*archengil
Band I, Spalte 318
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*archengil m. a-St. Erzengel, nur einmal be-
legt in Murb. H. VII, 5, 3 und zwar unvollstän-
dig: ar ... lo gen.pl. (chorus) archangelorum
(sonst ahd. furistboto, -engil, -kundâri s.d.d.); in
Anbetracht von Sievers’ Statistik für Murb. H.,
84 umgelautete e neben 24 unumgelauteten
(S. 11 und Schatz, Ahd. Gr. § 50), ist der Ansatz
mit -e- wahrscheinlicher (doch s. ebd. 62).
Mhd. erz-, (einmal arz-)engel st.m. Nhd. Erz-
engel (d. i. Gabriel, Michael, Raphael).

Ahd. Wb. I, 630; Schützeichel3 10; Lexer I, 705; Be-
necke I, 434; Dt. Wb. III, 1076 (Erz-); Kluge21 174.

Das aus dem Lat. und letztlich Griech. über-
nommene Wort hat sich nicht in allen germ.
Sprachen eingebürgert, auch nicht zur selben
Zeit. So geht das einmal bezeugte got. arkaggi-
lus wohl als ganzes auf gr. ἀρχ-άγγελος zurück
mit Anpassung an die u-Klasse (Braune-Eb-
binghaus, Got. Gr.18 § 119 b), mit -k-Aussprache
des -χ- (ebd. § 57) und mit -i- für unbet. gr. -ε-
(ebd. § 9 Anm. 2 sowie Kluge, El. d. Got.3
§ 140). Auch ahd. archengil ist sicher als ganzes
aus lat. archangelus entlehnt worden und relativ
früh im Vergleich zu den lat. Lehnwörtern mit
erzi- (s.d.). Desgleichen spiegelt ae. arce-, ærce-,
das in mehreren Zss. vorkommt, noch die ältere
lat. Aussprache wieder (s. Campbell, OE Gr.
§ 538); allerdings dürfte das erst seit Ende des
12. Jh.s bezeugte me. archangel (auch arc-) über
afrz. arc(h)ang(e)le [ark-!] entlehnt worden
sein, ne. archangel (ae. statt dessen meist
hēahengel bis ca. 1200). Wie so oft im Falle von
geistlichen Termini geht der anord. Wortteil
erki-, erke- seinerseits auf ae. Entlehnung zu-
rück, davon nnorw. erke-, ndän. ærke- (neben
erts- < dt. erz-), nschwed. ärke- (neben erts-),
aber die lat. Zss. arch-angelus wird im Anord.
mit hfuð- oder yfir-engill wiedergegeben (ein
einmaliges ä.dän. ærkeengel ist wohl analoge
Neubildung). Im Gegensatz dazu führen mhd.
nhd. erzengel, mndd. erse-engel sowie mndl.
erts-, nndl. aarts- und nskand. erts- (letzteres
über dt. erz- entlehnt) auf ein wesentlich später
übernommenes arci- mit [ts] zurück.

Feist, Vgl. Wb. d. got. Spr. 54; Holthausen, Ae. et. Wb.
7; Bosworth-Toller, AS Dict. 17. 48; Suppl. 18; ME
Dict. AB, 355; OED I, 430 f.; Jóhannesson, Isl. et.
Wb. 981; Kahle, Anord. Spr. im Dienste d. Christ. 331.
390; Fischer, Lehnw. d. Awestnord. 52. 100. 196;
Ordb. over d. danske sprog IV, 530; XXVII, 1351 ff.;
Hellquist, Svensk et. ordb.3 1445; Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. I, 1, 605; Verdam, Mndl. handwb.
168; Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 6 f.; Vries, Ndls. et.
wb. 6.

Der lat. Prototyp archangelus ist seinerseits aus gr.
ἀρχάγγελος Erzengel entlehnt, einer Zss. des
Grundwortes -άγγελος Bote ( engil) mit ἀρχ(ι)-,
das häufiger den Vorrang als den Anfang bezeich-
net und zu der noch immer nicht sicher geklärten
Wortgruppe gr. ἄρχω der erste sein, ἀρχός Führer,
ἀρχή Anfang u. a. gehört. Thes. ling. lat. II, 454.
459; Mittellat. Wb. I, 877 f.; Wartburg, Frz. et. Wb.
(Neubearb.) XXV, 95; Frisk, Gr. et. Wb. I, 158 f.;
Chantraine, Dict. ét. gr. 121; Lex. d. frühgriech. Epos I,
1370 ff. (mit eingehender semant. Analyse); Walde-
Pokorny II, 367; dazu Güntert, Idg. Ablautprobl. 73
Fn. 2.

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