ahta
Band I, Spalte 116
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ahta f. ō-St. Überlegung, meditatio; Urteil,
Meinung, iudicium; Ansehen, Achtung, aestima-
tio
; ahtôn Var.: acht-, haht- sw. v. II nach-
denken, überlegen, deliberare, meditare, perpen-
dere
. Mhd. aht(e), ahten; nhd. Acht, achten.

Ahd. Wb. I, 72. 80 ff.; Schützeichel3 3; Starck-Wells
18; Graff I, 105 ff. 108; Schade 7; Lexer I, 30; Be-
necke I, 15 f.; Dt. Wb. I, 165 f. 167 ff.; Kluge21 6; Ra-
ven, Schw. Verben d. Ahd. II, 4 f. E. Öhmann, Neu-
phil. Mitt. 66 (1965), 517 ff.

As. ahtōn, ahtōgean achten auf, erwägen;
mndd. acht(e) f. Aufmerksamkeit, Achtung;
Gerichtsversammlung
, achten glauben, erwä-
gen
; mndl. achte f. Aufmerksamkeit, Überle-
gung
, achten überlegen, meinen; nndl. acht
Aufmerksamkeit, achten überlegen, meinen;
afries. acht(e) f. Gerichtshof, Urteilsvorschlag;
achta, echta sw. v. Rechtsweisung abgeben; ta-
xieren
, achtia sw. v. sich beraten, achtene, ech-
tene f. Rechtsweisungspflicht, Anpfändung, ta-
xiertes Wertobjekt
; ae. eaht, æht f. Überle-
gung
, eahtian erwägen, beachten (me. atlien,
attelen, ettlen intend, plan, arrange; ne. mdartl.
ettle, eckle dss. aus dem Skand. entlehnt); aisl.
ǽtla (< *ahtilōn) meinen, glauben, vorhaben,
nisl. ǽtla, nnorw. etle, esle, nschwed. mdartl.
ättla; aus dem Mndd. entlehnt aisl. akta auf et-
was achten
, nisl. nschwed. akta, nnorw. akte,
ndän. agte.

Diese Formen sind t-Erweiterungen des germ.
Stammes *ah- in got. aha Sinn, Verstand, ah-
jan meinen, inahs verständig, ahma Geist.

Fick III (Germ.)4 13; Holthausen, As. Wb. 1; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 6; Berr, Et. Gl. to Hel. 21; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 4 ff.; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 3 ff.; Verdam, Mndl. handwb. 2; Franck,
Et. wb. d. ndl. taal2 8; Vries, Ndls. et. wb. 7; Holthau-
sen, Afries. Wb. 1; Richthofen, Afries. Wb. 588; W.
van Helten, Zfdt. Wortf. 7 (190506), 270 ff.; Holthau-
sen, Ae. et. Wb. 83; Bosworth-Toller, AS Dict. 226;
Suppl. 165; ME Dict. AB, 492 f.; Björkman, Scand.
Loanwords 173; OED III, 315 f.; Vries, Anord. et.
Wb.2 4. 682; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 82 f. 937; Holt-
hausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 2. 355; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 17. 1415; Torp, Nynorsk et. ordb.
91; Hellquist, Svensk et. ordb.3 7. 1450; Fischer,
Lehnwörter d. Awestnord. 27; Feist, Vgl. Wb. d. got.
Spr. 15.

Außergerm. Beziehungen sind unsicher. Die
wegen der Bed. auf der Hand liegende Ablei-
tung von der idg. Wz. *ok- (**H3ek-) se-
hen, Auge
in gr. ὄμμα (< *ὄπμα < idg. *ok-
m) Auge, ὄσσε (< *oke) die Augen
(Dual)
; ὄσσομαι (< *oko-) ich sehe, ahne
usw. scheint durch got. aha statt *aƕa wider-
legt zu sein, obgleich in allen anderen Wörtern
Verlust des Labialelements ganz in Ordnung
wäre ( agawisfirinri, ouga und vgl. Zupitza,
Germ. Gutturale 72; H. Osthoff, IF 27 [1910],
175; Streitberg, Urg. Gr. § 117, 4, 2: idg. k >
germ. h vor idg. o und ō, germ. u und ū, sowie
vor Konsonanten und im Auslaut
; Brugmann,
Grdr.2 I § 674. 682). Nach Zupitza, Germ. Gut-
turale 72, hat got. aha bloßes h statt ƕ nach ah-
jan (man könnte wohl auch ahma hinzufügen),
was Walde-Pokorny für nicht wahrscheinlich
halten (I, 169); dennoch konnte diese Analogie
vielleicht dadurch gefördert werden, daß sonst
*aƕa Sinn, Verstand und aƕa Fluß homonym
gewesen wären.

Verlust des Labialelements vor idg. * in einigen Ka-
susformen und analog. Verbreitung durch die ganze
Dekl. (vgl. H. Osthoff, PBB 8 [1882], 261 f., der Ähn-
liches für Auge vorschlägt) ist auch möglich, aber
angesichts der vielumstrittenen Endungen der n-St.
(bes. im nom. sg.) schwer zu beweisen.

C. C. Uhlenbeck, PBB 27 (1902), 115, hat ur-
germ. *ah- zu gr. ὄκνος Bedenklichkeit, Zau-
dern
(urspr. Bed. Überlegung, Nachsinnen?),
ὀκνέω zaudere gestellt, eine Etymologie, die
auch von Walde-Pokorny I, 169, Pokorny 774,
Kluge21 6 (der auch toch. B āks- wach sein
hierher stellt; s. auch Windekens, Lex. ét. tokh.
11; anders, Le tokharien 159), Vries, Anord. et.
Wb.2 682, Jóhannesson, Isl. et. Wb. 82 f. u. a. ge-
billigt wurde. Dann müßte man eine idg. Wz.
*ok- überlegen neben *ok- ansetzen. E.
Benveniste, BSLP 35 (1935), 102 f., hat aber
versucht, gr. ὄκνος mit heth. ikniyant- lahm
zu verbinden (< heth. *ekn- im Ablaut zu gr.
*okn-), was die Bedeutungsentwicklung von gr.
ὄκνος ganz anders gestalten und eine Verbin-
dung mit germ. *ah- ausschließen würde. Seine
Etymologie hielt G. Neumann, Unters. z. Wei-
terleben heth. u. luw. Sprachgutes 20, für erwä-
genswert, wenn auch nicht ... positiv entscheid-
bar
; dagegen Tischler, Heth. et. Gl. 350; Puh-
vel, Hitt. Et. Dict. III, 354; W. Cowgill (briefl.),
E. Hamp (briefl.). Deshalb muß die Etymologie
von gr. ὄκνος unsicher bleiben (Frisk, Gr. et.
Wb. II, 373 f.: isoliert; Chantraine, Dict. ét. gr.
790: ét. obscure).

Fr. Specht hat zweimal versucht, das Problem von
germ. *ah- zu lösen: zuerst in Voretzsch-Festschrift 42,
wo er got. aha und ahma als Sprachformen eines
einzigen Paradigmas
deutet, eine Erklärung, die er
später, Zfvgl. Spr. 62 (193435), 210 ff., zurückgenom-
men hat. Ebenda hat er aufgrund von akymr. ocet
Egge zu beweisen versucht, daß die idg. Wz. mit der
Bed. Auge beide Formen, sowohl *o- wie *ok-
aufweise. Da aber ocet eher zur Wz. *a- scharf ge-
hört, ist auch dieser Versuch als mißlungen zu be-
zeichnen (Pokorny 22: unglaubhaft).

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