avalôn
Band I, Spalte 396
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avalôn sw.v. II sich um etwas mühen, sata-
gere; (auf dem Acker) arbeiten
(subst. part. prs.
avalônti cultor, sultor, Landmann); auch giava-
lôn
, sich bemühen; wieder, von neuem an-
bauen, bearbeiten
Var.: -afalôn, afolôn.

Als abalôn falsch angesetzt bei W. Prellwitz, BB 24
(1899), 215; Brugmann, Grdr.2 II, 1, § 263; Boisacq,
Dict. ét. gr.4 70. 697.

Vgl. mhd., nhd. mdartl. (bes. bayer.-österr.)
afel, arbeitende, eiternde Materie in Geschwü-
ren usw.
. Das bei Lexer, Mhd. Handwb.,
Nachtr. 36 einmal belegte Verb avelen und
nhd. mdartl. (bes. bayer.-österr.) afeln, äfeln ei-
tern
sind wohl von afel neu abgeleitet.

Ahd. Wb. I, 697; Schützeichel3 2; Starck-Wells 37 (wo
āvalōnti wohl nur Druckfehler ist); Graff I, 172 f.;
Schade 4; Lexer I, 22; Nachtr. 36; Dt. Wb. I, 181;
Kranzmayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. I, 92 ff.;
Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 40. Zum Sproßvokal vgl.
Braune, Ahd. Gr.13 § 65. 67; zur Bed. G. Schneide-
wind, PBB 81 (Halle, 1959), 181 ff.

Verwandte Verben sind nur im Skand. belegt:
aisl. afla (-ōn-Vb.) arbeiten, schaffen, werben,
efla (-jan-Vb.) stärken, ausführen, gewinnen,
können
; nisl. afla, efla; nnorw. avle erzeugen,
hervorbringen usw.
, evle vermögen, sich
(be)mühen
; ndän. avle erzeugen, hervorbrin-
gen
, nschwed. afla dss., aschwed. æfla stärken,
vorwärtsbringen
, nschwed. ävlas (deponens zu
mdartl. avla) streben.

Die zugrundeliegende urg. Form *afl- Kraft,
Stärke
ist weiter verbreitet: ae. afol, abal n., me.
avel, afell n. (nach E. Björkman, Scand. Loan-
words in ME 201, Lehnw. aus dem Skand.; un-
sicher); aisl. afl n., efli n. Kraft, Stärke, afli m.
Macht, Erwerb, Verdienst; aschwed. afl,
nschwed. avel, nnorw. (mdartl.) avl Kraft,
ndän. avl Ertrag. Dazu die germ. GN (Matro-
nis) Aflims, Afliabus den (Zauber) wirkenden
Göttinnen
; auch afries. evel Herd, aisl. afl m.
Esse, Feuerherd zum Schmieden (eigentl.: Ar-
beitsplatz, Werkstätte
). Vielleicht hierher das
unerklärte schwäb. Mundartwort afel-stang
Stange über dem Ofen zum Trocknen der
Späne, der Wäsche usw.
(Fischer, Schwäb. Wb.
I, 106). Das Wort ist im As. und Got. nicht be-
legt.

Das von Holthausen As. Wb. 4 und Feist, Vgl. Wb. d.
got. Spr. 1 zitierte as. aal (aval) stammt wohl aus
dem Glossar zu Behaghels Ausg. des as. Hel. und der
Gen., das auch Formen aus dem darin enthaltenen
Teil des ae. Genesis bietet; aal ist aber dort durch
ein Sternchen deutlich als ae. bezeichnet (s. Behaghel,
Hel. und Gen. 249 und 222 [ae. Gen. v. 500]). Ob das
im Ae. seltene Wort hier aus der verlorenen as.
Quelle stammt, bleibe dahingestellt.

Fick III (Germ.)4 16; Holthausen, As. Wb. 4; Holt-
hausen, Afries. Wb. 22; N. O. Heinertz, IF 35 (1915),
307 ff.; Holthausen, Ae. et. Wb. 2; Bosworth-Toller,
AS Dict. 2. 27; ME Dict. AB, 543; Vries, Anord. et.
Wb.2 2. 94; Jóhannesson, Isl. et. Wb. 85 f.; Holthau-
sen, Vgl. Wb. d. Awestnord. 1; Falk-Torp, Norw.-dän.
et. Wb. 37 f.; Hellquist, Svensk et. ordb.3 42. 1451;
Ordb. over d. danske sprog XXVII, 1421 f.; Haugen,
Norw.-Engl. Dict. 64. 118; Feist, Vgl. Wb. d. got.
Spr. 1.

