baldriân
Band I, Spalte 437
Symbol XML-Datei TEI Symbol PDF-Datei PDF Zitat-Symbol Zitieren

baldriân mhd. st. m., nur in Gl. seit dem
13. Jh., auch waldriân(kraut).: Baldrian, vale-
riana, amantilla u. a.
(Valeriana officinalis L.),
nhd. Baldrian.

Ahd. Wb. I, 793; Starck-Wells 41; E. Björkman, Zfdt.
Wortf. 6 (19045), 178; Schade 37; Lexer I, 115; III,
650 (waldriân); Benecke I, 79; A. Birlinger, ZfdA. 14
(1869), 178 f.; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 605; Dt. Wb.
I, 1084; XIII, 1184; Kluge21 46; Trübners Dt. Wb. I,
219. Vgl. auch Marzell, Wb. d. dt. Pflanzennamen V,
990 ff.; ders., Dt. Heilpflanzen2 253 ff.

Kein Zweifel, mhd. baldriân mit langem -â- in
unbetonter Silbe ist ein mittelalt. Lehnwort aus
spätlat. valeriāna (im klass. Lat. als Appellati-
vum nicht zu belegen) wie auch mndd. boldriān,
baldriān(e); mndl. valeriane, nndl. valeriaan;
afrz. (seit 12. Jh.) valeriane; italien. span. port.
valeriana; me. valeriane (aus dem Frz.), ne. va-
lerian; dazu die modern skand., slav. u. a. Ent-
sprechungen (z. T. aus dem Dt. entlehnt): dän.
norw. baldrian, schwed. valeriana; russ. bal-
dyr’jan, valer’jana; ungar. baldrian; lit. valerijõ-
nas, lett. buldurene. Den Einschub von -d- ver-
danken die dt. Formen der Kons.verbindung
-lr- in *valrian- (s. Paul, Dt. Gr. I, 322); zur
Substitution von dt. b- für mlat. v- s. Kluge,
Lat. Lehnworte 348 und E. Kranzmayer,
ZfOrtsnamenf. 10 (1934), 127 f.

Lasch-Borchling, Mndd. Handwb. I, 1, 137. 311. 368.
634; Schiller-Lübben, Mndd. Wb. I, 378; Verdam,
Mndl. handwb. 640; Wb. d. ndl. taal XVIII, 271 ff.;
OED XII, 21; Falk-Torp, Norw.-dän. et. Wb. 45;
Ordb. o. d. danske sprog I, 1071; Svenska akad. ordb.
B161; Hellquist, Svensk et. ordb.3 1301; Vasmer,
Russ. et. Wb. I, 46. 166; Mühlenbach-Endzelin, Lett.-
dt. Wb. I, 348. Vgl. auch V. Bartoldi, Arch. Rom. 10
(1926), 210 ff.

Der alt. Prototyp valeriāna seinerseits dürfte
von einem Eigennamen abgeleitet sein, entwe-
der dem PN Valerius, der in Pauly-Wissowas
Realenzykl. XIV, 1 (1943) insgesamt für 151 In-
dividuen verzeichnet ist (außerdem 44mal Vale-
rianus, 13 Valeria und 3 Valeriana), oder aber
dem Namen der Provinz Valeria (nach Kaiser
G. Aurelius Valerius Diocletianus), einer Land-
schaft zwischen Ostalpen, Donau und Drau
und dem angeblichen Lieblingsstandort (?) der
Pflanze (s. Bartoldi a.a.O.; Walde-Hofmann,
Lat. et. Wb. II, 727 [valeo]. 728 [valeria];
Schulze, Zur Gesch. lat. Eigennamen 106 f.). Je-
denfalls kommt ein Zusammenhang mit dem
lat. Verbum valēre stark, kräftig sein (von der
vermeintlichen Heilkraft!) nicht in Frage. Noch
viel weniger wahrscheinlich ist die immer wie-
der zitierte Verknüpfung mit dem Namen des
germ. Gottes Balder, was doch schon von J.
Grimm, Dt. Mythol.3 (1854) II, 1010 entschie-
den zurückgewiesen worden war. Und was die
volkstümliche Bezeichnung der Pflanze im heu-
tigen Skand. anbelangt, isl. vélantsurt, dän. ve-
landsurt, schwed. velands-, velams-, vändelrot,
norw. vendelrot mit ihrem Hinweis auf den be-
kannten Schmied der germ. Sage, so handelt es
sich dabei natürlich um volksetym. Angleichun-
gen einer unverstandenen, weil nicht einheimi-
schen Vokabel nicht umgekehrt, wie immer
wieder behauptet wird (so Falk-Torp a.a.O. 45
und Schrader, Reallex. d. idg. Alt.2 I, 77 f.). Wie
fremd das Wort Baldrian auch in Deutschland
empfunden wurde, beweist am besten die Un-
zahl von mdartl. Entstellungen von Baldersmån
bis Bollerjahn und Tollerjahn, am ausführlich-
sten zusammengestellt bei Marzell, Wb. 992 ff.

Information

Band I, Spalte 437

Zur Druckfassung
Zitat-Symbol Zitieren
Symbol XML-Datei Download (TEI)
Symbol PDF-Datei Download (PDF)

Lemma: