel, swethel,
swedil) ‚dss.‘, ne. swaddle ‚Windel, Wickel-
tuch, Binde, Bandage‘, (veraltet) sweddle
‚dss.‘: < westgerm. *su̯aþa/i/ula- bzw. (für
mutmaßliches ae. swiþel) *su̯e/iþila-.
Die Wörter sind Ableitungen einer Basis ur-
germ. *su̯aþ- bzw. *su̯e/iþ-. Urgerm. *su̯aþ- ist
auch in ae. swađian sw.v. ‚wickeln, einwinden‘,
sweđian sw.v. ‚wickeln, umwinden‘ (vgl. auch
bisweđian sw.v. ‚einwinden‘), me. swthen
(swath[e], swethe) sw.v. ‚wickeln, umwinden,
binden‘, ne. swathe sw.v. ‚umwickeln, einwi-
ckeln, herumwickeln, umgeben, -hüllen, einhül-
len‘ fortgesetzt, das offenbar ein in die Klasse II
gewechseltes ehemaliges sw. V. III westgerm.
*su̯aþai̯-/-i̯e/a- war.
Zu den einzelspr. Entsprechungen von giswedi, swedî
und swedunga s. dd.
Fick 3 (Germ.)⁴ 545; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 7,
2464 f.; Franck, Et. wb. d. ndl. taal² 831 (s. v. zwachtel);
WNT s. v. zwadel; Holthausen, Ae. et. Wb. 333. 336;
Bosworth-Toller, AS Dict. 105. 952; Suppl. 717; Suppl. 2,
58; eMED s. vv. swthel n., swthen v.; Klein, Compr. et.
dict. of the Engl. lang. 2, 1550 (s. v. swaddle v.); eOED
s. vv. swaddle n., sweddle n., swathe v., †swethe v.
Für die o. g. Wortgruppe hat es – sofern man
diese nicht in Beziehung zu ahd. swedan (s. d.)
gestellt hat – zwei etym. Vorschläge gegeben.
Wegen den nahestehenden Bed. ist die An-
nahme am überzeugendsten, dass hier eine Var.
mit s mobile zur Wz. in ahd. wadal (s. d., auch
zur weiteren Etym.) vorliegt (H. Weyhe, PBB
30 [1905], 67), die zu einer Wz. uridg. *u̯i̯ath₂-
‚erschüttern, rütteln‘ (zum Wz.ansatz vgl. Neri
2017: 164–167) gehört; dabei setzt dann west-
germ. *su̯aþ- vorurgerm. *(s)u̯i̯áth₂-, westgerm.
*su̯e/iþ- eher vorurgerm. *(s)u̯íth₂- als (mit
Neoablaut) *(s)u̯i̯éth₂- fort.
Weniger wahrscheinlich ist demgegenüber aus
semantischen Gründen und wegen der dann
notwendigen Wortbildung (Ableitung mit dem
Nomina instrumenti bildenden Suff. *-tlo- mit
sekundärer und sonst nicht nachweisbarer Um-
bildung zu *-þa/i/ula-) die Anbindung an die
Wz. uridg. *su̯eh₁- ‚in Bewegung setzen, antrei-
ben‘ (so Fick 3 [Germ.]⁴ 545).
Walde-Pokorny 2, 550; LIV² 606. 696 (?*u̯i̯eth₂-); Add.
s. v. *su̯eh₁(i̯)- → *su̯eh₁-.
S. wadal.
RS