adamantîn
Band I, Spalte 50
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adamantîn adj. nur einmal belegt bei Notker,
M. Cap.: mit -ero wassun dat.sg.f. adamantini
acuminis (nach Remigius = duri stili) stahl-
hart
. Das Wort wird in derselben Form auch
noch mhd. gebraucht, aber frühnhd. durch de-
manten und nhd. durch diamanten (daneben
veraltet oder poet. noch demanten) mit Dia-
manten besetzt
, übertr. hart, fest, unverletzbar
abgelöst. adamantisc adj. (mehrfach belegt in
den Monseer Gl., einmal adamantisch 12. Jh.,
also frühmhd.) eisern, hart wie Stahl, adamanti-
nus
. Frühnhd. steht daneben demantisch mit
D. besetzt
, übertr. unbeweglich fest; nhd.
scheinen die Formen auf -isch nicht mehr vor-
zukommen.

Ahd. Wb. I, 30; Schützeichel3 2; Starck-Wells 15 (nur
adamantisc); Graff I, 156; Lexer I, 19 f.; Benecke I,
6 f.; Dt. Wb. II, 916 f.

Die beiden Adj. gehören letzten Endes zu lat.
adamas, gen. -ntis, doch zeigt ihre Herleitung
gewisse Unterschiede im einzelnen. Bei ahd.
adamantîn besteht die Möglichkeit, daß es auf
eine (spät)lat. Bildung adamántnus (Thes. ling.
lat. I, 565; Mittellat. Wb. I, 157) zurückzufüh-
ren ist, die ihrerseits von einem gr. adj. ἀδαμάν-
τινος herstammt (Hesych I, 37 Z. 93: ἀδαμάντι-
να στεῤῥά starr, hart, fest), die alte echtlat.
Form ist adamanteus, Leumann, Lat. Laut- u.
Formenlehre 222; in diesem Falle wäre die lat.
adj.-Endung -nus an das langvokalische -în-
Suffix der ahd. Stoffadj. angeglichen worden.
Andererseits ist es, zumal im Hinblick auf ahd.
adamantisc, das nicht als Ganzes entlehnt sein
kann (lat. *adamantiscus ist nirgends belegt),
auch denkbar, daß eine subst. Lehnwortform
adamant- (s. u.) im Deutschen um die für germ.
Stoffadj. überaus häufige Endung -în erweitert
worden wäre (vgl. Kluge, Nom. Stammbildung3
§ 198). Dagegen läßt adamantisc(h) keinen
Zweifel darüber, daß es sich um eine hybride
Bildung aus lat. adamant- und dem germ. adj.-
Suffix *-iska- handelt (Kluge, a.a.O. § 210 f.).

Lat. adamas (auch adamans), -ntis m. Stahl; Ma-
gnetstein
; Diamant ist seinerseits ein Lehnwort aus
gr. ἀδάμας, -ντος, ein direkt vom Stamm gebildetes
Part. zu δάμνημι mit medialer Bedeutung und α-pri-
vativum, also unbezwingbar, wie schon vom Ält. Pli-
nius vertreten: indomita vis Nat. hist. 38, Kap. 15,
57 f. in unbewußter Vorausnahme sprachwiss. Ein-
sichten: gehören doch gr. δαμ-, lat. dom-, urg. *tam-
etc. allesamt zu derselben idg. Wz. *dem- : *dom-
zähmen.

Frisk, Gr. et. Wb. I, 19; Chantraine, Dict. ét. gr. 18;
Boisacq, Dict. ét. gr.4 12; Lex. d. frühgr. Epos I, 137 f.;
Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 8 f.; Schwyzer, Gr.
Gram. I, 526. 682; Troxler, Spr. u. Wortschatz Hesiods
19 ff. (nicht einmal gesagt, ob Stein oder Metall).

Allerdings scheint man mit Rücksicht auf die Bedeu-
tung des Wortes noch immer geneigt, in der gr. Form
die volksetym. Gräzisierung einer nichtidg. Vokabel
zu vermuten; darüber zuletzt Frisk, Gr. et. Wb. III
(Nachtr.) 18 und A. A. Barb, Hommages à Marcel Re-
nard I (Collection Latomus 101: Brüssel, 1969), 6682
(< semit. *’oDäM roter Edelstein: kaum überzeu-
gend).

Über das Fortleben des lat. Subst. in den roman.
Sprachen, seine Verdrängung durch Formen wie frz.
diamant im 12. Jh. (mit dia- schon in spätlat. diamas
unter dem Einfluß von gr. δια- in Bildungen wie δια-
φάνειν durchleuchten), woraus das im Mhd. sich
durchsetzende dîemant, dîamant stammt sowie früh-
nhd. demant, von der Mitte des 18. Jh.s. an Diamant;
dazu die entsprechenden Lehnwörter im Ndd., Ndl.
und in den skand. Sprachen, vgl. Körting, Lat.-rom.
Wb.3 Nr. 159; Meyer-Lübke, Rom. et. Wb.3 Nr. 142;
Wartburg, Frz. et. Wb. (Neubearb.) XXIV, 132 f.;
Gamillscheg, Et. Wb. d. frz. Spr.2 22. 320. Zu den
späteren dt. Formen s. Lexer I, 422. 424; Götze,
Frühnhd. Gl.6 6; Dietz, Wb. z. Luthers dt. Schr. I, 421;
Kluge21 126. Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1,
411; Vries, Ndls. et. wb. 114; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 968; Hellquist, Svensk et. ordb.3 142.

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