masar
Band VI, Spalte 198
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masarAWB m. a-St., seit der 1. Hälfte des
9. Jh.s in Gl.: ‚Auswuchs, Knorren, Knoten,
Beule, Geschwulst; boletus, enodis, nodus, ru-
pes, suber, tuberVar.: -z-, -ss-; -or, -ir. ma-
zer in Gl. 2,492,3 (12. Jh.) zeigt seltenes -z-
für -s-, auch -ss- für -s- in masser in Gl. 3,
682,15 (11. Jh., mfrk.) kommt nur vereinzelt
vor (Braune-Reiffenstein 2004: §§ 168 Anm.
2. 170 Anm. 2). – Mhd. maser st.m. ‚knorriger
Auswuchs am Ahorn und anderen Bäumen, Be-
cher aus Maserholz‘, frühnhd. maser m. ‚knor-
riger, auch schwammartiger Auswuchs an Bäu-
men, gemasertes Holz‘, nhd. Maser f. ‚unregel-
mäßige, wellige Zeichnung, Musterung in bear-
beitetem Holz‘, nhd. mdartl. noch m. Belege:
schweiz. (regional auch f. und n.), els., tirol.,
hess.-nassau., thür. (auch schon f. Formen),
bad., schwäb., bair., rhein., meckl. Der Genus-
wechsel im Nhd. ist wohl durch fem. Wörter
wie Faser und Maserung verursacht.
Die Krankheitsbez. frühnhd. masern, nhd. Ma-
sern pl.tantum ‚Infektionskrankheit mit hohem
Fieber und rotem Hautausschlag‘ hat ihren
Ursprung im Ndd. Das mit -l-Suffix gebildete
mndd. mas(s)elen ‚Masern, Ausschlag‘ begeg-
net noch heute in lüneb. måß’ln, schlesw.-
holst., meckl., preuß. masseln pl. ‚Masern‘.
Im 16. Jh. erfolgte Angleichung an maser,
wahrscheinlich weil masel f. ‚Pustel, Blut-
geschwulst‘ bereits im 15. Jh. ungebräuchlich
wurde.

Ahd. Wb. 6, 311 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 602; Köbler, Wb.
d. ahd. Spr. 765; Schützeichel⁷ 217; Starck-Wells 403;
Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 291 f.; Bergmann-
Stricker, Katalog Nr. 52. 874; Seebold, ChWdW9 571.
1092; Graff 2, 875; Lexer 1, 2057; Frühnhd. Wb. 9, 1933.
1934 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 600 (tuber); Götz,
Lat.-ahd.-nhd. Wb. 680 (tuber); Dt. Wb. 12, 1700 f.; Klu-
ge²¹ 464 f.; Kluge²⁵ s. v. Maser; Pfeifer, Et. Wb.² 844. –
Höfler 1899: 400 f.; Riecke 2004: 2, 303. – Schweiz. Id.
4, 444 f.
; Martin-Lienhart, Wb. d. els. Mdaa. 1, 717; Ochs,
Bad. Wb. 3, 570; Fischer, Schwäb. Wb. 4, 1512; Schmel-
ler, Bayer. Wb.² 1, 1658; Schöpf, Tirol. Id. 426; Schatz,
Wb. d. tirol. Mdaa. 2, 417; Müller, Rhein. Wb. 5, 924;
Berthold, Hessen-nassau. Volkswb. 2, 268; Spangenberg,
Thür. Wb. 4, 529; Kück, Lüneb. Wb. 2, 361; Mensing,
Schleswig-holst. Wb. 3, 598; Wossidlo-Teuchert, Meckl.
Wb. 4, 1129
. 1130; Frischbier, Preuß. Wb. 2, 54 f.; Rie-
mann, Preuß. Wb. 3, 1143. – Rauch 1995: 107–109.

In den anderen germ. Sprachen entsprechen:
as. masur m. a-St. ‚Schwellung; tuber‘ (Gl.
2,580,29 = WaD 94, 16/17 [10. Jh.]), mndd.
māser ‚gemasertes Holz, Ahorn‘; andfrk. masar
‚Geschwulst, knorriger Auswuchs am Baum‘
(a. 951–1000), mndl. maser m. ‚knorriger Aus-
wuchs am Baum‘; aisl. mǫsurr m. ‚geflammtes
Holz, Waldahorn‘, in den Komp. mǫsur-ker n.
‚Trinkgefäß aus Ahorn‘, mǫsur-skál f. ‚Scha-
le aus Ahornholz‘, ndän. in masret adj. ‚gema-
sert, geflammt‘, nnorw. (nn.) in mosutt ‚dss.‘,
aschwed., nschwed. masur ‚geflammtes Holz‘:
< urgerm. *mas-ara-/-ira-/-ura- ‚Knoten, Ge-
schwulst‘. Das mit -r-Suffix abgeleitete Wort
steht im Ablaut zu urgerm. *māsō- (s. mâsa).
Me. māsr (auch masere, mazere, macer,
mazre) ‚Ahorn, Trinkgefäß aus Ahorn‘, ne.
veralt. mazer ‚Becher, Pokal aus Ahornholz‘ ist
aus afrz. masre, mazre ‚Ahorn, Becher aus
Ahornholz‘ entlehnt (s. u.).

