anka¹
Band I, Spalte 258
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anka1 f. n-St. Hinterhaupt, Nacken, occipi-
tium, testa
; (einmal) Glied, membrum sechs
Belege in den Gl., alle obd. (vielleicht außer ei-
nem), viermal mit -ch- geschrieben, einmal je
mit -c- und mit -h- für die gutturale Affrikata
nach n; s. Braune, Ahd. Gr.13 § 144 und Anm. 2
und 4. Mhd. anke wird bei Lexer und Be-
necke als sw.m. angesetzt; in der Gegenwarts-
sprache wird Anke, das nur noch regional gilt,
mit schwankendem Genus gebraucht (s. u.).

Ahd. Wb. I, 528 f.; Starck-Wells 29; Graff I, 345;
Schade 20; Lexer I, 74; Benecke I, 46; Dt. Wb. I, 378;
Kluge21 166.

Formal gehört hierher auch das nur einmal (in der
sehr fehlerhaften Hs. Clm. 14689) belegte ahd. en-
chun = talos Fußknöchel akk. (dat.?) pl., Gl. 1, 419,
25 (11./12. Jh., bair./alem.), falls nicht Verschreibung
für das ahd. enchilun der Parallelhs. Wien 2723 vor-
liegt. Kontamination aus anka und enkil, wie Ahd.
Wb. III, 294 vorgeschlagen wird, ist wenig überzeu-
gend; viel wahrscheinlicher der Ansatz einer -jōn-Va-
riante enka (< *ank[k]jōn). Dem wäre formal am
nächsten verwandt das nur einmal in der anord. Skal-
dik im Sinne von Ferse belegte ekkja (< *ankjōn),
dessen Homonym Witwe bedeutet (< *ain[a]kjōn)
und so den Dichter Egill zu einem Wortspiel gereizt
hat (Lausavísa 46, 58 und Snorra Edda I, 536; vgl.
Jóhannesson, Isl. et. Wb. 227; Vries, Anord. et. Wb.2
99).

Entsprechungen von ahd. anka im Sinne von
Genick finden sich weder im Andd., Andfrk.,
Aengl. noch Anord., während etym. nahver-
wandte Bildungen auf -al-, -il-, -ul- mit der
Bed. Knöchel, Fußgelenk ungleich weiter ver-
breitet sind ( ankala, enkil); auch got. *hals-
agga = τράχηλος Hals, Nacken (für überlie-
fertes bals-), das auf urg. *ang- (< idg. *angh-
oder *ank-´) zurückführt, ist fernzuhalten (ver-
fehlt sind Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 242 und
Streitberg, Urg. Gr. 125, die beide ahd. anka
auf dieselbe idg. Wz. *ank-´ zurückführen wie
got. *hals-agga).

Außergerm. Verwandte von ahd. anka Genick,
für das eine idg. Basis *ang- (**H2eng-) bie-
gen
anzusetzen ist, machen z. T. Schwierigkei-
ten hinsichtlich der Bedeutung. Am plausibel-
sten scheint noch Anschluß an aind. ágam
Glied nebst agúli-, agúri- Finger, Zehe, av.
anguta- dss., wohl auch arm. angiun, ankiun
Winkel, Ecke, lat. angulus, aksl. g(ъ)lъ dss.;
aber die immer wieder zitierten, über die Bed.
Hinterkopf, Schädel vermittelten (J. Scheftelo-
witz, BB 28 [1904], 150; O. Schrader, Zfvgl.Spr.
30 [1890], 461) gr. Vokabeln ἄγγος Eimer,
Schale
und ἀγγεῖον (< *ang-es-on) Gefäß
werden heute meist als entlehnte Mittelmeer-
wörter oder als schlechthin etym. dunkel be-
zeichnet und aus ähnlichen Überlegungen her-
aus gesteht man auch dem (m)ir. aigen (Neben-
form von *aingen), Gl. für patella Pfanne,
nicht weiterhin idg. Herkunft zu.

Walde-Pokorny I, 38. 60 ff.; Pokorny 46 f.; Mayrho-
fer, K. et. Wb. d. Aind. I, 21; Bartholomae, Airan. Wb.
130 f.; Hübschmann, Arm. Gr. 419; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. I, 48 f.; Vasmer, Russ. et. Wb. III, 171;
Frisk, Gr. et. Wb. I, 8; Boisacq, Dict. ét. gr.4 6. 352;
Chantraine, Dict. ét. gr. 8 f.; Vendryes, Lex. ét. de l’irl.
anc. A28.

Mdartl. lebt das ahd. Wort anka mit der Bed. Ge-
nick
vor allem im Schwäb. und Rhein., vereinzelt
auch noch im Hess., Thür., Westfäl. fort, s. Fischer,
Schwäb. Wb. I, 223 f. (fem., selten m.); Ochs, Bad.
Wb. I, 53; Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr.
I, 246 (f. auch m. in gegenwärt. Mda. ); Foll-
mann, Wb. d. dt.-loth. Mdaa. 10; Müller, Rhein. Wb. I,
194; Christmann, Pfälz. Wb. I, 251; Vilmar, Id. von
Kurhessen 12; Hertel, Thür. Spr.schatz 60; Westf. Wb.
I, 170. Vgl. auch Mitzka-Schmitt, Dt. Wortatlas IV,
Karte 15.

S. auch ankala, hahil.

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