ahto
Band I, Spalte 120
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ahto Kard.zahl acht Var.: ahtu [Tat.; vgl.
Sievers, Tatian LXVI], -e, flekt. -ouuiu, -ouuen,
-en; hatt, hatouui. Mhd. aht, nhd. acht.

Ahd. Wb. I, 78 f.; Schützeichel3 3; Starck-Wells 18;
Graff I, 138; Schade 7; Lexer I, 29; Benecke I, 14; Dt.
Wb. I, 164 ff.; Kluge21 6. Braune, Ahd. Gr.13 § 271
Anm. 2. 4.

Dieses uralte Zahlwort ist in allen germ. Spra-
chen vorhanden: as. ahto, mndd. acht(e); mndl.
achte, nndl. acht; afries. achta (acht[e]); ae.
eahta (northumbr. flekt. æhtowe usw.), me.
eighte (eghte, aghte, aughte), ne. eight; aisl. nisl.
átta, adän. āttæ, ndän. otte, nnorw, åtte (otte),
aschwed. ātta, nschwed. åtta, got. ahtau, krim-
got. athe.

Fick III (Germ.)4 8; Holthausen, As. Wb. 1; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 6; Berr, Et. Gl. to Hel. 20 f.; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 3; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 3; Verdam, Mndl. handwb. 2; Franck,
Et. wb. d. ndl. taal2 8; Vries, Ndls. et. wb. 7; Holthau-
sen, Afries. Wb. 1; Richthofen, Afries. Wb. 587; Holt-
hausen, Ae. et. Wb. 83; Bosworth-Toller, AS Dict.
226; Suppl. 165; ME Dict. EF, 42; OED III, 62;
Vries, Anord. et. Wb.2 17; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 84;
Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 803; Torp, Nynorsk et.
ordb. 13; Hellquist, Svensk et. ordb.3 1428; Feist, Vgl.
Wb. d. got. Spr. 18; Stearns, Crimean Gothic 129.

Die besonders aus got. ahtau und den ahd. so-
wie northumbr. flekt. Formen mit -w- (ah-
touuiu usw.) zu erschließende urg. Grundform
*ahtau hat zahlreiche Parallelen in den anderen
idg. Sprachen: aind. aáu, a; av. ata; gr.
ὀκτώ; lat. octō; alb. tetë (< *oto-tā-; über alb.
*-tā- s. E. Hamp, Word 17 [1961] 101 ff.); arm.
utˁ (wahrsch. aus *optō mit p von *septṃ́ über-
nommen); aksl. aruss. osmь (nach dem Ordinale
osmъ umgebildet; s. aber W. Winter, Beeler-
Festschrift 489 f.), russ. vosem’ (mit einzel-
sprachlichem v); lit. atuonì, lett. astuôi; air.
ocht n- (mit einem im Sandhi auftretenden Na-
sal in Analogie zu secht n- [vgl. lat. septem], nōi
n- [vgl. lat. novem]), kymr. wyth, korn. eath,
abret. eith, bret. eiz (< *oχtī, mit -ī < *-ǖ <
*-ū < *-ō); toch. A okät, B okt, ok- (in Zss.).

Walde-Pokorny I, 172 f.; Pokorny 775; Mayrhofer,
K. et. Wb. d. Aind. I, 63; Bartholomae, Airan. Wb.
260; Boisacq, Dict. ét. gr.4 696; Frisk, Gr. et. Wb, II,
374 f.; Chantraine, Dict. ét. gr. 790 f.; Walde-Hof-
mann, Lat. et. Wb. II, 199 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.4 457 f.; Meyer, Et. Wb. d. alb. Spr. 428; N. Jokl,
Idg. Jb. 23 (1939), 225 § 173; Hübschmann, Arm. Gr.
483 f.; Meillet, Esquisse d’une gramm. comp. de l’arm.
class. 32; ders., MSLP 17 (191112), 288 f.; H. Peder-
sen, Zfvgl. Spr. 39 (1906), 349 f.; Brugmann, Grdr.2 I
§ 140 Anm.; II, 2 § 12; Trautmann, Balt.-Slav. Wb.
15 f. (s. v. ama-); Miklosich, Et. Wb. d. slav. Spr. 228
(s. v. ost-); Vasmer, Russ. et. Wb. I, 231; Fraenkel, Lit.
et. Wb. 19 f.; Vendryes, Lex. ét. de l’irl. anc. O-6 f.;
Pedersen, Vgl. Gr. d. kelt. Spr. I, 123; Fleuriot, Dict.
des gl. en vieux breton 156; Windekens, Lex. ét. tokh.
78; ders., Le tokharien I, 37. 53. 55. 79. 85.