Das Holz des Ahorns wurde im Mittelalter aufgrund
seiner dekorativen Maserung und seiner Härte zur Her-
stellung von Trinkgefäßen, Schalen u. Ä. verwendet.

Fick 3 (Germ.)⁴ 318; Kroonen, Et. dict. of Pgm. 357;
Tiefenbach, As. Handwb. 263; Wadstein, Kl. as. Spr.-
denkm. 207; Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. 2, 1, 922;
Schiller-Lübben, Mndd. Wb. 3, 42; ONW s. v. masar;
Verwijs-Verdam, Mndl. wb. 4, 1204 f.; Franck, Et. wb. d.
ndl. taal² 417 (s. v. mazelen); Vries, Ndls. et. wb. 432
(s. v. mazelen); Et. wb. Ndl. Ke-R 320 (s. v. mazelen);
eMED s. v. māsr n.; eOED s. v. mazer n.¹; Vries, Anord.
et. Wb.² 402; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 677 f.; Fritzner,
Ordb. o. d. g. norske sprog 2, 775; Holthausen, Vgl. Wb.
d. Awestnord. 205; Magnússon, Ísl. Orðsb. 654; Falk-
Torp, Norw.-dän. et. Wb. 1, 704 (s. v. masret); Ordb. o.
d. danske sprog 13, 1076; Torp, Nynorsk et. ordb. 434;
Hellquist, Svensk et. ordb.³ 1, 636; Svenska akad. ordb.
s. v. masur. – Heizmann 1993: 43. 82.

Afrz. masre, mazre selbst ist aus dem Andfrk.
übernommen. Nur einmal belegtes aoitalien.
masero ‚knorriges Ahornholz‘ ist wohl direkt
aus dem Dt. entlehnt. Italien. madroso, matroso
‚Marmor, Stein mit vielen Höhlungen‘, adj.
‚porig‘ ist von frz. madré ‚gemasert, geädert‘
beeinflusst (vgl. Gamillscheg 1970: 326).
Auch für tschech. mosor, mosoř ‚Narbe, Knor-
ren, hölzerner Klotz‘, slowak. mosúr ‚be-
hauener Holzklotz, Holzklotz mit einer Aus-
höhlung, Einschnitt‘, mosar ‚Pockennarbe‘ und
osorb. mosor m. ‚Narbe, Maserholz, Jahresring,
Knorren‘ < urslaw. *mosor- wird Entlehnung
angenommen, und zwar aus ahd. masar (vgl.
Bielfeldt 1933: 200 f.; Schlimpert 1978: 90). Im
Südslaw. erscheint das Wort als slowen. mzar
m. ‚Gefäß zum Abschöpfen von Wein‘. Die
Wiedergabe von dt. -s- durch westslaw. -s- (und
nicht -z-) spricht für eine frühe Übernahme.
Doch war – so Bielfeldt 1933: 26 - das dt. Wort
im Entlehnungsgebiet Sachsen nicht bekannt.
Deshalb kann es sich bei dem slaw. Wort auch
um ein Erbwort handeln (bei Newerkla 2011
sind tschech. mosor und slowak. mosúr nicht
verzeichnet).
Urgerm. *mas-(a/i/u)ra- setzt eine Vorform
vorurgerm. *mǝ́₁s-ro- fort.

Walde-Pokorny 2, 300; Körting, Lat.-rom. Wb.³ Nr.
5987; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.³ Nr. 5389; Wartburg,
Frz. et. Wb. 16, 539; Trubačëv, Ėt. slov. slav. jaz. 20, 21
(Lehnwort aus dem Ahd.); Bezlaj, Et. slov. slov. jez. 2,
197 f.; Schuster-Šewc, Hist.-et. Wb. d. Sorb. 954 f. –
Pronk-Tiethoff 2013: 187 f.

S. mâsa, masala.

MK

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