amma
Band I, Spalte 205
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amma f. n-St. Amme, Ernährerin, Ziehmut-
ter, nutrix
; nur in Glossen und bei Notker be-
legt. Mhd. amme sw. f. Mutter, Amme, Pflege-
mutter, Hebamme
. Nhd. Amme f.

Ahd. Wb. I, 326; Schützeichel3 6; Starck-Wells 24;
Graff I, 251; Schade 14; Lexer I, 52; Nachtr. 20; Be-
necke I, 30; Dt. Wb. I, 278; Kluge21 18.

Das Wort kommt mndd. mndl. afries. als amme
vor; aisl. nisl. amma hat aber die abweichende
Bed. Großmutter (aschwed. amma, nnorw.
ndän. amme haben ihre Bed. Amme wohl vom
Dt.). Das Wort wird as. und got. nicht belegt
und fehlt im Engl.

Fick III (Germ.)4 16; Lasch-Borchling, Mndd.
Handwb. I, 1, 72; Verdam, Mndl. handwb. 39; Holt-
hausen, Afries. Wb. 3; Richthofen, Afries. Wb. 602;
Vries, Anord. et. Wb.2 8; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 23;
Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 4; Falk-Torp,
Norw.-dän. et. Wb. 24; Torp, Nynorsk et. ordb. 3 f.;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 16 f.

Urspr. ein Kinderwort (Lallwort) wie mama,
erscheint es (in der Form amma oder ama und
in Ableitungen) in verschiedenen idg. Sprachen:
gr. ἀμμά(ς), ἀμμία Mutter, Amme; vulg. lat.
*amma > span. port. ama Amme, Wärterin,
Haushälterin, Hausfrau
(und daraus ein Mask.
amo Hofmeister, Hausherr); auch vulg. lat.
amma eine Art Eule (Isidor, Etym. 12, 7, 42
und Glossen; vgl. J. Sofer, Glotta 17 [192829],
17 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 28; Körting,
Lat.-rom. Wb.3 Nr. 604); osk. Ammaí, *Ammae
Matri (Göttername); alb. amë, ëmë Mutter
(daraus nach C. Tagliavini, Pedersen-Festschrift
162 ff. auch Flußbett, Bodensatz von Flüssig-
keiten
); mir. ammait altes Weib, Hexe; viel-
leicht auch aind. amb Mutter, mit -mb- aus
der géminée expressive -mm- (A. Meillet,
BSLP 34 [1933], 1 ff.): eine ähnliche Entwick-
lung findet man in lit. amba, lett. amma, amba,
emba Amme, die aus dt. Amme entlehnt sind
(vgl. Fraenkel, Lit. et. Wb. 9; P. Kretschmer,
Zfvgl. Spr. 57 [1930], 251 ff.).

Nach Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I, 45, ist aind.
amb viell. aus den dravid. Spr. entlehnt; kaum, wie
Kretschmer a.a.O. meint, ein kleinasiatisches Lehn-
wort.

Toch. B ammakki (voc. sg.) Mütterchen gehört viell.
hierher: *amma + *akki = aind. akkā Mutter (so
Windekens, Lex. ét. tokh. 3 f.), kann aber ein asiati-
sches Lehnwort sein (so Windekens, Le tokharien I,
621).

Von einer Nebenform *am abgeleitet sind
wohl lat. amita Tante (> afrz. ante > ne.
aunt; mit Antizipation des t in der Kinderspra-
che nfrz. tante > nhd. Tante), amīcus Freund;
von *amoi viell. amoenus lieblich, reizend, an-
genehm
(A. Zimmermann, Zfvgl. Spr. 44 [1911],
368 f.; 47 [191516], 174).

Etwas bedenklich scheint die Ableit. von lat. amāre
lieben aus *am(m)a (trotz Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. I, 40; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4 29; Pokorny
36 u. a.), aber eine bessere Etymologie fehlt; etruski-
sche Herkunft (so P. Kretschmer, Glotta 13
[192324], 114 f.) ist noch bedenklicher.

Walde-Pokorny I, 53; Pokorny 36; Frisk, Gr. et. Wb.
III, 29; Chantraine, Dict. ét. gr. 76; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. I, 39 ff.; Ernout-Meillet, Dict. ét. lat.4
28 f.; Körting, Lat.-rom. Wb.3 Nr. 604; Meyer-Lübke,
Rom. et. Wb.3 Nr. 424. 425; Meyer, Et. Wb. d. alb.
Spr. 10; Fraenkel, Lit. et. Wb. 9; Vendryes, Lex. ét. de
l’irl. anc. A67. Brugmann, Grdr.2 II, 1, § 379 (S.
496).

In manchen heutigen dt. Mdaa. hat Amme die
Bed. Hebamme ( hevianna und vgl. die
Karte Hebamme bei Mitzka-Schmitt, Dt.
Wortatlas 5); im Schwäb. und in einigen alter-
tüml. bair. Mdaa. bedeutet es Mutter (vgl. Fi-
scher, Schwäb. Wb. I, 167; Schmeller, Bayer.
Wb.2 I, 74 f.; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in
Österr. I, 178; Schöpf, Tirol. Id. 13).

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