ahtdo
Band I, Spalte 123
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ahtdo Ord.zahl der achte, octavus Var.:
ahtu- in Tatian, korr. in ahto- (daß der Mittel-
vokal wenigstens zum Teil noch lang war, be-
weist Notkers gelegentliche Schreibung mit -ô-
[6mal]). Mhd. ahtode, ahtede, ahte; auch ah-
tunde, -onde, -ende (nach sibende); nhd. achte
(früher auch achtende, achteste).

Ahd. Wb. I, 79; Schützeichel3 3; Starck-Wells 18;
Graff I, 138; Schade 7; Lexer I, 31; Benecke I, 14; Dt.
Wb. I, 167 (achte). 169 (achtende); Kluge21 6; Wein-
hold, Alem. Gr. 309.

Wie im Deutschen sind auch in den anderen
germ. Sprachen analogische Formen neben den
regelrechten entstanden, bes. unter dem Einfluß
von 7. und 9. oder aber nach den Superlativen
in -st-; solche Formen sind im Folgenden in
Klammern gesetzt: as. ahtodo, mndd. achtede,
achte, (achtedeste, achteste); mndl. acht(t)e, (ach-
tende), nndl. (achtste); afries. achta, (achtunda,
-enda); ae. eahtoða, -eða, æhtoða, me. eight(e)the
usw. (auch eightend < anord. *ahtandi), ne.
eighth; aisl. átti, (áttandi, nisl. áttundi; nnorw.
åttende, ndän. ottende, aschwed. āttunde,
nschwed. åttonde); got. *ahtuda [nur dat. sg. m.
ahtudin Luk. 1, 59].

Fick III (Germ.)4 8; Holthausen, As. Wb. 1; Sehrt,
Wb. z. Hel.2 6; Berr, Et. Gl. to Hel. 21; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 5 f.; Verdam, Mndl.
handwb. 2. 6; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 8; Vries,
Ndls. et. wb. 7; Holthausen, Afries. Wb. 2; Richtho-
fen, Afries. Wb. 588; Holthausen, Ae. et. Wb. 83; Bos-
worth-Toller, AS Dict. 226; Suppl. 165; ME Dict.
EF, 42. 43; OED III, 63; Vries, Anord. et. Wb.2 17;
Jóhannesson, Isl. et. Wb. 84; Holthausen, Vgl. Wb. d.
Awestnord. 8; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 803;
Torp, Nynorsk et. ordb. 13 (s. s. v. aatte); Hellquist,
Svensk et. ordb.3 1428; Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 18
(ahtau).

Die Ordinalien in den idg. Sprachen zeigen ver-
schiedene Suffixe; man vgl. die Wörter für 8.:
aind. aama-, gr. ὄγδο[ϝ]ος, lat. octāvus, lit.
veraltet und mdartl. ãmas (jetzt stuñtas), aksl.
osmъ usw. Ahd. ahtdo ist eine Ordinalbildung
zu ahto (s. d.) mit dem germ. Suffix *-þa- (auch
*-đa-, s. u.), idg. *-to-, das nach Szemerényi,
Stud. in IE Numerals 90 ff. 94, in dem idg. Wort
für 10. *det-ó- seinen Ursprung hatte,
schon spätidg. auf 5. und 6. übergriff und
sich im Germ. über die ganze Reihe von 4. bis
10. ausbreitete. Nur das Toch. zeigt eine ähn-
liche Verallgemeinerung dieses Suffixes (toch.
B oktante ist aber auch von suktante beeinflußt;
vgl. A. Meillet, MSLP 17 [191112], 282.
288 f.). Nach Benveniste, Noms d’agent 144 ff.
handelt es sich dagegen um ein idg. Suffix *-to-
mit der Bed. Abschluß einer Reihe, das auch
im Superlativ und im Part. Perf. vorkommt.

Anders Brugmann, Grdr.2 II, 2 § 46, der das Suffix
von den Zahlsubstantiven auf -t- (II, 2 § 15) ableitet.
Zur Entwicklungsgeschichte der idg. Ordinalien s.
bes. Szemerényi, a.a.O.; F. Sommer, Sitz.ber. d. Bayer.
Akad. d. Wiss. 1950, Nr. 7; H.-Fr. Rosenfeld. Wiss. Zs.
d. Univ. Greifswald, Gesellsch. u. sprachwiss. Reihe,
Jg. 6 (195657), Nr. 3, 178 ff. S. auch E. Hamp, Foun-
dations of Lang. 11 (1974), 463 f.; W. Winter, Beeler-
Festschrift 487 ff.

Gram. Wechsel des Ordinalsuffixes kommt so-
wohl in den verschiedenen germ. Sprachen als
auch innerhalb des Ahd. vor: *-þa- < *´-to-
wie ahd. ahtdo: ae. eahtoða (auch ahd. fiordo
4.); mit *-đa- < *-tó-: as. ahtodo, got. *ahtuda
(vgl. ahd. sibunto 7., niunto 9.). Zum Wechsel
s. Prokosch, Comp. Gmc. Gr. § 100.

Got. ahtudin hat wohl langes -ū-, das für -ō-
geschrieben wurde, wie ūhtēdun für ōhtēdun
(Mk. 11, 32), supūda für supōda (Mk. 9, 50)
usw. Vgl. Szemerényi, a.a.O. 88 f.; etwas anders
Brugmann, IF 6 (1896), 90 Anm. 2 (ū < idg. ọ̄
< ōu vor Konsonanten); O. F. Jones, Lang. 34
(1958), 35 f. (got. u geschrieben für au).

Ob got. *ahtōda aus *ahtō + đa- oder *ahtōw +
đa- besteht (vgl. ahtau), läßt sich kaum unterschei-
den, da germ. haupt- oder nebentoniges ōw vor Kon-
sonanten wohl zu ō wurde (vgl. stauida aber stōjan).
Weniger wahrscheinlich sind Versuche, got. *ahtda
entweder auf eine idg. Tiefstufe *otu- zu *otō-
zurückzuführen (wie z. B. R. Meringer, Zfvgl. Spr. 28
[1887], 232; A. Meillet, BSLP 29 [192829], 32; F.
Sommer, a.a.O. 25) oder einer partiellen Assoziation
an die nachbarlichen Ordinalia zuzuschreiben (wie
z. B. W. van Helten, IF 18 [190506], 125). Verglei-
che mit der einmaligen Variante ahtuden im ahd. Ta-
tian (wie bei van Helten, a.a.O.; Th. Frings, PBB 84
[Halle, 1962], 42 Anm. 41) beweisen überhaupt
nichts, denn diese Form, wie auch ahtu neben ahto,
zeigt nur den in diesem Werk geläufigen Wechsel von
und in Bildungssilben (vgl. Sievers, Tatian, LXVI
f.). Auch lit. atuñtas und gall. oxtūmetos sind einzel-
sprachliche Bildungen, die mit dem got. Wort nicht
unmittelbar zu vergleichen sind (trotz Feist, a.a.O.
18; A. Meillet, BSLP 29 [192829], 32; Trautmann,
Balt.-Slav. Wb. 15; Fraenkel, Lit. et. Wb. 20; H.-Fr.
Rosenfeld, a.a.O. 184 f.).

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