abbateia
Band I, Spalte 20
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abbateia f. n-St. sämtliche Belege 12. 13. Jh.:
Abtei, abbatia. Var.: abeteia, abteia, -e und
einmal ebedie Junius-Gl. rheinfrk. [s. u.]. Im
Mhd. sind Formen mit dem Suffix -ei(e) so-
wohl wie -îe belegt: vgl. Hugo v. Trimberg, Der
Renner (hrsg. von G. Ehrismann) v. 10867 f.
reien: abbateien neben v. 803 f., und vor allem
E. Kranzmayers scharfsinnige Beobachtungen
zur Steir. Reimchronik Ottokars u. ihre Sprache
(Wien, 1950), 54 f.: so wie dort bald mhd. voge-
teie mit geschreie (8377 f.), bald vogetî(e) mit
reimt (2689 f.), so gilt auch das ältere Abtai
nur bis ungefähr 1350 und seit 1300 daneben
schon das jüngere Abtei (< mhd. -îe)
. Dazu
kommen noch Formen mit Umlaut wie eppetige
aus einer Straßb. Hs. des Predigtmärleins, Ger-
mania 3 (1858), 426 Z. 6. Die nhd. Lautgestalt
ist Abtei sw. f.

Ahd. Wb. I, 12; Starck-Wells 13; Graff I, 92; Schade 1
(st. f.!); Lexer I, 1 und 87; Benecke I, 2 f.; Diefenbach,
Gl. lat.-germ. 1; Adelung, Gr.-krit. Wb. d. hd. Mda. I,
107; Dt. Wb. I, 137; Trübners Dt. Wb. I, 39; Kluge21 5.

Auffallend an der aus lat. abbātia, spätlat. *ab-
bādia entlehnten mhd. Wortform (vgl. das un-
verschobene rheinfrk. ebedie mit Umlaut) ist
das wiederholt bezeugte Suffix -eia (statt īa),
das nur etwa in mhd. turnei n. (und ein paar
Gelegenheitsbildungen wie vogteie [s. o.], gal-
reie, köufeleie) eine Parallele hat. Und gerade
die Herkunft von mhd. turnei aus afrz.
to(u)rnei Turnier läßt vermuten, daß auch bei
spätahd. und mhd. abbateia, abbetei(e) der Ein-
fluß von afrz. abbaie, ab(b)eie (< *abbādia) im
Spiele war; zu bedenken ist allerdings, daß
auch schon im Lat. von Notker Balbulus die
Form abbateia sich findet. Im Engl. beginnen
die Belege erst mit me. abbey(e), abbay(e) und
setzen sich mit abbey ins Nengl. fort, alles ein-
deutige Lehnwörter aus dem mittelalt. Frz.

Thes. ling. lat. I, 49; Du Cange I, 15; Mittellat. Wb. I,
11 f. (auch abbateia!); Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 12
(abbātīa); Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 9 (prov.
katal. span. port. abadia); Wartburg, Frz. et. Wb.
(Neubearb.) XXIV, 15 f.; Gamillscheg, Et. Wb. d. frz.
Spr.2 2; E. Hauler, Arch. f. lat. Lex. 2 (1885), 444.
Grimm, Dt. Gr.a II, 96 Anm.; Wilmanns, Dt. Gr. II
§ 287, 2 Anm.; Weinhold, Mhd. Gr.2 § 259. ME Dict.
AB, 10; OED I, 11.

Doch scheint mit der auf -eia, -eie gebildeten
Entlehnung nicht nur im Mhd. eine Form mit
dem ungleich häufigeren Suffix -ia, -ie zu kon-
kurrieren, sondern auch im Mndd.: abbedīe,
woher mndl. abedīe, nndl. abdij, nfries. abdij so-
wohl wie auch ndän. nnorw. abbedi stammen
dürften; im Schwed. sind Umschreibungen im
Gebrauch wie abbots-, abbedis(s)stift, -kloster,
ähnlich nisl. ábótadæmi, -klaustur.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 1; Schiller-
Lübben, Mndd. Wb. I, 1; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2
7; Vries, Ndls. et. wb. 6; Dijkstra, Friesch Wb. I, 2;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 9; Ordb. o. d. danske
sprog I, 82; Svenska akad. ordb. A8.

S. auch abbat, abbatissa.

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