hâr
Volume IV, Column 826
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hârAWB n. a-St., seit dem 8. Jh. in Gl., bei
N, O, in OT, T, WH: Haar, Haupt-, Körper-
haar, volles Kopfhaar, Borste, Mähne; cae-
saries, capillus, crinis, lanugo, pellicia, pi-
lus, saeta
Var.: -aa-. Der Pl. wird sekun-
där auch mit der als Pl.-Markierung aufge-
faßten Endung der urgerm. *-iz-/-az-Stämme
gebildet: harir (Braune-Reiffenstein 2004:
§ 197; Schatz 1927: § 323); aus dieser Form
erklärt sich der mhd. seltenere Pl. hær(er)
und der frühnhd. seltene Pl. här. – Mhd. hâr
st. n. Haar, nhd. Haar n. beim Menschen
und bei den meisten Säugetieren auf der
Haut wachsendes fadenförmiges, biegsames
Horngebilde
, teils auch f. das einzelne
Haar
.

Ahd. Wb. 4, 708 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 354 f.; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 517; Schützeichel⁶ 149; Starck-Wells
255. XLII; Schützeichel, Glossenwortschatz 4, 168 f.;
Seebold, ChWdW8 154; Graff 4, 981 f.; Lexer 1,
1182
; Götz, Lat.-ahd.-nhd. Wb. 82 (caesaries). 88
(capillus). 160 (crinis). 367 (lanugo). 473 (pelli-
cia[e]). 492 (pilus). 583 (saeta); Dt. Wb. 10, 7 ff.;
Kluge²¹ 278; Kluge²⁴ s. v.; Pfeifer, Et. Wb.² 490.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as., mndd. hār Haar; mndl. haer, nndl.
haar Haar; afries. hēr, nfries. hier Haar;
ae. hǣr, me. hēr, ne. hair Haar; aisl., nisl.,
fär. hár, nnorw. haar, ndän., nschwed. hår
Haar: < urgerm. *χēra-.

Wenig überzeugend ist die von E. Seebold, in Düwel
1994: 71 vorgeschlagene Interpretation von run. harja
(Kamm von Vimose; ca. 150–160 n. Chr.) als Akk.Sg.
eines sonst im Germ. nicht belegten Wortes für
Kamm, das seine nächste Parallele in lit. ers Bor-
ste, Haar
hätte. Denn die Annahme eines Akk.Sg.
(ich habe den Kamm gemacht) ist unwahrscheinlich.
Auch wäre so früh die Sieverssche Variante -ija nach
langer Silbe zu erwarten. Die von A. Kabell, ZDA 102
(1973), 4 vorgeschlagene Deutung als das zu den
Haaren Gehörige
ist mit der Funktion des Suffixes
nicht vereinbar. harja ist vielmehr eine Ableitung von
heri Heer (s. d.).

Fick 3 (Germ.)⁴ 75; Holthausen, As. Wb. 31; Sehrt,
Wb. z. Hel.² 220; Berr, Et. Gl. to Hel. 176; Wadstein,
Kl. as. Spr.denkm. 85. 190; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. 2, 1, 231 f.; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 2,
204 f.; Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 3, 9 ff.; Franck, Et.
wb. d. ndl. taal² 223; Suppl. 63; Vries, Ndls. et. wb.
223; Et. wb. Ndl. F-Ka 360; Holthausen, Afries. Wb.²
42; Richthofen, Afries. Wb. 807 f.; Fryske wb. 8,
322 ff.; Doornkaat Koolman, Wb. d. ostfries. Spr. 2,
37; Dijkstra, Friesch Wb. 1, 514; Holthausen, Ae. et.
Wb. 145; Bosworth-Toller, AS Dict. 501; Suppl. 498;
Suppl. 2, 39; ME Dict. s. v.; OED² s. v.; Vries, Anord.
et. Wb.² 210; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 238 f.; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog 1, 732; Holthausen, Vgl.
Wb. d. Awestnord. 106; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb.
1, 369; Nielsen, Dansk et. ordb. 201; Ordb. o. d.
danske sprog 7, 638 ff.; Torp, Nynorsk et. ordb. 204;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 381; Svenska akad. ordb.
s. v. – Bammesberger 1990: 96.

Die weitere Etymologie von urgerm. *χēra-
ist nicht sicher. Es stehen sich mehrere Vor-
schläge gegenüber:

1. Semantisch naheliegend ist die Verknüp-
fung von urgerm. *χēra- mit lit. ers Bor-
ste, (Tier-)Haar
< *erio- (dazu ablautend
lit. irs Haar < *rio-), lett. sars (pl. sari)
(Schweine-)Borste, Mähne, Haar < *or-
so-. Dazu könnte als Weiterbildung auch die
Gruppe um ahd. hurst Gebüsch (s. d.) ge-
hören. Jedoch bleiben die genauen morpho-
logischen Beziehungen zwischen den unter-
schiedlichen Ablautstufen unklar (so ist die
Annahme einer Vddhi-Bildung im Germ.
nicht zu erweisen, da kein Bedeutungsunter-
schied besteht).

2. Daneben ist eine Verknüpfung mit dem
Verb uridg. *kes- ordnen ( haro) mög-
lich. Denn eine Ableitung mit der Bedeutung
Haar begegnet in dem lat.-germ. VN Has-
dingi die Männer mit dem Frauenhaar mit
-- ( haro). Eine Motivation für die dehn-
stufige Bildung ist aber nicht offensichtlich.

3. Ebenfalls denkbar wäre die Verbindung
mit der Wurzel *er- Kopf, Haupt ( hir-
ni
), entweder als Vddhi-Bildung (was zum
Kopf gehört
) oder als dehnstufige Ableitung
*ēr(h₂)-ó- (vgl. hierzu Nussbaum 1986:
116).

Walde-Pokorny 1, 427; Pokorny 583; LIV² 357;
Fraenkel, Lit. et. Wb. 973; Mühlenbach-Endzelin,
Lett.-dt. Wb. 3, 722.

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