bmeth
Band I, Spalte 451
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bmeth mhd. st. m. (?) ist nur einmal in Gl. 3,
380, 49, Codex Oxon. Julius 83 (13. Jh.) be-
zeugt, dessen Dialektstand im wesentlichen als
mfrk. gekennzeichnet wird (so Bergmann,
Mfrk. Glossen 269, bes. 273. 276); das Wort er-
scheint in einem Zusammenhang, der nach P.
Piper, Lit.bl. f. germ. u. rom. Phil. 18 (1897), 76
um einen zusätzlichen Trennpunkt zwischen
pasch und wiese zu vermehren ist, also nicht pa-
schwiese (wie noch Ahd. Wb. I, 802), sondern
wie folgt: pratum. pasch. wiese. bameth, wozu
Steinmeyer in Fn. 15 aus Schuerens spätmndl.
Teuthonista (1477) zitiert bend (die neuere
Ausgabe des Teuthonista von J. Verdam 1896
druckt beemt [bend] 31). wese. weyde. wijsche.
mate. pasch
, und in Fn. 16 zu bameth notiert:
nndl. beemd. Neben der nndl. Standardform
beemd m. fehlt es im Mndl. nicht an Varianten
wie bemt, bempt, bendt, bampt, während im
Deutschen zahlreiche mundartliche Entspre-
chungen wie Bänd, Band, Banden u. a. nach den
Angaben von Müller, Rhein. Wb. I, 436 ff. und
den noch genaueren und jüngeren Aufnahmen
von E. Westphal, Rhein. Vj.blätter 4 (1934),
129 ff., bes. 161 f. und 152. 155 (mit Karten),
sich besonders linksrheinisch bis zur Mosel und
Eifel hin südwärts ins hochdeutsche Dialektge-
biet erstrecken. Dem Sachgehalt nach scheint
das Wort vorwiegend nicht eingefriedigte,
baumlose Heuwiese, meist abgelegen
zu be-
zeichnen; doch melden sich auch Fälle, in de-
nen von aufstehenden Bäumen oder einge-
hegter Gartenwiese
die Rede ist.

Ahd. Wb. I, 802 (wo ein Stichwort bmid [?] ohne
sprachliche Einzelbegründung und bedeutungsmäßig
als mit Obstbäumen bepflanztes Land verzeichnet
wird); Starck-Wells 41; Diefenbach, Gl. lat.-germ. 451
(s. v. prātum beemt sowie bampt, s. auch E. G. Graff,
Diutisca II, 228); Verdam, Mndl. handwb. 62; Wb. d.
ndl. taal II, 1, 1295 ff.; Müller, Rhein. Wb. I, 436 ff.

Dieses Schwanken der sprachlichen Formen
und ihrer Bedeutung steht natürlich auch einer
Klärung der immer noch dunklen Etymologie
im Wege. So begnügt man sich vielfach weiter-
hin mit den schon in Francks Etym. wb. d. ndl.
taal2 40 theoretisch rekonstruierten Grundfor-
men *bam-iđ/þ-(i, a) für be(e)md (mit Umlaut),
sowie *bam-đa, -đō für band (mit Synkope) und
*bam-đi(a) für bend (mit Umlaut und in beiden
Fällen mit Assimilation von m > n vor dem
folgenden Dental, ähnlich wie in nhd. Schande
zu schämen), doch jeweils ohne inhaltliche Deu-
tung der Stammsilbe. Soweit diese mit ihrem
Stammvokal auf langes -ā- als mdartl. Vertre-
tung von urg. -au- zurückgeführt werden kann,
wie durchgehends im Fries. und großen Teilen
des Fränk., sporadisch auch im Asächs. (vgl.
Heliand Cott. 1748: fan alloro bāmo gehuilicumu
und die lange Liste bei Gallée, As. Gr.2 § 96),
vom Bairischen ganz zu schweigen, ist ein An-
satz *bām-ithi mit Bäumen bestandenes Flur-
stück
( boum) lautlich nicht ganz von der
Hand zu weisen, nur daß die Bedeutung sich
nicht damit verträgt; mit Umlaut ergab sich
daraus *bēmeth, doch dringt die Schreibung mit
-ē- statt -ā- meist erst spätmittelalterlich durch;
auch das ausl. -th für urg. -þ scheint noch be-
wahrt wie in der benachbarten Glosse manoth,
3, 380, 16 für mensis. Wenn sich daneben um-
lautslose Formen eingebürgert haben, so dürfte
dies, wie schon gesagt, auf Synkope zurückzu-
führen sein, vielleicht auch auf Variation mit
nicht-palatalem Suffixvokal, wie etwa in dem
vereinzelten mndd. bāmoth (s. Lasch-Borchling,
Mndd. Handwb. I, 1, 140).