Die idg. Grundform *otō() (**H3eteH2[]),
oder nach Szemerényi, Stud. in IE Numerals
173 f., *ot() (d. h. zwei urspr. Varianten *o-
t, *otō, und eine sekundär entstandene
Form mit langem -ō, unter dem Einfluß von
-ō), nach A. Martinet, Word 9 (1953), 253 ff.
*oteAw (Aw = Laryngal; zum palatalen s.
Szemerényi, Syncope in Gr. and IE 399 f.) war
offenbar ein alter Dual, aber Entstehung und
urspr. Bedeutung sind ganz unsicher (vgl. auch
R. Hiersche, Zfvgl. Spr. 78 [1963], 155 f.).

Die meisten Erklärungsversuche gehen von der Bed.
zwei Vierer aus (nur A. Cuny, tudes prégrammatica-
les [1924], 21 ff., schließt den Begriff vier aus und
deutet *o-t-(o) ganz einfach als acht, während die
-w-Endung bloß eine gerade [d. h. durch zwei teil-
bare] Zahl
bezeichnen soll, wie auch in dem Wort
für vier *kwet-w-ores [!]; eine Erklärung, die ohne
weiteres abzulehnen ist). Sowohl O. Bremer, Streit-
berg-Festgabe (1924) 20, wie auch viel später E. A. Eb-
binghaus, PBB 72 (1950), 319 f., versuchen, die idg.
Wörter für vier und acht auf dieselbe Grundform
zurückzuführen: nach Bremer *oketo-, nach Ebbing-
haus *ékьtu- (unglaubhaft). F. Muller, IF 44 (1926),
137 f. spricht dagegen von zwei Spitzenreihen, wobei
der idg. Singular *oke-tom die vier Fingerspitzen
(ohne den Daumen)
bedeutete und zur Wz. *a-,
*o- scharf, spitz gehöre. Er erwähnt auch, wie spä-
ter P. Kretschmer, Glotta 19 (193031), 211, eine
mögliche Verbindung mit idg. *oetā Egge. H. Gün-
tert, WuS 11 (1928), 142, geht von derselben Wz. aus,
deutet das Wort für acht aber als ein gedoppeltes
Spitzenzeichen
, d. h. ein Hakenkreuz, das acht Teile
besitzt. W. B. Henning, TPS 1948, 69, findet den Kern
des Wortes in av. ati- ein Längenmaß, die Breite von
vier Fingern
und uz-ati- die Breite von acht Fin-
gern
, ohne eine sichere Etymologie für diese Wörter
angeben zu können (vielleicht von ders. Wz. *a- ?).
Diese sehr plausible Anknüpfung wird aber durch H.
W. Bailey, Asia Major N. S. 7 (1959), 23 fn. 21, in
Frage gestellt, der av. ati- von einer Wz. *as- to ex-
tend up to, reach
ableitet.

Nach V. Pisani, Rendiconti d. R. Accad. naz. d. lincei,
cl. di sc., mor., stor. et fil. Ser. 6, v. 8 (1932), 165, han-
delt es sich nicht um eine Dual-, sondern um eine Lo-
kativbildung, eine Zahl, die auf dem hervorstehenden
Finger steht
. Unwahrscheinlich.

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