Wegen des a-Vokalismus der fast sicher ver-
wandten gr. Wörter ἀναπελάσᾱς ἀναρρωσ-
θείς; ἀνηπελίη ἀσθένεια (Hesych); ὀλιγηπε-
λέων ohnmächtig; ion. εὐηπελής kräftig;
νηπελέω bin ohnmächtig, hat Pokorny (52)
eine idg. Basis *apelo- angesetzt, wozu auch die
illyr. PN Aplus, Aplo, Aplis usw. und der gall.
VN Dī-ablintes die Kraftlosen (< *-aplentes).
Ob der gr. GN Ἀπόλλων, Ἀπέλλων, Ἀπείλων
(kypr.), Ἄπλουν (thess.) hierher gehört oder
kleinasiatischer Herkunft ist, bleibt umstritten;
vgl. Frisk, Gr. et. Wb. I, 124 f. III, 35; Chan-
traine, Dict. ét. gr. 98; Boisacq, Dict. ét. gr.4
70 f.; W. Prellwitz, BB 24 (1899), 214 f.; P. Kret-
schmer, Glotta 18 (1930), 205; 27 (1938), 32; 31
(1948), 102; F. Sommer, IF 55 (1937), 176 ff.;
M. P. Nilsson, Gesch. d. gr. Religion2 [195561]
I, 555 ff.

Dagegen steht eine kaum zu leugnende Verbin-
dung mit der idg. Wz. *p- in aind. ápas- n.
Werk; ápnas- n. Besitz, Habe, Werk; lat. opus
n. Werk, operārī arbeiten, opfern, ops f. Ver-
mögen, Macht, Hilfe
; viell. heth. ap- reich-
lich vorhanden sein
, appin(a)- reich; ae.
æfnan, efnan, aisl. efna wirken, tun; mit langem
Vokal aind. pas- n. Werk, religiöse Hand-
lung
; ahd. uoba f. Feier, uobo m. Landbe-
bauer
, uoben tun, ausüben, verehren; as. ōian
feierlich begehen usw. ( uoba).

Alle Wörter lassen sich viell. dadurch vereini-
gen, daß man Mischung einer leichten Basis
*(ep-): *op- (**[H]ep-) und einer schweren Ba-
sis *ōp-: *ǝp- (**[H]eH3p-: **[H]H3p- oder
**H3eHp-: **H3Hp-) annimmt (vgl. z. B. die
Basenmischung *lek- (:*lek-) und *lēk-: *lǝk-,
Pokorny 673 u. a.). So besteht das den gr. For-
men zugrundeliegende *apelo- (< *ǝpelo-) aus
der Schwundstufe der Wz. *ōp- + *(e)lo-Suf-
fix zur Bildung von Adjektiven und Substanti-
ven (zu gr. α < *ǝ als Schwundstufe zu *ō s.
Schwyzer, Gr. Gram. I, 340 und vgl. z. B. σαχ-
νός trocken, dürr zu [κατα]σώχω zerreibe).
Obgleich die Mehrzahl solcher Bildungen im
Gr. die Vollstufe aufweisen, sind schwundstu-
fige Bildungen keineswegs unbekannt: vgl. εὐ-
τράπελος gewandt, witzig (sich leicht wen-
dend
, zu τρέπω); ἴκελος neben εἴκελος glei-
chend, ähnlich
(altertümliche Bildung auf-
grund der Schwundstufe von ἔοικα
: Frisk I,
716). Vgl. Chantraine, Dict. ét. gr. 355; ders.,
Form. des noms gr. § 190; Brugmann, Grdr.2 II, 1,
§ 262 f. Urg. *afl- kann auf idg. ǝ oder o zu-
rückgehen. Mit e-Vokalismus vielleicht lat.
epulum Festmahl, epulae Speisen, nach Er-
nout-Meillet, Dict. ét. lat.4 199 Terme de rituel
désignant un repas de sacrifice.

Nach W. Prellwitz, BB 24 (1899), 215 und Leumann,
Lat. Laut- u. Formenlehre § 302, ist das Suffix in lat.
opulens, opulentus eine jüngere Bildung innerhalb der
lat. Spr. (wie in pestilens, pestilentus) und nicht unmit-
telbar mit diesen Formen zu verbinden (wie Brug-
mann, Grdr.2 II, 1, § 263).

Walde-Pokorny I, 176; Pokorny 52; Boisacq, Dict. ét.
gr.4 70 f. 697; Frisk, Gr. et. Wb. I, 124 f.; II, 376;
Chantraine, Dict. ét. gr. 98. 791; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. I, 410; II, 215 f.; Ernout-Meillet, Dict. ét.
lat.4 199. 466; Brugmann, Grdr.2 II, 1, § 262 f.; H.
Krahe, Sprache u. Vorzeit 105. S. auch J. Manessy-
Guitton, IF 71 (1966), 25.

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