Die Stammsilbe von Bildungen auf germ.
*-iþ/đja ( -idi und vgl. Kluge, Nom. Stamm-
bildung3 § 70) enthielt mit Vorliebe pflanzliche
oder landwirtschaftliche Bezeichnungen, be-
sonders auf ndd. und md. Gebiet, wie etwa die
ON Erlte < Erel-ithe (ca. 1000) Erlengebüsch,
Birt < Birk-ethe 12. Jh., Winden < Winethe
(a. 976) zu ahd. winne f. Weideplatz und an-
dere, die ihren ausl. Vokal oft früh verlieren,
wie der unserem bmeth ähnlich laufende ON
Braamt in Geldern, a. 1191 Bremeth, zu ahd.
brâma, -o Dornstrauch. Vgl. Bach, Dt. Namen-
kunde II § 231, 1 a. 232; Förstemann, Adt. Na-
menbuch23 II, 1, 562; J. Petters, Germania 12
(1867), 469 ff.

Übrigens fehlt es auch im Süden des dt. Sprachge-
biets, wo sich die -ithi- (und -ith-)Bildungen nur sel-
ten finden, keineswegs an vergleichbaren Kollektiv-
Ableitungen: da sind an erster Stelle die auf ahd. -ahi
(s. d.), nhd. -ich(t), mdartl. -ǝt, wie etwa schweiz. Bau-
met m. Pflanzung mit Fruchtbäumen, Schweiz. Id.
IV, 1251. Schwieriger ist die phonologische und mor-
phologische Zuordnung von sprachlich so stark redu-
zierten obd. Gegenstücken wie bams, boms baumrei-
che Flur
, in denen Behaghel, Gesch. d. dt. Spr.5 367
Anm., analogische Formen sah zu Eiches, Büches; an-
ders J. Schnetz, ZfOrtsnamenf. 11 (1935), 120 ff. und
Anm. 3, wieder anders Bach, Dt. Namenkunde II § 229
und 624 c.

Wer sich jedoch an der überlieferten lautlichen Form
der Stammsilbe (nie Diphthong!) und an der Diskre-
panz der Bedeutung stieß, mochte wohl geneigt sein,
wie Vries, Ndls. et. wb. 36 u. a., im Anschluß an alt-
überlieferte Ortsnamen wie Bana-matha 8. Jh., Bana-
maden 8. Jh. = Bonbaden bei Wetzlar (s. Förste-
mann, Adt. Namenbuch23 II, 1, 355) oder an das viel-
zitierte Lango-bano-mothe (bei Xanten), 2. Hälfte
11. Jh. (s. M. Gysseling, Toponym. Wb. I, [1960], 114.
120) in Formen wie bāmoth, bam(p)t, band Kontrak-
tionen aus einer ehemaligen Zusammensetzung
ban(n)- und -mād- mit der Bed. (vorübergehend)
fürs Weiden gesperrte (oder allgemeiner: gemeinsam
betreute) Mähwiese
zu vermuten: ein Versuch, der
schon an der Frage nach dem Umlaut in der heute
ndl. zumeist gebrauchten Form be(e)mt scheitert.
(Damit erledigt sich erst recht der sprachgeschicht-
lich weithergeholte Ansatz eines roman. *[em]ban-
[n]iment, so zuletzt H. Dittmayer, Rhein. Vj.blät-
ter 23 [1958], 107 ff. sowie Rhein. Flurnamen [Bonn,
1963], 23.)

So bleibt zu guter Letzt, wenn schon gleichfalls
nicht ohne sprachliche und sachliche Bedenken,
eine von P. Lindemans in den Nomina Geogra-
phica Flandrica V, 2 (1946), 23 ff. vertretene
Möglichkeit, die auch M. Schönfelds Beifall ge-
funden hat (Meded. d. Kgl. Ndl. Akad. van We-
tenschappen, Amsterdam 1949, Afd. Letter-
kunde, NR 12, No. 1): ermutigt durch Gelände-
bezeichnungen, die mit dem Präfix b- gebildet
und teilweise kontrahiert sind, wie germ. *bi-
gardi- außerhalb des umgrenzten Grundstük-
kes angelegter Hausgarten
(so E. Gamill-
schegg, Romania Germanica I, 97 f.), got. bibaur-
geins Lagerplatz, ahd. bizûna, -i Gehege,
Bitze
(s. d.), biunta (< *biwanta) umzäunter
Platz, Beunde
(s. d.) im Dt. Rechtswb. II
(193235), Sp. 238 ff. fälschlicherweise mit ben-
den, banden in einen Topf geworfen fand sich
Lindemans geneigt, in Formen wie beemd, bemd,
bamd u. ä. Kontraktionen aus älterem *bi-ha-
mithi zu erblicken, um so mehr als auch das
Simplex *hamithi (neben seiner Sonderbedeu-
tung ahd. hemidi Hemd s. d.) im Ndl.,
Ndsächs. und Afries. sehr häufig zur Bezeich-
nung abgeschlossener, geschützter Örtlichkei-
ten dient (< idg. Wz. *em- bedecken, ver-
hüllen
), so daß man einer Zusammensetzung
mit b- den Sachgehalt umschlossene Räum-
lichkeit
wohl zuschreiben dürfte. Wiederum
steht dies im Gegensatz zu der obengenannten
vorherrschenden Bedeutung von Be(e)mt bā-
meth als einer nichteingefriedigten Heuwiese;
auch findet sich in diesem Falle, nicht wie bei
Beunde oder Bitze, selbst bei den ältesten Bele-
gen nicht eine Spur von dem ehemaligen Voka-
lismus eines vorauszusetzenden Präfixes b-
oder dem Anlaut von *hamithi.

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