angar²
Band I, Spalte 247
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angar2 m. a-St. fünfmal bezeugt, nur in Gl.,
einmal höchstwahrscheinlich as. (Gl. 2, 497, 61
= Wadstein, Kl. as. Spr.denkm. 85, 30) abge-
grenztes (ungepflügtes) Grasland, Spielplatz,
Marktplatz, arva pl., acta, forum
Var.: angir
11. Jh.. Mhd. anger st.m. (auch f.) bes. oft in
lyr. Dichtung, nhd. Anger m., meist veraltet
oder poet.

Ahd. Wb. I, 518; Starck-Wells 28; Graff I, 350;
Schade 19; Lexer I, 70 f.; Dt. Wb. I, 348; Kluge21 22.

Germ. Entsprechungen von ahd. angar2 schei-
nen auf dt., ndl. und skand. Gebiet beschränkt:
as. angar(? s. o.), mndd. mndl. anger Grasland;
anord. -angr als zweites Komp.glied (etwa in
kaupangr Marktflecken, gen. -rs) und in
Fjordnamen wie Harðangr, Stafangr, nisl. angur
enge Bucht (veraltet); auch sonst in skand.
ON: schwed. Harmånger, Ångermanland u. a.
Im appell. Gebrauch entspricht anord. eng f.
(< *angjō), engi n. (< *angja) Wiese, Gras-
land
, nnorw. ndän. eng, nschwed. äng dss. (so-
wie als Lehnwort ing im Engl.); ferner eng, enk
im Mndl. und Nndl. Nimmt man noch den
westgerm. VN Angrivarii Engern (Tacitus,
Germ. Kap. 33 f.) dazu und deutet ihn als Wie-
senbewohner
(Hoops Reallex. I, 105; Bach, Dt.
Namenkunde I § 173, 1 c; Schönfeld, Wb. d.
agerm. PN 21 f.), so darf man trotz der spärli-
chen Zeugnisse eine germ. Grundform *angra-
(*angri[a]-) erschließen. Wenn es zutrifft, daß
ahd. angar2 im Laufe des Mittelalters die spe-
zielle Bedeutung zum Herrenhof gehöriges
Wiesland
erhielt, so erklärt sich sein weitge-
hendes Erlöschen als Appell. mit dem Wandel
wirtschaftlicher Rechtsverhältnisse (s. u.).

Fick III (Germ.)4 12; Holthausen, As. Wb. 3; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 87; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. VI, 17 f.; Verdam, Mndl. handwb. 41;
Vries, Anord. et. Wb.2 10 (angr). 102 (eng); Jóhannes-
son, Isl. et. Wb. 27; Fritzner, Ordb. o. d. gamle norske
sprog II, 266; Holthausen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 5
(angr). 50 f. (eng[rir]); Falk-Torp, Norw.-dän. et.
Wb. 194 (eng); Torp, Nynorsk et. ordb. 89; Hellquist,
Svensk et. ordb.3 1422. S. auch O. Rygh, Unger-Fest-
schrift 6778.

An außergerm. Anknüpfungen bietet sich mit
-r-Erweiterung nur lat. ancrae pl. convalles vel
arborum (lies arvorum?) intervalla
(Festus-
Paulus 11), durch gr. ἄγκεα pl. glossiert, dazu
ohne -r- aind. ákas n. Biegung, Krümmung,
sowie gr. ἄγκος n. Tal, Schlucht, die alle drei
auf die idg. Wz. *ank- (**H2enk-) biegen zu-
rückgeführt werden. Zur Erklärung des Bedeu-
tungswandels sei auf as. wang Feld, Aue, eigtl.
Wölbung, Krümmung: dt. Wange und dgl.
verwiesen.

Walde-Hofmann, Lat. et. Wb. I, 45; Ernout-Meillet,
Dict. ét. lat.4 32; Thes. ling. lat. II, 31 (ancra); Körting,
Lat.-rom. Wb.3 Nr. 635 (span. port. angra Bucht);
Mayrhofer, K. et. Wb. d. Aind. I, 10 f.; Frisk, Gr. et.
Wb. I, 10; Chantraine, Dict. ét. gr. 10 f.; Boisacq, Dict.
ét. gr.4 7; Walde-Pokorny I, 61; Pokorny 45 f.

Mundartlich ist das Wort heute im südwestl. Obd.
und im Westmd. meist überhaupt nicht oder als ar-
chaisch, oft nur noch in Flurnamen verzeichnet, wäh-
rend es im Bair., Ostmd. und Teilen des Ndd. vielfach
als durchaus lebendig gemeldet wird. Vgl. Fischer,
Schwäb. Wb. I, 207 f.; Müller, Rhein. Wb. I, 191;
Christmann, Pfälz. Wb. I, 239; Maurer-Mulch, Süd-
hess. Wb. I, 248. Dagegen Müller-Fraureuth, Wb. d.
obersächs. Mdaa. 21; Jungandreas, Ndsächs. Wb. I,
356; Kück, Lüneb. Wb. I, 70. Zur geogr. Verteilung
s. auch R. Holsten, ZMF 15 (1939), 39 ff. und (stark
modifizierend) K. Bischoff, Nd. Korresp.bl. 53 (1940),
1 ff.

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