bêr, pêr
Band I, Spalte 542
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bêr, pêr m. a-St. Zuchteber, verres, porcus
(Gl., Notker); mhd. bêr, nhd. (mdartl.) Bär,
Be(e)r (in der Hochsprache ist das Wort am
Gleichklang mit Bär ursus zugrundegegan-
gen).

Ahd. Wb. I, 879; Schützeichel3 13; Starck-Wells 46;
Graff III, 202; Schade 50; Lexer I, 183; Benecke I,
104; Dt. Wb. I, 1124; Kluge21 51; Palander, Ahd. Tier-
namen 157 f. Schweiz. Id. IV, 1453; Fischer, Schwäb.
Wb. I, 854; Schmeller, Bayer. Wb.2 I, 263; Kranz-
mayer, Wb. d. bair. Mdaa. in Österr. II, 1029 ff.; Foll-
mann, Wb. d. dt.-lothr. Mdaa. 35; Müller, Rhein. Wb.
I, 615 f.; Christmann, Pfälz. Wb. I, 700; Vilmar, Id.
von Kurhessen 31; Mitzka, Schles. Wb. 91; Westf. Wb.
I, 476 ff.; Jungandreas, Ndsächs. Wb. I, 997; Mensing,
Schleswig-holst. Wb. I, 294.

Entsprechungen sind nur im Westgerm. belegt:
as. bēr, auch in der gleichbed. Zss. bēr-swīn,
mndd. bēr(e); mndl. bere, beer, nndl. beer; ae.
bār, bǣr, me. bōr(e), bār(e), ne. boar; langob.
-pair in der Zss. sonor-pair Herdeneber, der
stärkste Eber einer Herde
.

Fick III (Germ.)4 257; Holthausen, As. Wb. 6; Lasch-
Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 212; Schiller-Lübben,
Mndd. Wb. I, 237 f.; Verdam, Mndl. handwb. 76;
Franck, Et. wb. d. ndl. taal2 40; Vries, Ndls. et. wb. 37;
Holthausen, Ae. et. Wb. 16; Bosworth-Toller, AS
Dict. 68; Suppl. 62; ME Dict. AB, 1046 f.; OED I,
952; Bruckner, Spr. d. Langob. 212 (Register); § 18. 27
Anm. 2. 29. 72.

Aisl. -bassi in val-bassi wilder Eber (vgl. dt. Weid-
mannssprache Basse großer Wildeber) wird manch-
mal hierher gestellt (< *bār-s-an mit Kürzung des ā
vor Geminata; s. Heusler, Aisl. El.buch7 § 91; zum
Suffix -s- fuhs), aber da das Grundwort *baira-
außerhalb des Westgerm. nicht vorkommt, hat man
aisl. -bassi auch auf *barh-s-an zurückgeführt und
mit brgr Eber (poet.) verknüpft (s. ahd. barug ver-
schnittener Eber
), was wohl vorzuziehen ist. Vgl.
Vries, Anord. et. Wb.2 28; Jóhannesson, Isl. et. Wb.
615; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 53; Torp, Ny-
norsk et. ordb. 17.

Das Wort hat keine sichere Etymologie.

Holthausen, Ae. et. Wb. 16; ders., Anglia Beiblatt 35
(1924), 238 stellt es zu gr. φαιός braun, dunkel (also
zur idg. Wz. *ghē- : *g-). Der Eber sei der
(Dunkel)Braune
; vgl. ahd. bero Bär = der Braune.
Diese Et. ist phonologisch nur dann haltbar, wenn
der von E. Seebold, Zfvgl. Spr. 81 (1967), 104 ff. u. a.
vorgeschlagene Lautwandel idg. *gh > germ. *b im
Anlaut zutreffen sollte, was sehr unsicher ist.

Nach Fick III (Germ.)4 271 (zustimmend Pokorny
162), gehört es zu ahd. bîsa Nordostwind, bisôn,
mhd. bisen biesen, toll umherrennen, von der idg.
Wz. *bhō-: *bhǝ- : *bhī- sich fürchten (aber im
Germ. auch aufgeregt einherstürmen [?]); sehr un-
wahrscheinlich.

Petersson, Etym. Misz. 22 f., verknüpft es mit lat. faex
Bodensatz gegorener Flüssigkeiten, lit. bojus
Sumpf, alles zu einer idg. Wz. *bhā- : *bhǝ-
Schmutz, Schlamm, die aber sonst nicht bezeugt
ist. Der Eber sei also etwa der Dreckige, im Sumpf
sich Wälzende
; kaum besser als die vorigen Versu-
che.

Vielleicht liegt der Schlüssel zur richtigen Deu-
tung des Wortes in dem Gegensatz zwischen
germ. *baira- Zuchteber und *barua- ver-
schnittener Eber
. Sehr oft werden männliche
Zuchttiere nach ihrer geschlechtlichen Funk-
tion benannt: vgl. Bulle, Farre, Schellhengst (ahd.
scelo), wahrsch. Ochse u. a. In den dt. Mdaa. be-
deutet das vom Nomen Bär Eber abgeleitete
Adj. bärig (bearig) oder bär(e)sk brünstig (vom
Schwein)
; vgl. z. B. Schöpf, Tirol Id. 36; Schatz,
Wb. d. tirol. Mdaa. 61; Müller, Rhein. Wb. I,
616; Westf. Wb. I, 477 ff.

Germ. *baira- läßt sich also viell. auf die idg.
Wz. *bhe(ǝ)- schlagen, (stoßen?) zurückfüh-
ren (Pokorny 117 f.). Zur Bed. vgl. lat. futuere
beschlafen, aisl. beytill Zeugungsglied des
Pferdes
zur Wz. *bh- : *bh- schlagen, sto-
ßen
(Pokorny, 112; Walde-Hofmann, Lat. et.
Wb. I, 574; Vries, Anord. et. Wb.2 35) und den
weitverbreiteten Gebrauch eines Verbums mit
der Grundbed. schlagen u. dgl. bes. in der
vulg. Spr., um die Begriffe futuere, coire auszu-
drücken (z. B. gr. παίω schlage, bei Aristopha-
nes auch futuo; lit. pìsti coire serb.-ksl.,
aruss. pьchati [mit den Füßen] stoßen, aus-
schlagen
; dän. knolde beschlafen aisl. knylla
schlagen, prügeln usw.; s. auch Buck, Dict. of
Sel. Syn. 279 f.). Zum Suffix -r- vgl. ahd. widar
Widder und s. Wilmanns, Dt. Gr. II, § 215 ff.

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